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Freeriden: Sicherheit durch Ausbildung

Gerade für Jugendliche ist Freeriden oft ein Lebensgefühl. Dabei wird häufig übersehen, dass das ungesicherte Gelände auch erhebliche Gefahren birgt. Projekte wie „risk’n’fun“ vermitteln das notwendige Wissen, um mit persönlicher Strategie zur Risiko-Optimierung sicher beim Freeriden unterwegs zu sein.
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SKIMAGAZIN-Heroes

Viele Kids sind schon recht früh ziemlich krass im Gelände beim Freeriden unterwegs. Inspiration von Profi-Freeskiern auf Social Media teilweise gepaart mit einer sehr guten technischen Ausbildung in Skiklubs legen den Grundstein. Die Grund- und Leitsätze des Verhaltens im ungesicherten Gelände beim Freeriden kennen jedoch nur wenige. Leider gibt es immer wieder Lawinenunglücke mit Jugendlichen, teilweise mit tödlichem Ausgang. 

Die wichtigsten Regeln für's Freeriden im Gelände:

  • Im Gelände nur mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel (und im Idealfall auch mit Airbag/Lawinenrucksack sowie Erste-Hilfe-Set) unterwegs sein 
  • Den aktuellen Lawinenlagebericht der Region konzentriert lesen, verstehen und die entscheidenden Infos abspeichern
  • Treffpunkte vereinbaren
  • mindestens 20 Meter Abstand zum nächsten Fahrer

Der Österreichische Alpenverein hat daher das Ausbildungsprogramm „risk’n’fun“ ins Leben gerufen. Der erfahrene Berg- und Skiführer Michele Gallonetto ist seit Projektstart im Jahr 2000 Teil des „risk’n’fun“-Teams. Bei einem „Locals“-Tag am Kitzsteinhorn haben wir ihn begleitet, viel gelernt und gesehen, wie wichtig die Arbeit mit Kids am Berg ist. Oft fehlt es ihnen an Erfahrung, Wissen und Strategien zur Risikooptimierung beim Freeriden im freien Gelände. 

© Risk'n'Fun/Heli Düringer

Freeriden im Gelände: Wahrnehmen - beurteilen - entscheiden

Das Programmrisk’n’funrichtet sich an Freerider ab 16 Jahren. Erfahrene Trainer, Berg- und Snowboardführer vermitteln den Jugendlichen praxisnah wichtige Soft und Hard Skills zum Thema Sicherheit im Gelände. 

Mittlerweile gibt es neben dem vierstufigen Ausbildungsprogramm auch Angebote für 14- bis 16-Jährige wie das „Locals“-Projekt. Das „risk’n’fun“-Team kommt dafür gezielt in die Heimregionen der Kids. Gerade vor dem Hintergrund der trügerischen „Vertrautheit“ des Homespots soll ihr Risikobewusstsein geschärft werden. Es geht darum, Jugendlichen anhand der drei Säulen „Wahrnehmen – Beurteilen – Entscheiden“ ein vorausschauendes Verhalten im Gelände näherzubringen. Sie sollen lernen, Gefahren richtig einzuschätzen und dann die richtigen Entscheidungen zu treffen. 

Freeriden im Gelände: Nein heißt Nein

Dazu gehört auch, nach einer anderen Route zu schauen, wenn einer in der Gruppe aus welchem Grund auch immer Nein zu einem Hang sagt. „Vor allem in einer Gruppe gehört viel dazu, eine Nein-Entscheidung zu treffen, doch sie zeugt von Reife und Stärke“, sagt der gebürtige Südtiroler Michele. „Noch wichtiger ist dann, danach auch bei dem Nein zu bleiben, denn schönreden kann man sich fast alles. Doch im Gelände können Fehler fatale Folgen haben – und zum Teil gibt es wenig Spielraum für Fehler. Wenn du dann einen Hang fährst, obwohl du Bedenken hast oder dich nicht optimal fühlst, kann das schlimm ausgehen. Denn eines muss man immer im Hinterkopf haben: Beim Skifahren merkt man leider sehr selten, wie knapp man an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist!“

© Risk'n'Fun/Heli Düringer

Beim Freeriden zählt auch das Prinzip Selbstverantwortung

Das Trainingskonzept, das auf das Prinzip Selbstverantwortung setzt, wird von den Teilnehmern sehr gut angenommen. „Kinder und Eltern sind begeistert von dem Angebot. Es macht auch uns viel Spaß, mit den Kids zu arbeiten. Wir holen sie da ab, wo sie gerade stehen, begleiten sie und unterstützen sie mit unserem Know-how“, sagt Dani Tollinger, die Leiterin des Programms. „Die Möglichkeit, selbst im Gelände lernen zu dürfen, öffnet viele neue Aktionsfelder“, erklärt sie den besonderen Lernansatz. In den vier Level-Kursen „Session“, „Next Level“, „Backcountry Pro“ und „Alpine Professionals“ werden die Soft Skills nochmal deutlich vertieft. Dazu zählen unter anderem die Reflexion und Optimierung des eigenen Risikoverhaltens und die Entwicklung eines Gespürs für gruppendynamische Prozesse. Außerdem werden den Teilnehmern Hard Skills wie der richtige Umgang mit der Ausrüstung und den technischen Hilfsmitteln sowie Basiswissen wie Wetter- und Lawinenkunde vermittelt. Wer alle vier Level durchlaufen hat, kann auf 22 Tage Ausbildung mit „risk’n’fun Freeride“ zurückblicken und ist gut gerüstet für eigenverantwortlich geplante Touren im Gelände. Da ist dann Powderspaß beim Freeriden mit Sicherheit garantiert! 

Was ist rik'n'fun?

Seit über 20 Jahren bietet die Österreichische Alpenvereinsjugend mit „risk’n’fun Freeride“ Camps bzw. Ausbildungsprogramme an, in denen verantwortungsvolles und sicheres Bewegen im ungesicherten Gelände wie z.B. beim Freeriden vermittelt wird. In den Ausbildungsprogrammen werden vier inhaltlich aufbauende Ausbildungslevels angestrebt, um Freerider auf dem Weg von Powderruns im pistennahen Gelände bis hin zu hochalpinen Unternehmungen zu begleiten. Der inhaltliche Leitsatz dabei lautet: „Wahrnehmen – Beurteilen – Entscheiden“. In den Kursen geht es darum, Snowboardern und Skifahrern die notwendigen Skills und das technische Know-how für gute Entscheidungen im Gelände und das richtige Einschätzen der Bedingungen mitzugeben. Ziel ist es, mit einer fundierten Ausbildung den Aktionsradius jedes Einzelnen zu erweitern und dabei auch ein Gespür für einen guten Umgang mit sich selbst, seinen Begleitern und für die faszinierende Bergwelt zu entwickeln, in der man sich bewegt. 

Infos: www.risk-fun.com & Insta: @risknfun_alpineprofessionals 

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