Großer Arber: Zu Besuch bei den Schneegeistern

Das ostbayerische Waldgebirge verfügt weder über die längsten Abfahrtsstrecken, noch über die höchsten Berge. Dennoch bieten Bodenmais und die Pisten am Großen Arber genussorientierten Wintersportlern tolle Möglichkeiten für entspannende Skiferien und übersinnliche Attraktionen

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Text Frank Wündsch Bild Frank Wündsch, Arber Bergbahn

Relaxen in der Himalaja-Salzgrotte. Sich erfrischen im indischen Teetempel. Tief durchatmen im Solegradierwerk. Entspannung in der Bergkristall-Dampfsauna oder in der Ägyptischen Oase erleben – oder lieber die Hitze in der Schwarzbrenner-Sauna?

In Bodenmais gibt’s nicht nur phantasievolle Namen für den Spa-Genuss. Die Möglichkeiten sind wahrlich vielfältig. Für Wintersportler bietet der Blick ins Gastgeberverzeichnis eine verlockende Perspektive, denn die Anzahl der Sport- und Wellnesshotels ist beachtlich. Rund ein Dutzend Hotels der Vier-Sterne-Klasse versprechen eine große Auswahl für einen komfortablen Skiurlaub.

Dabei hat der Wintertourismus in Bodenmais erst verhältnismäßig spät Einzug gehalten. Bis zu Beginn der 1960er Jahre prägte fünf Jahrhunderte lang der Bergbau den Ort. Der Fortfall dieser Lebensader bedeutete einen starken Einschnitt, bis sich der beginnende Tourismus durchsetzte. Zunächst zog es wanderfreudige Familien in den Bayerwald. Mit ihnen wandelte sich der Ort von der Bergbausiedlung zur Feriengemeinde. Mit den Unterkünften wuchs die Infrastruktur, ein gesunder Wettbewerb führte zu immer neuen Investitionen. Das angestammte Publikum brachte seine Skier mit. Bodenmais wurde zur Winterfrische.

Seit ein paar Jahren steigen die Gästezahlen weiter an. Der Grund dafür war ein Umdenken. Bodenmais suchte neue Ideen. Der frisch gewählte 23-jährige Bürgermeister holte einen Marketing-Fachmann – und gemeinsam mit den Bodenmaisern hebt der Geschäftsführer der neu gegründeten Tourismus und Marketing GmbH, Andreas Lambeck, nun die touristischen Schätze. Die Urwaldlandschaft, das föhnfreie Klima ... das alles gilt als touristisches Gold. „Und wir nutzen neue Vertriebs-chancen. Dabei ist die gewachsene Infrastruktur der Hotels sicher ein ganz wichtiger Aktivposten unseres Urlaubsangebots“, erläutert Lambeck. Seine Kollegin Katharina Hartl weist uns auf eine „Pension neuen Stils“ hin: „Schaut euch die Villa Montara an, dann wisst Ihr, was ich darunter verstehe!“

Gesagt, getan. Das Bed & Breakfast-Haus ist eine mit geschicktem Pragmatismus renovierte, ältere Pension. Dabei zog kein Naturholzambiente, sondern mediterranes Flair ein. Die neuen Betreiber haben eine harmonische Urlaubsatmosphäre mit hoher Servicequalität durch gute Gästebetreuung zum entscheidenden Kriterium für die angebotenen Wohlfühlferien erhoben. Das hauptsächlich jüngere Publikum scheint davon angesprochen, zumal sich das Haus wie viele weitere dem Bodenmaiser Well-Sport-Aktiv-Programm angeschlossen hat. Dies ermöglicht den Gästen die kostenlose Nutzung des Silberberg-Hallenbades, der Saunalandschaft und des Fitness-Studios. Man muss also nicht im Vier-Sterne-Segment logieren, um Wellnessfreuden inklusiv zu genießen.

Die „Streif vom Silberberg“

Ein Wahrzeichen von Bodenmais ist der Große Arber. Wie seit Jahrzehnten krönt dessen Südwestflanke die winterwaldige Kulisse des Markts Bodenmais. Wer vor Jahrzehnten mit den Eltern hier Ferien machte und jetzt vielleicht mit eigenen Kindern wiederkommt, mag keine landschaftlichen Unterschiede erkennen. Strenger Natur- und Landschaftsschutz haben den Postkartenblick bewahrt. Der Skibetrieb am großen Arber läuft schon immer auf der Rückseite des Berges, an seiner Ostflanke.

Alpines Skifahren direkt in Bodenmais findet am Silberberg statt. Der knapp 1.000 m hohe Hausberg lockt mit einer Sesselbahn. Sie erschließt zwei leichte Abfahrten. Auf dieser „Streif vom Silberberg“ finden wöchentlich Gästeskirennen statt. Weitere Abfahrtsmöglichkeiten bietet der Schlepplift am Riedlberg. Auch hier werden die zwei Abfahrten durch einen Kinderlift und eine Rodelbahn ergänzt. Das auf 730 m Höhe gelegene, beschneibare Gelände wird zudem an vier Abenden pro Woche in Flutlicht getaucht.

Von der Waldrodelbahn geht’s zum Hütten-Après-Ski

Um Kids kümmert sich der Kinderclub durch eine Betreuung mit Programm für Gästekinder. Zudem wurde für die Kleinsten am Kurhaus ein 150 Meter langer Rodelhang reserviert.

Irgendwann zieht es jeden Skifahrer hinauf zum Großen Arber, ins größte Skigebiet des Bayerischen Waldes. Mit dem Skibus oder PKW geht’s hinauf ins alpine Skiparadies am 1.456 m hohen „König des Bayerwaldes“. Auch hier ist die Moderne längst eingekehrt. Wo einst in einer schmalen Waldschneise ein Sessellift die Skiläufer durch die Waldeinsamkeit zur Ostabfahrt hinaufbrachte, befindet sich heute ein High-Tech-Skistadion. Mit der 6er-Gondelbahn, der 6er-Sesselbahn am Nordhang und der zuletzt hinzugekommenen 6er-Sesselbahn zum Sonnenfelsen hat das Arberskigebiet einen hohen Ausbaustandard erreicht. Die zehn Pistenkilometer verteilen sich auf elf meist familientaugliche Abfahrten mit einem Höhenunterschied von bis zu 342 Metern.

80 Prozent der Pisten am Großen Arber sind beschneibar

Im Bayerischen Wald gibt’s selten Grund, über Schneemangel zu klagen. Zusätzliche Schneesicherheit verschaffen dreißig Schneeerzeuger, mit denen 80 Prozent der Pisten beschneibar sind. Von dieser Möglichkeit wird Gebrauch gemacht, wie der kompakte Schnee bei unserem Besuch zeigt. Da sind gut präparierte Ski von Vorteil. Gelegenheit zum Skituning besteht in den neuen Servicecentern im großzügig dimensionierten Skistadion. „Wir betreiben die Skiverleih- und Servicestationen selbst“, so Thomas Liebl von der Arber-Bergbahn, „wir sind darum bemüht, die Servicequalität noch weiter zu verbessern.“ „Wir sind ein Familienskigebiet“, fährt er fort. Das Arberskigebiet ist eine Domäne für Paare und Familien, für Großeltern und Enkel, für Skischüler.

Die Familienausrichtung scheint konsequent: So verfügt die Seilbahn über eine anheimelnde Kuschelgondel. Für in der Liebe Fortgeschrittene gibt’s in der in Gipfelnähe gelegenen Eisensteiner Hütte ein Standesamt. Und nebenan, im Arberschutzhaus, wartet ein romantisches Hochzeitszimmer mit Himmelbett samt leuchtendem Sternenhimmel auf Verliebte und Frischvermählte – mit Blick zur über dem Böhmerwald aufgehenden Sonne! Wer die Familiengründung rechtzeitig plant, kann übrigens mit der Hochzeitsgondel – Sie haben richtig gelesen! – zur Vermählung auf den Berg schweben. Mit zwei kunstvoll modellierten Schimmeln voran, gleiten Brautpaare in der schneeweißen Kutschengondel samt Speichenrädern dem Himmel der Liebe entgegen.

Vom Kinderland bis zur Weltcup-Strecke

Ist der Nachwuchs schon da, ist das neue „ArBär“-Kinderland die passende Adresse. Dieser sonnenreiche, abgetrennte Bereich beim Thurnhofhang bietet den Kids jede Menge Platz fürs Lernen und den Spaß im Schnee. „Familycross“ nennt Liebl den Funpark am Thurnhofhang. Das Gelände mit acht Rails bzw. Boxen sowie Ki-ckern und Spaßwellen soll neben Könnern auch fortgeschrittene Kids ansprechen. Der kindgerecht ausgesteckte Riesenslalomparcours weckt ersten sportlichen Ehrgeiz. Weitere Abwechslung bietet die neue Rodelbahn. Nach der Auffahrt mit dem Sonnenhang-Sessel geht’s auf 900 m Länge hinab zum Thurnhofstüberl.

Der Alpinskifahrer hat die Wahl zwischen leicht bis schwer. „Bei uns fährt man von rechts nach links“, Thomas Liebl meint damit, dass sich der Pistenanspruch gegen den Urzeigersinn betrachtet steigert, sich die Skifahrer also idealerweise je nach Lernfortschritt vom Thurnhof zum Osthang vorarbeiten sollen. Inmitten dieser Skipädagogik liegen die mittelschwer markierten Böhmerwald- und Bayerwaldabfahrten, beliebt und frequentiert und im oberen Abschnitt überaus aussichtsreich. Ruhiger ging es bei unserem Besuch auf der Familienabfahrt und dem weiten Gelände bei den Thurnhofliften zu. Weltcup-Strecke und Osthang werden durch die Gondelbahn erschlossen. Von deren Bergstation biegt mancher Skiläufer über den Schmugglerweg zu den leichteren Pisten ab, so dass die schwarzen Abfahrten genussfördernd viel Platz bieten. Wer abends noch nicht müde ist, kann mittwochs und freitags auf drei Flutlichtpisten weitercarven.

Bei genügender Schneelage lockt eine mehrere Kilometer lange Tourenabfahrt, 750 Höhenmeter hinab nach Bodenmais bis zum Eingang des Hallenbads. Wer will, braucht aber auch nach Liftschluss das Skigebiet nicht mehr zu verlassen. Denn im Arberschutzhaus auf rund 1.350 Metern Höhe wohnt man gewissermaßen mit den Füssen auf der Piste. Es bietet Hüttencharme in einem Dutzend neu ausgebauter Zimmer. Teilweise sind sie familiengerecht mit Etagenbetten eingerichtet. Und für Romantiker gibt’s das besagte Zimmer mit Himmelbett.

Schneegeister bei Sonnenuntergang

Als mit Stillstand der Lifte die Stille auf knapp 1.500 Höhenmetern einkehrt, steigen wir zum Gipfelplateau hinauf. Lange sind die Seilbahngondeln im Tal verschwunden. Eine letzte Gruppe rutscht johlend auf dem Hosenboden und in Raupenformation die Piste hinab. Wir schauen zum Gipfel und beginnen neben der Piste hinaufzustapfen. Beim Erklimmen der markanten Felsformation des Richard-Wagner-Kopfs erkennen wir ein paar Tourengeher und andere, vereinzelte Sonnenuntergangsromantiker auf dem Gipfelplateau. Wir genießen die Aussicht über den Bayerwald, den Böhmerwald und das wechselvolle Spiel der Farben in der untergehenden Sonne. Irgendwann verschwinden die letzten Wärme spendenden Strahlen. Es wird frostig. Der kalte böhmische Wind hat winzige Schnee- und Eiskristalle an die knorrigen Fichten und Latschen geweht und sie zu seltsamen Gestalten verwandelt. Die Einheimischen nennen die frostigen Erscheinungen „Arbermandl“ oder auch „Schneegeister“. Oft verschont der Föhn den höchsten Bayerwaldgipfel. Dann prägt das eisige Naturschauspiel über Wochen das winterliche Gipfelbild.

Bei der Rückkehr von unserem Abendausflug knistert im Arberschutzhaus das Fichtenholz im Kamin. Noch fehlt ein wenig Patina an den hölzernen Wänden der frisch ausgebauten Räume, doch die nette Runde lässt bald Hüttengemütlichkeit aufkommen. Auf jeden Fall hat man als Bergschläfer am darauffolgenden Morgen die echte Chance, als erster auf die am Haus vorbeiführende, frisch präparierte Piste zu gehen.

Après-Ski ist am Arber kein allzu groß geschriebenes Thema. Nach dem Abschnallen zieht es die meisten Skifahrer zurück ins Tal, um bei Sonnenuntergang das Wellness-Paradies des Hotels zu genießen, oder sie haben, wie wir heute, die Füße in der Hütte hochgelegt. <<<

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Der 1.456 Meter hohe Große Arber ist der höchste Berg im Bayerischen Wald.

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