Telluride: Von Gangstern, leichten Mädchen und schweren Abfahrten

Telluride, das Ski-Juwel im Süden Colorados, besticht mit amerikanischer Weite und alpiner Dramatik

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In Telluride – hier die Main Street – mischt sich der Charme einer alten Westernstadt mit skifahrerischen Verlockungen.

Text Bernhard Krieger Bild Bernhard Krieger, TVB Telluride, Brett Schreckengost, Alan Cuenca, Ben Eng, Dunton Hotspring

Bei seinem ersten Banküberfall fiel kein einziger Schuss. Am 24. Juni 1889 spazierte Butch Cassidy mit seinen Kumpanen in Telluride in die San Miguel-Bank. Drei Tage lang hatte der später mit seinem Partner „Sundance“ berühmt gewordene Gangster die Bank im Schatten des 4.060 Meter hohen Palmyra Peak ausspioniert. So schlug Cassidy genau im richtigen Augenblick zu. Völlig überrumpelt rückte der Kassierer 24.000 Dollar heraus – ein Vermögen zu den Zeiten des Wilden Westens. Nach seinem Coup schlenderte Cassidy lässig aus der Bank und entkam über die Main Street.

Diese Hauptstraße sieht im heutigen Skiort an manchen Stellen immer noch so aus wie damals, als Telluride eine boomende Minenstadt war. Entlang der schnurgeraden Straße reihen sich schmale, ein- und zweistöckige Holzhäuser. Auf den Erkern liegt Schnee, moderne Ladenschilder von Sportshops, Galerien und Restaurants schimmern im warmen Licht altertümlicher Straßenlaternen. Aus der „New Sheridan Historic Bar“ schallt ein Gewirr aus Stimmen und Country-Musik auf die Straße. Der schummrige Saloon des fast 100 Jahre alten Sheridan Hotels ist Tellurides Après-Ski-Location Nummer eins. Dicht gedrängt stehen Einheimische und Skigäste an dem alten Mahagoni-Tresen.

Vom Sündenpfuhl zum SkiParadies

Viel hat sich hier nicht verändert. Sogar das große Ölbild mit der nackten Frau hängt noch über der Bar. Eine Reminiszenz an die wilden Zeiten während des Goldrauschs. Damals lebten fast 5.000 Minenarbeiter und Glücksritter in dem Hochtal im Süden Colorados. „Und sie vergnügten sich allabendlich in 29 Bordellen mit weit über 100 leichten Mädchen“, erzählt Ashley. Der Schauspieler mit langen blonden Haaren und Cowboyhut gehört zum Ensemble des schon 1913 eröffneten „Opera House“, in dem immerhin schon Stars wie Sarah Bernard, Bing Crosby und in jüngster Zeit Mel Gibson aufgetreten sind. „Damals drehte sich hier alles um Gold, heute leben wir vom weißen Gold“, meint Ashley.

Als in den 1970er Jahren die letzten Minen zumachten, drohte Telluride zu einer Geisterstadt zu verkommen. Da bauten ein paar findige Pioniere die ers-ten Lifte und legten damit den Grundstein für das landschaftlich schönste Skigebiet Nordamerikas. Kein anderes bietet diesen perfekten Mix: einen authentischen Ort mit Geschichte, amerikanische Weite und alpine Dramatik. Von der höchstgelegenen Liftstation des Gebiets, am Revelation Lift auf 3.831 Metern, schweift der Blick auf der einen Seite über sanfte Tafelberge und rot schimmernde Canyons bis nach Utah und eine Kette majestätischer Viertausender auf der anderen Seite.

Unendliche PistenVielfalt

Könnern bietet Telluride unzählige tiefschwarze Abfahrten und schier unendliche Möglichkeiten für Freerider in der mit nur kurzen Aufstiegen erreichbaren Black Iron Bowl und unterhalb des Palmyra Peak. Wer es bequemer mag und das nötige Kleingeld hat, kann hier auch zum Heliski gehen – eine Seltenheit in Colorado.

Genussskifahrer machen nach einer Runde in der Revelation Bowl auf der Rückseite des Berges erstmal einen Stopp an der neuen Alpino Vino-Hütte. Auf dem Panoramadeck schlürft die High Society Champagner und teure Weine, während sie sich auf mit Fell bezogenen Liegen in der Sonne räkelt.

Telluride liegt so weit südlich wie Süditalien. Abends und nachts kann es in Colorado mit minus 20 Grad auch mal bitterkalt werden. Sobald die Sonne scheint, ist es aber angenehm, zumal die Luft extrem trocken ist. Das macht die Kälte erträglich und den Schnee so pulvrig. Knapp acht Meter feinster Powder fallen im Jahresdurchschnitt auf die von 18 Liften bedienten 120 Abfahrten.

Besonders entspannt lässt es sich unterhalb der Alpino Vivo-Hütte und rund um den Village Express-Lift cruisen. Hier durchziehen ein gutes Dutzend breiter und nur mittelschwerer Pisten die bis auf 3.600 Meter hinauf reichenden Wälder. Und hier liegt auch der Saloon der Gorroncho Ranch – der Treffpunkt der Locals für ein erstes Bierchen am Nachmittag auf der Piste. „Der Blick von hier auf die Abendsonne über der Wilson Range ist einfach einzigartig“, sagt der ausgewanderte Münchner Michael.

Genauso einzigartig wie der „öffentliche Nahverkehr“ in Telluride. Dessen Kernstück ist die kostenlos bis Mitternacht fahrende Free Gondola, die die Stadt Telluride im engen Kessel des San Miguel Rivers auf 2.667 Metern über den 3.211 Meter hohen St. Sophia-Hausberg hinweg mit dem Mountain Village verbindet. Hier liegen die meisten Hotels und viele Restaurants.

Coole Mischung: Promis und Alternative

„Das wirkliche Leben aber spielt sich in der Stadt ab“, sagt Ulli. Die Münchnerin liebt Telluride, weil es „so anders ist, als viele andere Skiorte in den USA“. Telluride macht mit seinen „Zweitwohnsitz-Promis“ wie Talkshow-Ikone Oprah Winfrey, den Hollwood-Stars Tom Cruise und Daryl Hannah oder Modemacher Ralph Lauren zwar langsam sogar dem Promi-Ort Aspen Konkurrenz – es zieht aber auch Alternative und Aussteiger an. Und das schafft ein besonderes Flair in der kreativen Skistadt, die trotz ihrer nur 2.000 Einwohner immer wieder mit Theater, Musik- und Kunstfestivals für Furore sorgt.

„Jeder kennt und hilft sich. So leben wir hier wie eine große Familie“, sagt Ulli, die in den 1970er Jahren zusammen mit ihren Freundinnen Bärbel und Elisabeth als Lehrerin an einer Münchner Gesamtschule gearbeitet hat. „Eine nach der anderen sind wir dann ausgewandert und über viele Umwege unabhängig voneinander in Telluride gelandet“, erzählt Ulli, die heute als Ski- und Snowshoe-Guide sowie als Musiklehrerin arbeitet.

Das Städtchen hat die drei Münchnerinnen irgendwie magisch angezogen – auch weil in Telluride vieles anders ist. So gibt es im ganzen Tal keine Fastfood-Ketten und Geldautomaten erst seit ein paar Jahren. Vielleicht liegt dies aber auch an der schlechten Erfahrung mit Bankräubern. Die Butch Cassidys der Neuzeit plündern ja gerne mal Geldautomaten an abgelegenen Orten … <<<

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Das Gebiet eröffnet perfekte Freeride-Möglichkeiten. Wer bis zum Abendrot den Berg hinaufgegondelt ist, trifft sich abends in der „New Sheridan Historic Bar“.

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