Oberwiesenthal: Mit Volldampf auf die Piste

Im Erzgebirge liegt eines der nördlichsten Alpin-Skigebiete Deutschlands. In den zurückliegenden Jahren wurde kräftig in das Familienskigebiet am Fichtelberg investiert. Ist Skifahren im Kurort Oberwiesenthal eine naheliegende Alternative?

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Die riesige Skiwiese am Kleinen Fichtelberg reicht bis an den Ort

Text und Bild Frank Wündsch, Stadtverwaltung Oberwiesenthal

Es kommt eher selten vor, dass wir aus dem tiefen Süden Deutschlands zum alpinen Skifahren in den Norden aufbrechen. Diesmal hat uns die Neugier gepackt, auf Sachsens höchstgelegenes Skigebiet. Manche sagen, es liege vor der Haustür der Berliner. Schon seit Jahrzehnten sollen sich in der Heimat des Skispringers Jens Weißflog die Lifte drehen.

Die Sonne ist längst hinter dem Fichtelberg verschwunden, als wir Oberwiesenthal schließlich erreichen. Unser erster Weg führt ins Skistadion. Hier enden die Pisten in unmittelbarer Nähe des Ortszentrums. Etwas verloren wirkt ein DJ im riesigen Musikpavillion. Der Mann gibt sein Bestes, drückt beim Skifahrervolk beliebte Hits durch die Boxen und animiert Wintersportler zum Open-Air-Tanzvergnügen. Gegenüber Sabines Schirmbar läuft der Nachtskilauf. „Gleich startet die Fackelabfahrt der Skischulen“, ruft einer, der es wissen muss, in die Menge. Und tatsächlich: Das Flutlicht erlischt, ein Walzer ertönt, und im Dreivierteltakt schwingt eine skilaufende Horde hinab in Richtung Alter Club, einem aus großen Steinen gemauerten Gebäude aus der Frühzeit des Wintertourismus. Ein stimmungsvoller Einstieg in die Skitage.

Weihnachtliches Kunsthandwerk

Schon die Anreise durch den abendlich beleuchteten Ort hatte verblüfft. In ungezählten Schaufenstern funkelten Lämpchen ausgestellter Lichterbögen, gedrechselter Bergmänner, Engelchen und elektrischer Pyramiden um die Wette. Dabei ist die Adventszeit schon lange vorbei. Das Erzgebirge hat den Ruf eines kunsthandwerkerreichen Weihnachtslands. Unsere Unterkunft hört auf den Namen „Schachtelbud“. Denn über viele Jahrzehnte entstanden im heutigen Gasthof Herberger Papierschachteln, unter anderem als Verpackung fürs erzgebirgische Kunsthandwerk. Beinahe könnte man vermuten, rund um den Fichtelberg wohnten überall Drechslermeister, Reifendreher oder Pyramidenbauer.

Aber auch Skilehrer müssen unter den Bewohnern sein, denn Oberwiesenthal hat rund ein halbes Dutzend Skischulen! Und zum Skifahren sind wir schließlich hier. So treffen wir am nächsten Morgen Alexander Wagner. Einst aktiver Skispringer, ist er heute Schneemeister und stellvertretender Seilbahnbetriebsleiter und damit Spezialist fürs Skigebiet am Fichtelberg.

Zunächst fahren wir hinauf zum Fichtelberghaus. Das verschafft Überblick vom mit 1.215 Metern höchsten Berg Sachsens. Zu unseren Füßen wurden einige Schneisen in den Fichtenwald geschlagen. Denn Oberwiesenthal ist ein traditionsreiches Wintersportzentrum. Seit dem Jahr 1935 führt der Ort den schmückenden Zusatz „Kurort“ als Vornamen. Viele Bergbauarbeiter kamen zur Luftkur. Oberwiesenthal hat sogar Stadtrecht und darf sich „höchstgelegene Stadt“ Deutschlands nennen. Doch mit ihren knapp 2.400 Einwohnern hat die Bergstadt mit dem schmucken Marktplatz eher den Charakter eines überschaubaren Ferienorts. Insbesondere zur Skisaison, die in der Regel von Anfang Dezember bis Ende März dauert, ist hier eine Menge los.

Die Schwebebahn wurde zum Wahrzeichen

Die frühe Blüte des Wintersports führte vor bald 90 Jahren zur Inbetriebnahme der Fichtelberg-Schwebebahn. Fünfundvierzig Personen fassen heute die Kabinen der für ein Mittelgebirge großen Anlage.

Mehrfach modernisiert, wurde der Schwebebahn-Klassiker zu einem Wahrzeichen für den Ort und das Erzgebirge. Einige Schlepplifte ergänzten das Angebot. Ab 1993 begannen Erweiterung und Ausbau des Skigebiets. Der Kurvenlift wurde errichtet. Im Jahr 1999 brachte die neue ViererSesselbahn eine Erhöhung der Beförderungskapazität. Die Folgejahre führten zu kräftigen Investitionen in die Schneetechnik, so dass heute rund 70 Prozent der Pisten beschneit werden können. Im Jahr 2004 kam noch ein Funpark mit zwei Kickern, sechs Rails und drei Funboxen hinzu.

Der Umbau der Fichtelberg-Schwebebahn mit ihren feuerroten Kabinen zur Umlauf-Gondelbahn war zum Winter 2012/2013 geplant. Denn zuletzt wurde die Bahn meist von Rodlern, Langläufern und winterwandernden Familien genutzt. Nun soll das einzigartige Technikdenkmal erhalten und für alpine Skiläufer interessanter werden, die zuletzt häufig die parallel verlaufende Sesselbahn vorzogen. „Wir binden die Talstation an die Skipisten an, damit Skiläufer künftig auf den Brettern bis zum Bahnsteig fahren können“, erläutert Alexander Wagner die Planungen für den Sommer 2012.

Für Flitzer und Genießer

Vom großen Fichtelberg gleiten wir hinüber zu seinem kleinen Bruder. Deren Bergrücken und Pisten gehen ineinander über. Knapp sechzehn familienfreundliche Pistenkilometer verteilen sich auf zehn meist leichte bis mittelschwere Abfahrten. Mit einem Höhenunterschied von maximal 300 Metern hat das Mittelgebirgsskigebiet eine respektable Größe. Vor allem Genusssportler und Skischüler fühlen sich hier wohl.

Doch das Highlight des Oberwiesenthaler Pistenangebots ist sicher die Rennstrecke unterhalb der Schwebebahn. Mit einem schönen Steilstück versehen, prima präpariert und bestens in Schuss, fanden wir hier großes Vergnügen. Und weil die meisten Skifahrer offensichtlich die sanfteren Hänge vorziehen, trafen wir hier nicht nur auf guten Schnee, sondern fanden auch jede Menge Platz vor und konnten den Brettern mal richtig die Sporen geben.

Sehr gut gefallen hat uns auch Piste 9, mit Namen Himmelsleiter und Blick auf Hammerunterwiesenthal. Auf den 1,3 Kilometern des Fichtelberg-Nordosthangs fanden wir den besten Schnee. Ein uriges Holzbüdchen mit ein paar einladenden Stehtischen ist ein willkommener Stopp für eine Erfrischung oder eine schnelle Wurst aus der örtlichen Metzgerei, eine „hausgemachte Oberwiesenthaler Bratwurst“. Eine Alternative bietet die Sportbaude Waldeck mit diversen Schaukästen zu Winter-Olympiasiegern im Gastraum. Die Fahrt mit dem Schlepplift wieder hinauf sind gut investierte sechs Minuten. Die Sesselbahn am kleinen Fichtelberg erschließt zwei rote Abfahrten mit insgesamt 1,4 Kilometern Länge. Flutlichtfreunde kommen in Oberwiesenthal freitags und samstags auf ihre Kosten. „Und in den Ferien schalten wir die Scheinwerfer sogar sechs Mal pro Woche an“, verrät unser Guide. Dann geht’s von Montag bis Samstag rund unterm Sternenhimmel.

Genießer lieben die Himmelsleiter

Eine wesentlich größere Bedeutung fürs Fichtelberg-Skiing haben die Schlepper Kurvenlift und Nachtskilauflift. Sie erschließen die riesige Skiwiese vom kleinen Fichtelberg bis hinab an den Stadtrand. Hier tummeln sich Groß und Klein. Beliebt ist der Einkehrschwung bei der Skihütte Pistenblick an Abfahrt 4 und das Relaxen auf der großen Sonnenterrasse. Eine Alternative ist die Schirmbar am Fuße von Funpark und Rennstrecke. Hier kann man frisch erholt gleich mit dem Vierersessel wieder hinauf zum Fichtelberg schweben und die gewonnene Energie als Schwünge in den Schnee zaubern. Wer die Ski mal abschnallen will, vergnügt sich am kleinen Rodelhang beim Prijut 12 oder nimmt vielleicht die große Rodelbahn vom Fichtelberg nach Oberwiesenthal in Angriff.

Täglich bis 17:00 Uhr befahrbar, quert die Strecke nach 800 Metern die Lifttrasse Himmelsleiter, um nach weiteren fünfhundert Metern ganz in der Nähe des Après-Ski-Vergnügens zu enden.

Und das Angebot dazu ist bemerkenswert. Ob an Sabines Schirmbar neben dem Musikpavillon, in der Lawine, im K1 oder am Pistenblick beim Ahornhotel: Es gibt viele Möglichkeiten, den Skitag vergnüglich ausklingen zu lassen. Bei unserer Visite besonders angesagt war das Prijut 12. Die rustikale Blockhütte aus „erzgebirgischen Fichtenstämmen“, wie ein Schild erklärt, erinnert mit seinem Namen nicht nur an eine bekannte russische Schutzhütte. Es gibt russische Gerichte und donnerstags ab 21 Uhr Livemusik. Abends trifft man sich auch in der Kiwi Lounge am Marktplatz oder in der Rathaushotel-Bar.

Dampfen statt schweben

Beinahe zum Pflichtprogramm eines Erzgebirgs-Skiurlaubs gehört die Holzkunst. Die Fertigung von Schwibbögen zum Beispiel kann man direkt in Oberwiesenthal bewundern. Kurort Seiffen gilt als Spielzeugdorf des Erzgebirges. Gefühlt in mindestens jedem zweiten Haus befindet sich hier eine Holzwerkstatt oder zumindest ein Geschäft für Pyramiden, Räuchermänner, Nussknacker & Co. Jede Menge historische Spielwaren zeigt das besuchenswerte Seiffener Spielzeugmuseum.

Und noch eine alte Tradition ist in der Region lebendig. Es ist die zweite Fichtelbergbahn. Diese schwebt jedoch nicht durch die Lüfte, sondern dampft auf Schienen dem Fichtelberg entgegen. Täglich und mit festem Fahrplan schaufelt sie Wintergäste durch die Schneelandschaft: Rodler vom Ende der sechs Kilometer langen Wanderweg-Schlittelstrecke in Neudorf, Langläufer oder Skifahrer aus den Nachbarorten, hinauf nach Oberwiesenthal. Wer die Nostalgiereise unterbricht, kann zuschauen, wie in einer Manufaktur ganz nah beim Bahnhöfle Neudorf Räucherkerzen entstehen. Oder man darf selbst Hand anlegen und sich beim Formen schwarze Finger holen. Dampfzug-Sonderfahrten, wie Mondschein- oder Kräuterzauberfahrten, sollen das Vergnügen steigern.

Skifahren in Oberwiesenthal ist Winterurlaub für die Sinne. Dazu trägt auch die leckere sächsisch-böhmische Küche bei. So stehen Gerichte wie Griene Sauerkrautklitscher, Rinderroulade mit böhmischen Knödeln und Rotkraut oder Sauerbraten mit thüringischen Klößen auf den Speisekarten. Die Liftpreise sind mit 23 Euro für die Tageskarte moderat. Weitere bfahrtsmöglichkeiten finden sich am benachbarten Klinovec im nahen Tschechien.<<<

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