USA: Hinter Whistler geht's erst richtig los

Welcher Skifahrer würde Whistler nicht für ein Paradies halten? Dabei ist der Ort nur das Tor zum Paradies. Der wahre Garten Eden für Wintersportler liegt hinter Nordamerikas größtem Skiresort. In den oft meterhoch verschneiten Coast Mountains verstecken sich eine ganze Reihe von Catskiing-Arealen und Heliskiing-Lodges der Spitzenklasse – für Tiefschnee-Fans, vom Einsteiger bis hin zum passionierten Freerider, sind sie der wahre Himmel auf Erden

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Text: Brigitta Krieger

Wenn Gott wirklich im Paradies residiert und das Schnee-Paradies für Skifahrer im Hinterland von Whistler liegt, dann ist Gott eine Frau. Denn im Powder-Paradies von Coast Range Heliskiing regiert Lisa Korthals. Wie eine Göttin verehren muss man sie natürlich nicht, bewundern kann man sie schon – für ihre herzlich-coole Art, ihren Style auf Ski und ihren Erfolg. Die Frau mit den strahlend grünen Augen und den halblangen schwarzen Haaren ist eine der ganz wenigen, die es im Männer-Business Heliskiing ganz nach oben geschafft hat. Lisa managt die Basis von Coast Range Heliskiing (CRH) in Pemberton bei Whistler und sie ist als Lead-Guide für den Tiefschneespaß und vor allem für die Sicherheit der Heliskier verantwortlich.

In Whistlers Ski-Szene ist Lisa ein Star. Zusammen mit ihrer Freundin Lee Anne Patterson, die ebenfalls bei CRH als Guide arbeitet, gewann sie 1993 den Powder 8-Titel im Synchron-Tiefschneefahren bei Mike Wiegele in Blue River. Als Big Mountain Skier wurde sie für einige spektakuläre Erstbefahrungen gefeiert. So zog sie die erste Line vom Mount Queen Bess und vom Petersen Peak hinunter, zwei mächtige Gipfel in den North Coast Mountains von British Columbia. Zusammen mit ihrem Mann, Johnny „Foon“ Chilton, einem weiteren Hero in Whistlers Freeriding-Szene, hat sie eine ganze Reihe weiterer Big Mountains bezwungen.

In Toronto geboren, kam sie vor mehr als 25 Jahren in das berühmte Ski-Resort nördlich von Vancouver. Wie so viele Ski-Freaks aus der ganzen Welt, zog sie das Resort im Westen British Columbias magisch an. Wo sonst gibt es auch zwei so gigantische

Ski-Berge wie Whistler und Blackcomb, einen Ort mit so vielen erstklassigen Restaurants, coolen Bars, unzähligen Shops, sämtlichen Outdoor-Sportarten im Sommer und Winter – und das Ganze auch noch nur rund zwei Stunden von der Metropole Vancouver entfernt? Whistler ist der Ski-Hotspot Kanadas und das Areal von Coast Range Heliskiing bei Pemberton eines seiner größten Juwele.

Traumabfahrten in Lisas Powder-Reich

Lisas Powder-Reich ist gerade einmal rund 30 Minuten vom Whistler Village entfernt. CRH ist in der Fußgängerzone von Whistler mit einem Büro präsent und holt seine Heliskiing-Gäste von dort auch ab. Nach einem gemeinsamen Frühstück in der CRH-Heli-Basis in Pemberton und dem obligatorischen Sicherheitstraining fliegt Lisa mit ihren Gästen rund um Pemberton hinauf zu unverspurten Traumabfahrten. Die kurze Fahrt zu CRH lohnt sich. Das Areal ist zwar nicht so groß wie viele andere Heliskiing-Terrains, dafür aber nicht so wetterabhängig. Pemberton liegt etwas weiter östlich und damit eine Bergkette weiter vom Pazifik entfernt als das von Wetterschwankungen sehr viel stärker betroffene Whistler. Zudem kann Lisas Team zwischen zwei Talseiten wählen. Auch das hilft an kritischen Tagen, Downdays zu vermeiden.

CRH fliegt ausschließlich mit kleinen Helikoptern und kleinen Gruppen mit maximal fünf Gästen. Bei der luxuriösen Form des ohnehin schon nicht gerade billigen Heliskiing hat man noch mehr Platz auf den riesigen Powder-Hängen: Wer in einer Fünfergruppe noch in den Spuren anderer Skifahrer oder Snowboarder fährt, ist selbst schuld. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem großen Heli-kopter mit elf Gästen sind – gerade beim so genannten Daily Heliskiing – die meist homogeneren Gruppen. Tageweise buchbares Heliskiing lockt viele Einsteiger an. Natürlich sind darunter auch weniger starke Tiefschneefahrer. In kleineren Gruppen lassen sich starke und weniger starke Gäste viel besser aufteilen.

„Niemand muss aber Angst davor haben, zu schwach oder zu langsam zu sein“, betont Skilehrer Matt. „Wer in Whistler die mittelschweren Ab-fahrten meistert, ist gut genug für das Heliskiing-Abenteuer“, versichert auch CRH-Besitzer Tyler Freed. Zumal die breiten Powder-Latten, die alle Heliskiing-Anbieter verleihen, den Tanz durch den Tiefschnee viel leichter machen als früher mit den Spaghetti-Skiern.

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Whistler ist der Ski-Hotspot Kanadas und das Areal von Coast Range Heliskiing bei Pemberton eines seiner größten Juwele

Heliskiing mitten in der Fußgängerzone

Die besonders gut im Tiefschnee aufschwimmenden und leicht dreh-baren Powder-Ski haben das Heliskiing-Business gerade in Orten wie Whistler befeuert. „In Whistler gibt es genügend Gäste, die locker 1.000 Kanadische Dollar für das besondere Erlebnis Heliskiing hinblättern“, meint Skilehrer Matt. „Und Dank der breiten Ski haben jetzt auch weniger gute Fahrer im Powder Spaß.“

Auch Platzhirsch Whistler Heli-Skiing lebt gut von den kaufkräftigen Urlaubern. Seit 34 Jahren operiert das Unternehmen gleich hinter dem Ort in einem Areal von 173 Gletschern. Für die normalen Pakete mit drei, vier oder sechs Abfahrten pro Tag werden große Helis für bis zu zehn Gäste eingesetzt, Könnern steht für sechs Runs pro Tag auch ein kleiner Heli mit maximal fünf Gästen zur Verfügung.

Whistler Heli-Skiing ist mit seinem großen Büro gleich hinter dem angesagten Longhorn Saloon in der Fußgängerzone eine ständige Versuchung. „Immer sieht man die verlockende Leuchtreklame, da muss man irgendwann mal reingehen und nachfragen“, erzählt Matt. Whistler Heli-Skiing startet gleich vom Heli-Port am Ortsrand – schneller kann man in Whistler nirgendwo abheben.

Heli-Alternative Catskiing

Wem Heliskiing mit rund 1.000 Euro pro Tag zu teuer ist, muss in Whistler dennoch nicht mit eigener Kraft zu unverspurten Hängen aufsteigen. Catskiing ist die nur rund halb so teure Alternative. Statt per Hubschrauber werden die Tiefschnee-Süchtigen per Pistenraupe auf die Gipfel transportiert. Von dort geht es hinter dem Guide in einer Gruppe von maximal zwölf Gästen bergab. Mit Blackcomb Catski, Backcountry Snowcats und Powder Mountain Catskiing (PMC) buhlen in Whistler gleich drei Unternehmen um preisbewusste Powder-Fans.

Alle werben mit dem besonderen Naturerlebnis, den unverspurten Hängen und mit mehr Schnee als auf den beiden Hausbergen Whistler Moutain und Blackcomb, auf die im Durchschnitt immerhin auch schon satte zwölf Meter niederrieseln. Powder Mountain Catskiing (PMC) behauptet gar „doppelt bis dreimal so viel Schnee wie in Whistler Blackcomb“ bieten zu können. Wenn sie dabei in der Euphorie eines Powderdays mal nicht mächtig übertrieben haben. Fakt aber ist: Catskiing ist in Whistler das beste Schlechtwetter-Programm. Wenn die gigantischen Wolken vom Pazifik mal wieder das ganze Land innerhalb weniger Stunden mit einer dicken Neuschneeschicht überziehen, alle Helikopter am Boden bleiben und man auch in den hochalpinen Bereichen des Skigebiets kaum noch etwas sieht, ziehen die Pistenraupen in den perfekt befahrbaren, lichten Wäldern immer noch ihre Bahnen.

PMC, das mittlerweile auch tageweise Heliskiing anbietet, liegt nur 20 Minuten von Whistler entfernt. Zu einem anderen Anbieter, TLH, fährt man hingegen schon rund drei Stunden. Die Tyax Lodge von TLH, rund 130 Kilometer nördlich von Whistler, ist die nächstgelegene Heliskiing-Lodge, in der die Gäste nicht tageweise abheben, sondern gleich mehrere Tage oder gar eine ganze Woche bleiben. Es ist ein Klassiker unter den kanadischen Heliskiing-Lodges, hier wird konsequent auf Komfort und Qualität gesetzt. So bedient bei TLH ein Hubschrauber immer nur eine Gruppe von zehn Gästen im großen und vier Gästen im kleinen Heli. Wartezeiten? Gibt es nicht!

TLH und Whistler ist die perfekte Kombination für alle, die selbst mit dem Auto in Kanada unterwegs sind. Und so ein Road Trip hat durchaus seinen Reiz. Über die Straßen in Kanada kann man völlig entspannt dahincruisen, und die Landschaft ist ohnehin ein Traum – rund um den Sea to Sky-Highway von Vancouver entlang der Fjorde nach Whistler genauso wie weiter zur TLH-Lodge.

Wer Whistler mit einem noch spektakuläreren Heliskiing-Trip kombinieren will, muss nach dem Warm-up im Ski-Resort zurück nach Vancouver. Von dort geht es dann direkt in einige der besten Heliskiing-Areale im nördlichen British Columbia: zu Bella Coola Heliskiing, Nor-thern Escape Heliskiing bei Terrace oder zum Geheimtipp Bearpaw Heliskiing in der Nähe von Prince George. Sehr viel weiter wird die Anreise dann schon zu den beiden Lodges von Last Frontier Heliskiing im hohen Norden. Aber der Weg lohnt sich genauso wie der ins Innere von BC nach Osten, wo allein vom Heliskiing-Pionier und -Marktführer Canadian Mountain Holidays (CMH) gleich elf Lodges in einigen der besten und wetter-beständigsten Heliskiing-Areale der Welt warten.

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Whistlers Insidertips

Vor 25 Jahren kam Lisa Korthals nach Whistler – und ging nie wieder weg. Die Kanadierin ist Freeriderin, Big Mountain-Skier, Powder 8-Champion und eine der wenigen Frauen, die es als Lead-Guide und Operations Managerin im Heliskiing-Business bis ganz nach oben geschafft hat. Im Interview verrät Coast Range-Managerin Lisa ihre Geheimtipps in Whistler.

Whistler ist das größte Skigebiet Nordamerikas. Aber Größe ist nicht alles. Was macht Whistler so besonders? Whistler ist so attraktiv, weil es gleich zwei Weltklasse-Skiberge direkt vor der Haustür hat. Und diese beiden Berge – Whistler Mountain und Blackcomb – sind zudem auch noch sehr unterschiedlich. Das Terrain unterscheidet sich stark, und auch das Flair und die Atmosphäre auf dem einen ist ganz anders als auf dem anderen Berg. Außerdem ist Whistler umgeben von fantastischen Touren-Revieren, die man sehr einfach vom Skigebiet aus erreichen kann – ganz gleich, ob man nur ein paar Stunden oder für eine echtes Abenteuer im Hinterland draußen bleiben will. Und dann ist da natürlich noch die Nähe zu Vancouver als großer Vorteil.

Auf welchem Berg fährst Du lieber, Whistler Mountain oder Blackcomb? Blackcomb gefällt mir generell besser, weil er steiler ist. Da fährt man länger in der Falllinie. Auf der Whistler-Seite gefallen mir dafür die großen, alpinen Talschüsseln.

Welches sind die besten Abfahrten an einem Neuschneetag? Da ist Midmountain Blackcomb mein Tipp. Im mittleren Bereich von Blackcomb ist der Schnee grandios, das Terrain fantastisch und meist weniger los als in anderen Bereichen der beiden Berge.

Wo sind die besten Freeride-Hänge außerhalb des Skigebiets, die man aber noch direkt mit Liften oder kurzen Anstiegen erreichen kann? Von Blackcomb aus sind die Disease Ridge, Phalanx und Decker Mountain meine absoluten Lieblingsspots.

Wer nicht aufsteigen oder noch tiefer in die weiße Wildnis rund um Whistler vordringen will, kann zum Heliskiing gehen. Was macht Heliskiing so attraktiv? Heliskiing ist die entspannteste Art des Tiefschneefahrens. Man kommt ohne Anstrengung auf die besten Hänge, die ansonsten wegen großer Entfernungen oder auch lawinengefährdeter Passagen gar nicht erreichbar wären. Und dann gibt es dort auch keinen Wettlauf um den besten Powder. Jeder bekommt seine unverspurte Line. Schließlich ist das Gebiet riesig und auf diesen gigantischen Powder-Hängen sind ja gerade mal eine Handvoll Menschen unterwegs.

Heliskiing ist eine Möglichkeit, um Traum-abfahrten zu finden, den Tipps der Locals zu folgen eine andere. Wo trifft man in Whistler die Freerider beim Après-Ski, um ihnen beim Bier ein paar Geheimtipps zu entlocken? Die meisten Locals trifft man im Merlin’s Bar & Grill am Fuß des Blackcomb Mountain gleich am Ende der Talabfahrt unter dem Merlin’s Lift und natürlich im Garibaldi’s an der Whistler Mountain Talabfahrt direkt im Village.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 05 / 2015

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