Nassfeld: Sonnenterrasse, Partymeile und Schmelztiegel der Esskulturen

Das Skigebiet im Dreiländereck ­Österreich, Italien und Slowenien hat die Sonne im Winter gepachtet: Ski ­fahren auf Sonnenpisten, abhängen auf ­Sonnenterrassen und das mediterrane Spektrum der Alpe-Adria-Küche. Auch als Partytipp für Feierbiester ist das Nassfeld ganz vorn dabei

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Die Sonnenterrasse Madritsche ist im ­Skigebiet Nassfeld der ideale Platz für eine chillige Pause
© Nassfeld

Text: Rita Balon

Vlado strahlt mit der Sonne um die Wette: „Heute werden wieder ein paar Stunden draufkommen!“ Wie alle Schneesportler, die auf der fast 2.000 Meter hohen Bergstation Madritsche aus dem Millennium-Express aussteigen, bleibt auch er erst mal wie angewurzelt vor der Tafel mit dem digitalen Sonnenstunden-Zähler stehen. Mit durchschnittlich 850 Sonnenstunden scheint am Nassfeld die Sonne in der Wintersaison im Vergleich zu anderen Skigebieten am meisten. So steht es im Infoblatt, das an den Liftkassen ausliegt. Den Beweis treten seit letztem Winter die tickenden Sonnen-Spots an den beiden Bergstationen Gartnerkofel und Madritsche an.

Wer aber glaubt, dass Wintersportler aufgrund der 100 Sonnenstunden, die es hier mehr als in anderen Skigebieten gibt, am Nassfeld nur auf Maschinenschnee oder aperen Hängen abfahren, wird mit reichlich Schnee auf hervorragend präparierten Pisten eines Besseren belehrt. Das Kärntner Skigebiet profitiert nicht nur von der Sonne des Südens, sondern auch von den niederschlagsreichen Adriatiefs. Meterweise laden sie ihre weiße Pracht an den Karnischen Alpen ab. Genauer gesagt, sind laut Statistik im Mittel der letzten Jahre im Durchschnitt bis zu acht Meter Schnee gefallen. „Wenn es schneit, dann viel“, sagt Skilehrer Vlado und zeigt mit großer Geste auf das tief verschneite Alpenpanorama.

Von der Sonne verwöhnt

Heute ist einer dieser Tage, an denen die Sonne vom wolkenlosen Winterhimmel lacht. „Also folgen wir ihr“, fordert Vlado uns auf und steigt in die Bindung. „Wenn man es geschickt anstellt, kann man den ganzen Tag auf Sonnenpisten fahren“, erzählt er uns. In weiten Schwüngen carvt er die Lärchenboden- und Trögl-Abfahrt hinunter zur Sonnenalpe. Von dort geht’s auf den Gartnerkofel, hinüber zu den von der Morgensonne verwöhnten ­Skihängen der Garnitzenalm. Neben den breiten, frisch gewalzten Schneebahnen tanzen Tiefschneefans durch das baumfreie, noch unverspurte Freeride-Gelände. Egal ob On- oder Off-Piste-Fahrer, die großartige Fernsicht bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Julischen Alpen ist ihr ständiger Begleiter.

Vlado deutet auf den Pistenplan: Mehr als die Hälfte der 110 Abfahrtskilometer sind rot, manche von ihnen sogar dunkelrot. Darunter die lange Buckelpiste unterhalb vom Zweikofel Richtung Rastl, die steilen ­Abfahrten, Buckelpisten und Skirouten vom Rudnigsattel nach Mössern oder die über zwei Kilometer lange, selektive FIS-Abfahrt. Auch Geschwindigkeit ist am Nassfeld keine Hexerei. An der Trog­höhe, mit 2.020 Metern der höchste Punkt im Skigebiet, können Tempomacher an der Speedstrecke oberhalb der anspruchsvollen Trogkofel-Abfahrt ordentlich Gas geben und ihre Schnelligkeit messen. Jedenfalls kommen Schneesportler auf den vielen langen Abfahrten richtig in Schwung. Spitzenreiter ist die Talabfahrt nach Tröpolach. Mit sportlichen siebeneinhalb Kilometern und einem Höhenunterschied von über 1.200 Metern kommt mancher schon beim Gedanken daran ins Schwitzen. Und weil die Carnia in der Nachmittagssonne am schönsten zu fahren ist, schlägt Vlado eine Pause vor: „Der beste Platz um die Mittagszeit ist die Madritsche.“

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© Nassfeld

Skischuh-Samba und Bikini-Flashmob

Die Madritsche ist nicht nur die größte Sonnenterrasse am Nassfeld. Im März und April verwandelt sie sich zur höchsten Partymeile. Neben Liegestühlen, Hängematten, Chill-Areas, cooler Musik und originellen Drinks heizen verrückte Events auf fast 2.000 Metern die Frühlingsgefühle an. Beim „Festa de Cuba“ legt das Partyvolk mit kubanischen Profi-Tänzern bei Rumba, Mambo, Salsa oder Samba eine heiße „Skischuh-Sohle“ aufs Parkett. Ende März gibt es eine Woche lang die volle Dröhnung. Die Veranstalter des größten Heavy-Metal-Festivals der Welt im norddeutschen Wacken organisieren erstmals in einer Winterdestination das Rockkonzert „Full Metal Mountain“. Danach eröffnen Bikinischönheiten die Badesaison. Vormittags laufen die ­Models mit der neuesten Bademode über den Laufsteg, am Nachmittag gibt’s zur Abkühlung den Waterslide-Contest. Der größte Beach- und Bikini-Flashmob der Alpen wird weltweit im Netz veröffentlicht.

Vlado ist als Skilehrer in der ganzen Welt herumgekommen und hat am Nassfeld sein zweites Zuhause gefunden. Er liebt die Action am Berg genauso wie das internationale Publikum. „Außerdem bin ich hier ganz in der Nähe meiner Heimat, wo Frau und Tochter leben“, erzählt er. Noch näher als Slowenien, nämlich nur ein paar Skischwünge vom Nassfeld entfernt, liegt Italien. Nach den Plänen der Touristiker und Seilbahnbetreiber in Kärnten und Friaul soll Italien noch näher heranrücken. Seit gut 20 Jahren liegt das Projekt für den Bau einer Seilbahn vom italienischen Pontebba auf das Nassfeld in der Schublade. „Ein Meilenstein zur Erschließung des Skigebietes“, erklärt Kurt Genser, PR-Chef der Tourismus-Region Nassfeld-Lesachtal-Weissensee, und ergänzt: „Leider mussten wir immer wieder Rückschläge hinnehmen. Aber so wie es aussieht, kommt nun Bewegung in das Ganze.“ Denn nachdem nun endlich das politische Okay der Region Friaul-Julisch-Venetien gegeben wurde, sollen 2016 die ersten Baumaßnahmen umgesetzt werden.

Kulinarischer Treffpunkt

Wie heißt es so schön: Guter Geschmack kennt keine Grenzen. Jetzt schon ist überall am Nassfeld das mediterrane Lebensgefühl spürbar. „An manchen Stellen im Skigebiet wedeln die Skifans sogar auf italienischem Staatsgebiet, auch wenn sie es gar nicht merken“, sagt Vlado. Am nachhaltigsten ist der kulturelle Mix aus Österreich, Friaul-Julisch-Venetien und Slowenien in den mehr als zwei Dutzend Hütten zu schmecken. Statt herkömmlicher Hüttenkost wird das Beste aus der Alpe-Adria-Küche serviert. Da finden sich Prosciutto neben Gailtaler Speck und Penne all’arrabiata neben Kärntner Kasnudeln. „Buon appetito“ heißt es auch in Jokl’s Hütte, wo Johann Hohenwarter die Gaumen seiner Gäste mit Alpentequila, Speckknödlsupp’n und vielen hausgemachten Spezialitäten verwöhnt. „Die Zutaten kommen fast alle vom Joklhof unten im Gailtal“, erzählt uns der Hüttenwirt stolz.

„Dolcefarniente“ ist auch auf den großen Sonnenterrassen im Gebiet kein Fremdwort. Hier haben sich die Verantwortlichen etwas Besonderes ausgedacht, um die Mittagspause richtig zu inszenieren und den Liegestuhl zum Logenplatz zu machen. Die beiden „Nassfeld Kinos“, zwei gigantische Rahmen auf dem Kofelplatz Madritsche (Bergstation Millennium-Express) und bei der Bergstation der Gartnerkofel-Sesselbahn, verwandeln das Bergpanorama in eine Leinwand. Wie ein Film läuft der Weitblick auf die grandiosen Bergkulissen vor den Augen der Sonnenanbeter ab: Im Norden die Hohen Tauern mit dem Großglockner, im Westen die Dolomiten mit den Drei Zinnen, im Süden die Julischen Alpen. Hier klicken die Smartphones im Sekundentakt, um die Daheimgebliebenen mit Echtzeitfotos neidisch zu machen. Den Touristiker Kurt Genser freut das: „Es ist die beste Werbung für unser Skigebiet. Die kostenlose WLAN-Anbindung hat sich längst bezahlt gemacht.“

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Am Nassfeld herrschen ausgelassene Stimmung und Party-Fieber mit südlichem Flair
© Nassfeld

Action in Park und Pipes

Wie Vlado fühlt sich auch das junge Publikum am Nassfeld heimisch. Im gesamten Skigebiet gibt es coole Parks und Pipes, wie die Ski- und Boardercross-Strecke bei der Sonnleitnbahn, die schon Schauplatz internationaler Wettbewerbe war, oder der Funpark beim Gartnerkofel. Das Nonplus­ultra der Brettgemeinde ist die vom restlichen Funpark abgetrennte Halfpipe an der Watschiger Alm. Die Memphis-Twinpipe, zwei parallel zueinander verlaufende Halfpipes, sind in dieser Form weltweit einzigartig.

Während die Jugendlichen in Österreichs erstem Fun- und Jugendhotel „The Cube“ in Tröpolach direkt an der Talstation des Millennium-Express ihren Platz gefunden haben, fühlen sich Familien auf der Sonnenalpe Nassfeld bestens aufgehoben. In dem Straßendörfchen auf der rund 1.500 Meter hoch gelegenen Passhöhe mit kinderfreundlichen Hotels, sanften Skiwiesen und Skischulliften sind alle Wege kurz – auch zu den Bahnen Richtung Madritsche und zum Gartnerkofel sowie nach Italien. Wer Lust auf eine Extra-Portion südliches Lebensgefühl und unverfälschte mediterrane Küche hat, geht einfach ein paar Schritte über die Grenze ins Ristorante „Al Gallo Forcello“ oder zu „Livio“. Der Küchenchef persönlich sucht die Fische täglich frisch an den Fischmärkten der sonnigen Adria aus – mehr Mittelmeer-Feeling geht in den Bergen nicht.

Nassfeld

Das Nassfeld zählt alpenweit zu den schneesichersten und sonnenreichsten Skigebieten. Es punktet mit italienischem Flair, einer großen Hüttendichte, tollen Pisten, spannenden Funparks, familienfreundlichen Skiwiesen und ist stets in Partylaune.

SKI & SPASS

- PISTEN UND LIFTE

110 km Pisten: 10 km schwer, 70 km mittel, 30 km leicht; 30 Liftanlagen; 610 bis 2.020 m

- SKI-HIGHLIGHTS

Die 7,6 km lange Talabfahrt nach Tröpolach überwindet 1.212 Höhenmeter und ist die längste Piste im Gebiet. Jeden Samstagabend gehen auf dem letzten Drittel der Carnia die Lichter an. Die 2,2 km lange Flutlichtpiste ist eine der längsten in den Alpen.

- TOUREN/FREERIDE

Ein Paradies für Tourengeher ist das Lesachtal, ein naturbelassener Landstrich zwischen den Bergrücken der Lienzer Dolomiten und der Karnischen Alpen. Eine beliebte Tour am Nassfeld ist der zweistündige Aufstieg zum Gartnerkofel. Außerdem gibt es im ganzen Gebiet markierte Tiefschnee-/Freeride-Hänge.

- FUNPARKS & PIPES

Der Snowpark am Gartnerkofel bietet für jeden etwas: die Beginner Line zum Lernen für Kids und zum Jibben für die Großen, eine fette Kickerline mit vier Absprüngen, darunter ein Monsterkicker und Wallride am Ende sowie die Railsection, vollgepackt mit den verschiedensten Rails und Boxen. Wahre Höhenflüge demonstrieren Freestyler auf „The Pipe“ an der Watschiger Alm. Die Halfpipe mit Weltcup­niveau ist 15 Meter breit, 200 Meter lang und hat stattliche 3,30 Meter dicke Seitenwände. Spaß für alle: der Funslope Nassfeld. Über Wellen, Sprünge und Steilkurven schlängelt sich der Parcours auf einer Länge von 700 Metern durch ein Waldstück. 

ESSEN & FEIERN

- HÜTTEN

Insgesamt 25 Hütten und Restaurants sowie original Trattorien auf der italienischen Seite des Nassfelds servieren Gaumengenüsse aus dem Schmelztiegel der Kulturen im Drei-ländereck Österreich, Italien und Slowenien.

• An der Schirmbar Berghex am Gartnerkofel gibt es leckere Snacks.

Tel. 0043-(0)676-842868710

• Ein spektakulärer Weitblick und drei verschiedene Speisekarten sorgen für Gaumen- und Augenschmaus auf der urigen Kofelalm Madritsche. Tel. 0043-(0)676-88388814

• In der gemütlichen Holzblockhütte Jokl’s Hütte direkt an der Talabfahrt Carnia ­werden hofeigene Produkte serviert.

Tel. 0043-(0)4285-7151, www.joklhof.at

• Die Watschiger Alm in der Nähe der ­Halfpipe ist der Hotspot für junge Gäste. Tel. 0043-(0)676-6031983

- RESTAURANTS

• Wulfenia da Livio war das erste Speise-lokal direkt an der österreichisch-

italienischen Grenze. Heute noch verwöhnen die Federigos ihre Gäste mit typisch italienischen Spezialitäten. www.livio.at

• Das Ristorante im Hotel Al Gallo Forcello auf der italienischen Seite der Sonnenalpe Nassfeld bietet typische Spezialitäten aus ganz Italien, insbesondere der friulanischen Küche. Tel. 0043-(0)4285-23188, www.forcello.com

- APRÈS-SKI

• Publikumsmagnet an der Tröpolacher Talstation ist die Disco im Cube Hotel. Tel. 0043-(0)4285-8412020, www.cube-hotels.com

• Auch im benachbarten Tröpolacher Salve herrscht Partylaune lange nach Liftschluss. www.troepolacher.at

• Und im Après Ski Kabrio gehen selten vor drei Uhr nachts die Lichter aus. Tel. 0043-(0)720-350380, www.kabrio.at

SCHLAFEN & WOHLFÜHLEN

• Das Falkensteiner Hotel Sonnenalpe**** liegt auf 1.500 Metern direkt im Zentrum der Sonnenalpe Nassfeld und nur ein paar Schritte von den Liften entfernt.

www.sonnenalpe.falkensteiner.com

• Das Cube Hotel in Tröpolach direkt an der Bergstation des Millennium-Express ist Österreichs erstes Fun- und Jugendhotel. www.cube-hotels.com

• Vom Bett auf die Piste heißt es im Alm Resort. Die Chalets liegen direkt an der

FIS-Piste am Gartnerkofel.

www.almresort-nassfeld.com

GUT ZU WISSEN

- SAISON

04.12.2015 bis 10.04.2016

- SKIPASS-PREISE

1 Tag NS/HS: Erw. 42–45 Euro, Kinder (Jg. 2001 – 09) 21–23 Euro, Jugendl. (Jg. 1997 – 2000) 34–36 Euro. 6 Tage NS/HS: Erw. 211 – 228 Euro / Kinder 106 – 114 Euro, Jugendl. 169 – 183 Euro

- SKISCHULE

• Die Schneesportschule Nassfeld – mit bis zu 100 qualifizierten Schneesportlehrern aus 11 Nationen – veranstaltet Ski- und Snowboard-Gruppenkurse, Privatstunden und geführte Touren. www.soelle.at

• In der Skischule Go Vertical stehen Kinder- und Erwachsenen-Kurse, Gruppen-Specials (z. B. Ladys Day, Race Camp), Privatstunden, Skitouren und Schneeschuhwandern auf dem Programm. www.go-vertical.at

• Ski- und Snowboardkurse können in der Skischule Thommi gebucht werden. Kids lernen ab 4 Jahren das Brettl- und ab acht Jahren das Snowboard-Einmaleins. Zudem gibt es Specials wie Freeriding und Ski­guiding. www.skischule-nassfeld.at

- KINDER

Im Bodo-Mini-Club auf der Tressdorfer Alm mit Skikindergarten und Kinderskischule sind Kids von drei bis fünf Jahren inklusive Mittagessen und Jause rundum gut betreut.

- Besondere Events

20.03.2016: Festa de Cuba

28.03 - 03.04.2016: Full Metal Mountain

03. - 08.04.2016: Snow Attack - Snow Beach am Berg & Bikini-Flashmob

- Insidertipp

Carving, Skifox, Airboard, Snowbike und Snowskate - die Liste der Trendsportarten ist lang. Im "News Technology Center"auf der Tressdorfer Alm dürfen Interessierte am "NTC Blue Day"sämtliche Trendsportgeräte einen Tag lang ausprobieren.

- Info

NLW Tourismus Marketing, Wulfeniaplatz 1, A-9620 Hermagor, Tel. 0043-(0)4285-8241, www.nassfeld.at

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2016

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