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Destination Banff: I’m Skiing on Sunshine, oh yeah!

Sunshine Village ist das Top-Gebiet der kanadischen Renommier- Destination Banff. Wer hier die Pisten hinabreitet, möchte vor Freude nur noch eines tun: singen (und natürlich weiter Skifahren)

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Text Florian Tausch

Als der Wecker geht, lupfe ich müde ein Augenlid. Es dauert einige Sekunden, bis ich mich orientieren kann, denn der Jetlag steckt mir in den Knochen. Noch vom Bett aus fällt mein Blick aus dem großen Panoramafenster meines Hotelzimmers und sieht: Einen Skilift, der nur zwanzig Meter entfernt auf seine ersten Gäste wartet. Schneebedeckte Berge, die unter frischem Pulver versinken. Und dort, in der Ferne, die mega-steile Schüssel, der die Bergbahn den passenden Namen Delirium Dive verpasst hat – das Ziel meines heutigen Skitages.

Was ich nicht sehe, ist Sonne. Und das, obwohl das Gebiet, in dem ich mich befinde, den vielversprechenden Namen Sunshine Village trägt. Aber sei es drum! Die Attraktionen, die heute noch vor mir liegen, lassen es einem in den Beinen kribbeln – egal bei welchem Wetter.

Das geht mit dem perfekten Ski-in-ski-out los, denn ich bin schon mitten drin im Gebiet. Gestern Nachmittag habe ich Koffer und Equipment an der Hotelrezeption in der Talstation der Gondel aufgegeben, und bin mit dieser dann ins Zentrum des Skigebiets auf 2.160 Metern Höhe hinaufgefahren. Knapp zwanzig Minuten dauerte diese Reise, und das, obwohl die Gondel zu den schnellsten in ganz Nordamerika gehört. Oben angelangt, ist jedoch alles plötzlich ganz nah zusammen: Das kleine „Dorf“ liegt wie in einem Kessel, der von den drei Gipfeln Goat’s Eye Mountain, Mount Standish und Lookout Mountain umgeben ist. Es besteht im Wesentlichen aus dem Hotel Sunshine Mountain Lodge, der Daylodge und einigen kleinen Gebäuden, die beispielsweise die Skischule beherbergen. Dann sind dort natürlich noch die Lifte – alleine vier Stück (plus ein Zauberteppich für Beginner) befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Lodge und bringen die Skifahrer auf die umliegenden Berge. Mehr „im Skigebiet“ kann man nicht sein. Die Möglichkeit, vom Bett aus zwei Schritte auf die Terrasse meines Zimmers zu gehen, mir dort die Ski anzuschnallen und direkt abzufahren, habe ich jedenfalls andernorts selten genießen dürfen.

Die „Teststrecke“

Und so ziehen wir unsere ersten Spuren in den Schnee, noch bevor die ersten Skifans vom nahe gelegenen Banff heraufkommen. Skilehrer Jake und Bergbahn-Mitarbeiter Chris begleiten mich bei der Erkundung des Gebiets. Zum Glück, denn der Pistenplan zeigt zwar nur zehn Lifte, aber satte 107 Abfahrten an. Für Europäer mag dieses Verhältnis merkwürdig klingen, doch wie in anderen nordamerikanischen Gebieten ist in Sunshine Village der ganze Berg befahrbar, was zu einer unglaublichen Varianz führt. Ein schönes Detail, an dem man den Unterschied in der Denke zwischen alpinen und nordamerikanischen Bergbahnen sehen kann, ist die Bezeichnung der Skigebietsgröße. Während wir es gewohnt sind, nach Pistenkilometern zu urteilen, fehlt dieser Fakt in den Prospekten der Amerikaner und Kanadier völlig. Hier wird stattdessen mit der befahrbaren Fläche geworben, die der Berg hergibt. 3.358 Acres (ca. 13,6 km2) sind es in Sunshine Village.

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Spitzfindige Geister haben dann doch noch die Pistenkilometer errechnet. Mit 109 km würde sich das Gebiet in Österreich knapp hinter St. Anton am Arlberg einsortieren.

Egal wie rum man es betrachtet: Es gibt jede Menge zu entdecken. Die ersten Runden drehen wir am Mount Standish, der einige schöne Carving-Pisten bereithält. Auch einige verbuckelte Bereiche sind eine gute Vorbereitung auf das, was noch kommt. Schließlich steuert Jake auf eine Baumreihe zu, in die ein kleiner Pfad führt. „Oben im Delirium Dive hast du keine Möglichkeit auszusteigen“, erklärt er.

„Darum machen wir hier immer einen kurzen Test, bevor wir jemanden dort hinauf nehmen.“ Damit verschwindet er in den Bäumen. Ich hinterher. Nach kurzer Zeit tut sich eine stark verbuckelte, baumbestandene Rinne auf, die steil abfällt. Ich taste mich zunächst vorsichtig voran und versuche, der Spur von Jake zu folgen, bekomme dann bald Sicherheit und gelange schließlich wohlbehalten am Ausgang der Rinne an. „Alles klar“, lacht Jake mich an. „Dann können wir ja bald hinüber – sobald die Jungs von der Bergwacht das Terrain drüben freigeben.“

Kein Kunstschnee

Das wird noch eine Weile dauern, was allerdings niemanden stört. Denn mit dem Great Divide Express erklimmen wir wieder und wieder Lookout Mountain, der uns mit seinen tollen und weiten Abfahrten beglückt. Alleine mit diesem Lift (der diesen Namen trägt, weil er sowohl die Grenze zwischen den Bundesländern Alberta und British Colombia als auch die kontinentale Wasserscheide überquert) erschließen sich Weltklasse-Abfahrten unterschiedlichster Couleur, etwa die verbuckelte North Divide, die World Cup Downhill-Strecke oder die riesige Carving-Piste Bye Bye Bowl, die wiederum von weitläufigen, umpräparierten Abschnitten gesäumt wird. Das Ganze wird mit bestem Naturschnee garniert, denn von diesem gibt es in diesem Gebiet, das bis zu 2.730 Höhenmetern aufragt, in Hülle und Fülle: Bis zu neun Meter fällt hier pro Jahr. Damit lässt sich komfortabel die längste Skisaison in ganz Kanada bestreiten: Von Mitte November bis in den späten Mai hinein herrschen hervor-ragende Bedingungen – und das fast ohne Schneekanonen. Lediglich vier dieser Geräte nennt die Bergbahngesellschaft ihr Eigentum. Und diese werden – wenn überhaupt – nur am Anfang der Saison eingesetzt.

Ab ins Delirium

Jedesmal wenn wir den Lookout Mountain wieder hinaufgondeln, schaut Jake an der Bergstation auf die Infotafeln. Schließlich nickt er mir zu und fährt nach links ab. Dort gelangen wir nach ein paar Metern an ein elektronisches Tor, das sich nur öffnet, wenn man ein eingeschaltetes LVS-System dabei hat. Nachdem wir dieses passiert haben, müssen wir noch etwa zehn Minuten hinaufsteigen, bevor eine herabführende Metalltreppe vor uns liegt.

„Das ist der gefährlichste Teil des Delirium Dives“, sagt Jake halb im Scherz. Aber eben nur halb. Denn vom Fuße der Treppe bis zum Einstieg in die Abfahrt zu kommen ist je nach äußeren Bedingungen wirklich eine Herausforderung, die Klettern, Halten und geschicktes Abrutschen erfordert.

Schließlich stehen wir auf dem Grad, der die zwei Gipfel verbindet, unter dem sich der „Dive“ in einer riesigen Schüssel erstreckt. Um uns die Gipfelwelt von Alberta und British Colombia. Es ist ein Augenblick, in dem jeder für ein paar Sekunden verharrt, so überwältigend ist die Natur – und der Respekt, wenn man den gut 50 Grad steilen und ca. 600 Meter tiefen Hang zu seinen Füßen hinabblickt.

Jake fährt voraus, bis er einen vorher vereinbarten, sicheren Wegpunkt erreicht. Von dort winkt er mir zu, dass ich starten kann. Gemeinsam hier hinabzufahren ist keine gute Idee: Der obere könnte bei einem Sturz den anderen mitreißen oder eine Lawine auslösen, die den unteren begräbt. Ich setze die ersten Schwünge. Es ist relativ buckelig und der Schnee nicht mehr richtig fluffig, und so muss ich im ersten, steilen Abschnitt einige Male kämpfen. Doch dann weitet sich das Gelände schnell und auch das Gefälle wird etwas moderater. Am Ende fließt der Run über sanfte Wiesen aus. Ein gigantisches Erlebnis, das inklusive Anstieg um die 45 Minuten dauert. Doch wenn der erste Lift wieder in Sicht kommt ist der erste Gedanke: Wie komme ich so schnell wie möglich wieder dort hinauf?

Von Supermodels und dem Wilden Westen

Diese Frage wird man sich in Sunshine Village jedoch noch öfter stellen. Auch der Goat’s Eye Mountain lockt mit großartigen, zum Teil sehr herausfordernden Abfahrten, etwa die sehr steile und enge Buckelpiste Supermodel, die direkt unter dem Lift langführt. Von der Bergstation aus kann man zudem auch hier eine kurze Strecke um den Gipfel herum traversieren, um auf der Rückseite spannende Double Diamond Abfahrten zu erreichen. Dabei geht es ein nicht zu hohes Cliff hinunter, bevor man sich auf Runs namens Wildside oder Think Again stürzen kann. Im unteren Bereich des Goat’s Eye Eypress befindet sich wiederum das mit dem Delirium Dive anspruchsvollste Offpiste-Gelände: The Wildwest. Auch hier ist das Fahren nur mit mitgeführter Safety-Ausrüstung erlaubt.

Abends liege ich wieder im Bett. Der Lift vor meinem Fenster zeichnet sich in der Dunkelheit fast nicht mehr ab. Ich versuche, die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren zu lassen, aber es ist mir fast nicht mehr möglich, mich an alles zu erinnern. Die Vielfalt des Gebiets, vor allem, was die unterschiedlichen Geländeformen angeht, ist wirklich atemberaubend. Gut, dass morgen noch ein Tag ist – und da soll in Sunshine Village sogar die Sonne scheinen. <<<

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Die charmante Kleinstadt Banff ist optimaler Ausgangspunkt für Trips in die umliegenden Skigebiete.

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