Sextner Dolomiten: Auf der Überholspur

Nach Jahren des Stillstands geben die Sextner Dolomiten jede Menge Gas, um wieder das zu werden, was sie einmal waren: Eine Top-Skidestination

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© Florian Tausch, TVB Hochpustertal/H.Rier, M. Schönegger

Text: Florian Tausch

Südtirol! Das Pustertal! Die Dolomiten! Das atemberaubende Panorama! Die freundlichen Menschen! Die malerischen Ortschaften! Und erst das gute Essen! Da geht dem gemeinen Skifan doch das Herz über – oder etwa nicht …? Doch, es stimmt. Und trotzdem musste man in dem ab Prags beginnenden Hochpustertal feststellen, dass ein tolles Image alleine nicht reicht. Bis zur Jahrtausendwende war beispielsweise Sexten noch ein echter Ski-Hotspot – was man zwischenzeitlich nicht mehr wirklich behaupten konnte. Natürlich kamen die Gäste nach wie vor, aber es wurden weniger. Kinder, die in Sexten das Skifahren gelernt hatten, zog es als junge Erwachsene in andere Gegenden – solche, die mit mehr Größe und einer besseren Infrastruktur aufwarten konnten – während der Ort in einer Art Dornröschenschlaf verharrte (auch wenn die Rosengarten-Gruppe der Dolomiten rund 40 Kilometer von Sexten entfernt liegt). Ein Mann, der diese Entwicklung hautnah erlebt und gegen den Stillstand engagiert gekämpft hat, war Erwin Lanzinger. Der in diesem Sommer verstorbene Präsident des Tourismusverbands Hochpustertal war trotz seiner schweren Krebserkrankung bis zuletzt eine unermüdliche Triebfeder und eine „Lichtgestalt des Südtiroler Tourismus“, wie es in manchem Nachruf auf ihn hieß. Als wir uns im letzten Winter trafen, erläuterte er die Hintergründe für den Stillstand: „Wir haben unsere Hausaufgaben nicht gemacht. Aus verschiedensten Gründen wurde 20 Jahre lang nichts in das Skigebiet investiert. Und damit sind wir auch ins Hintertreffen geraten, denn Stillstand ist Rückschritt. Das haben wir in den letzten Jahren arg gespürt. Die Leute sind weggeblieben, weil unser Produkt nicht dem entsprochen hat, was sich ein moderner Wintersportler erwartet.“ Es spricht für Erwin Lanzinger, dass er selbst auf Nachfragen nicht weiter auf die „verschiedensten Gründe“ eingehen wollte – denn diese lagen sicher nicht bei ihm selber. Viel wichtiger war es ihm zu betonen: „Wir müssen nur schauen, was jetzt ist. Ich bin ganz überzeugt, dass wir in ein paar Jahren wieder in der ersten Liga mitspielen werden – wo wir vor 20 Jahren schon einmal waren.“

Mit dem Zug an die Piste

Der Grund für diesen Optimismus: Nach fast zwei Jahrzehnten erbitterter Auseinandersetzungen und Diskussionen, wurde zum Beginn der letzten Saison endlich die lang ersehnte Verbindung der beiden Skigebiete Helm und Rotwand in die Tat umgesetzt. So erwuchs mit dem Gebiet Helm-Stiergarten-Rotwand ein Angebot, das mit 66 Pistenkilometern auch ambitionierten Skifahrern genug für einen echten Skiurlaub zu bieten hat. Zumal dieses neue Herzstück des Verbunds Sextner Dolomiten nur ein Teil ist: Zusammen mit weiteren Gebieten in unmittelbarer Umgebung – etwa dem Familienskiberg Haunold (der etwa eine Kids-Ski-Cross-Strecke und einen Kinderspielplatz aber auch Nacht-skilauf bietet) – kommen die Sextner Dolomiten auf gute 93 Pistenkilo-meter. Und wem das noch nicht reicht, der setzt sich direkt an der Talstation Helm in den Zug, fährt 38 Minuten, steigt an der Talstation des Kronplatz’ wieder aus und befährt mit seinem auch dort gültigen Skipass (beide Gebiete sind im Dolomiti Superski-Verbund) die 110 Pistenkilometer dieses Südtiroler Renommiergebiets.

„Ski Pustertal Express“ – so nennt sich dieses tolle Angebot, das auch zeigt, dass die Aufholjagd nach den verlorenen 20 Jahren einem größeren Gesamtkonzept folgt – und nicht nur durch den Bau von zwei Liftanlagen abgeschlossen sein soll. Am Kronplatz entstand bereits vor einigen Jahren die Bahnstation mit direktem Liftzutritt. Nun haben die Sextner Dolomiten mit dem Bau an der Talstation in Vierschach nachgelegt. Nur 100 Meter geht es dort vom Zug bis zur Piste. Hier befindet sich einer von drei Einstiegspunkten in das Skigebiet, und außerdem der „Punka“ (ein ehemaliger Bunker): Das neu errichtete Service-Zentrum mit Skischule, -verleih, -depot und einem sehr guten Restaurant. Der Ski Pustertal Express verkehrt im 30-Minuten-Takt und ist für Gäste von Unterkünften, die im Sextner Tourismusverband organisiert sind (also die allermeisten) kostenfrei, denn diese erhalten eine Mobilitätskarte, welche für alle öffentlichen Buslinien und regionalen Züge in Südtirol gültig ist. Dass der Zug sogar über eigene Skiständer verfügt, zeigt, dass das Angebot zum Pendeln gerne wahr-genommen wird.

Die Verbindung steht

Dabei ist diese Möglichkeit eigentlich nur das Sahnehäubchen auf dem mittlerweile extrem schmackhaften Kuchen namens Helm-Stiergarten-Rotwand. Dass sich die Bezeichnung „Stiergarten“ zwischen die beiden ursprünglichen Skigebiete gequetscht hat, ist auch geografisch richtig: Über diese auf 2.100 Metern gelegene Anhöhe sind Helm und Rotwand verbunden. Dazu wurden zwei 8er-Kabinenbahnen gebaut: Zum einen – von der Signaue, dem Knotenpunkt der Rotwand kommend – die „Drei Zinnen“-Bahn, zum anderen – vom Helm aus – die „Stiergarten“-Bahn. Ein kleines Extra-Schmankerl dieser Verbindung: Oben am Stiergarten – einem ehemaligen Platz für Zuchtbullen – treffen die beiden jeweiligen Bergstationen der neuen Bahnen zusammen. Von hier hat man einen besonders guten Ausblick auf das UNESCO Weltnaturerbe Drei Zinnen. Wobei es eigentlich unpassend ist, einen Aussichtspunkt besonders hervorzuheben. Egal, an welchem Punkt des Gebiets man sich befindet, kann man grandiose Ausblicke auf die Sextner Dolomiten genießen, inklusive der Gipfel Neuner, Zehner, Elfer, Zwölfer und Einser, die gemeinsam die größte Sonnenuhr der Welt bilden.

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© Florian Tausch, TVB Hochpustertal/H.Rier, M. Schönegger

Dolomiten-Rundtour

Besonders eindrucksvoll erlebt man dieses großartige Panorama beim „Giro delle Cime“, einer Tagestour, die den Skifahrer vom Helm über Rotwand und Kreuzberg bis ins venetische Val Comelico und zurück führt – und das unmittelbar unter den Zinnen des gewaltigen Dolomiten-Massivs. Rund 34 Kilometer legt man dabei auf zwei Brettern zurück, zwei kurze Abschnitte auch mit dem Skibus. Wer diese tolle Tour in Angriff nehmen möchte, startet am besten gegen 9:20 an der Talstation Helm in Vierschach. Von dort aus ist die Route gut beschildert, so dass man sie problemlos auch alleine befahren kann. Aber es gibt auch geführte Touren: Jeden Mittwoch und Sonntag begleitet ein Skilehrer kostenlos eine Gruppe. Treffpunkt ist dann um 9:35 das Helm-Restaurant (Anmeldung bis zum Vorabend erforderlich. Tel. 0039-0474-710375).

Und wer nicht so eine Tour auf sich nehmen möchte? Findet in den Sextner Dolomiten immer noch an allen Ecken und Enden genussreiche Ski-Momente. Das Angebot an Pisten kommt jedem Skifahrer entgegen. Von leicht und spielerisch bis steil und herausfordernd ist alles dabei. Sehr gut ist, dass es für fast alle schweren Pisten auch eine Umfahrung für weniger Geübte gibt. So können auch Gruppen, die über unterschiedliches fahrerisches Können verfügen, das gesamte Gebiet gemeinsam erkunden. Besonders wichtig wird diese einfache Alternative an den Pisten Holzriese I und II. Die Holzriese II ist ein zwar nicht besonders langer, dafür extrem knackiger Hang: Auf 720 Metern Länge werden über 300 Höhenmeter zurückgelegt. Mit bis zu 71 Prozent Gefälle wartet hier die steilste Piste Italiens darauf, bezwungen zu werden. Und auch sonst findet man in den Sextner Dolomiten einige Schmankerl für Ambitionierte: Ob am Steilhang am Helm, auf der Piste Raut in Vierschach (die auch oft von Skiteams zu Trainingszwecken genutzt wird), auf dem Kriestlerhang oder vielen andere Abfahrten – neben dem beinahe unvermeidlichen südtiroler Genuss kommen in Sexten auch Cracks auf ihre Kosten. Überhaupt ist die Skiregion Sextner Dolomiten zwar einerseits ein Familienparadies, andererseits mit fast 60 Prozent aller Pisten im roten oder schwarzen Bereich durchaus etwas für engagierte Sportler.

Das neue Angebot kommt an

Die meist befahrene Piste des Gebiets Helm-Stiergarten-Rotwand ist übrigens die durch den Zusammenschluss neu entstandene Abfahrt „Drei Zinnen“. Und das hat gute Gründe: Mit 28 Prozent ist sie zwar sportlich geneigt, aber auch von weniger erfahrenen Skifans zu meistern, sie liegt an einem sonnigen Südhang und läd dank ihrer Breite zu schönen Carving-Schwüngen ein. Alfred Prenn, Marketingleiter der Sextner Bergbahnen freut sich zurecht über den Zuspruch: „Es macht uns natürlich stolz, dass gerade die neue Piste so gut angenommen wird“, freut er sich.

Es ist auch ein Zeichen dafür, dass sich wirklich etwas bewegt hat, im Hochpustertal – und dass die Sextner Bergbahnen nach einer 20-jährigen Verschnaufpause auf einem guten Weg sind, ihr wunderbares Skigebiet wieder stärker auf die touristische Landkarte zu bringen. Denn in Kombination mit einem attraktiven Wintersportangebot bieten die Sextner Dolo-miten mit ihrem atemberaubenden Panorama, ihren freundlichen Menschen, ihren malerischen Ortschaften und erst recht mit dem guten Essen ein Angebot, das jedem Skifahrer der Herz übergehen lässt.

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Nach einer 20-jährigen Verschnaufpause sind die Hochpustertaler auf einem guten Weg, ihr wunderbares Skigebiet wieder stärker auf die touristische Landkarte zu bringen
© Florian Tausch, TVB Hochpustertal/H.Rier, M. Schönegger

Sextner Dolomiten

Durch die Verbindung von Helm und Rotwand ist im Hochpustertal ein tolles Angebot für alle Könnensstufen entstanden

SKI & SPASS

- PISTEN UND LIFTE Die Region bietet insgesamt 93 Kilometer Pisten, wovon 66 auf das Kernstück Helm-Stiergarten-Rotwand entfallen. Diese verteilen sich wie folgt: Leicht = 24,3 %, mittel = 53 %, schwer = 7,7 %. Das Gebiet liegt zwischen 1.130 und 2.200 Metern Höhe.

- PISTEN-HIGHLIGHTS Die Holzriese ist mit bis zu 71 Prozent Gefälle die steilste Piste Italiens. Sehr beliebt: Die beiden neuen Pisten „Drei Zinnen“ und „Stiergarten“.

ESSEN & FEIERN

- HÜTTEN • Helm Restaurant. Moderne Hütte direkt an der Bergstation Helm. Zentraler Anlaufpunkt, Schauküche, Panorama-Lounge, große Sonnenterrasse.

• Hahnspielhütte. Gemütliche Hütte in schöner Südhanglage. Erreichbar über den Sessellift Helm.

• Henn Stoll. Ausgesprochen schöne Hütte. In der Bauernstube werden leckere Speisen serviert. Große Sonnenterasse, Après-Ski. Am Signaue-Lift gelegen.

• Punka. Im Service-Zentrum der Talstation Vierschach befindet sich ein sehr gutes, modern gestaltetes Restaurant mit abwechslungsreicher Karte.

- RESTAURANTS • Hotel Gasthaus Adler. Gemütliche Stube. Auf der Karte stehen traditionelle südtiroler Gerichte. Von-Kurz-Platz 3, Niederndorf. Tel. 0039-0474-745128, www.hoteladler.com

• Gasthof Waldruhe. Südtiroler Schmankerl auf dem Teller und das tolle Dolomiten-panorama im Blick. Ausserberg 6, Sexten, Tel. 0039-0474-710512

• Mountain Resort Patzenfeld, frische Speisen aus regionalen Produkten, mit viel Kreativität umgesetzt. Via San Giuseppe 54, Sexten, Tel. 0039-0474-710444

SCHLAFEN & WOHLFÜHLEN

• Posthotel. Nach dem kürzlich erfolgten Umbau präsentiert sich das 4*-S-Posthotel in Innichen als stylish-elegantes Boutique-

Hotel, das dank der sehr herzlichen Gastgeber jedoch niemals unterkühlt wirkt. Hervorragende Küche, die wir auch Nicht-Hotelgästen empfehlen. Schöner Wellness-Bereich. Via dei Benedettini 10A, Tel. 0039-0474-913133, www.posthotel.it

• Sporthotel Tyrol. Gemütliches und komfortables Hotel mit schönem Wellness-Bereich und gutem Restaurant. Sehr kinderfreundlich. Via P.-P.-Rainer 12, Innichen, Tel. 0039-0474-913198, www.sporthoteltyrol.it

• Post Alpina. Kuschelige 4-Sterne-Suiten, die in ein Almdorf eingebettet sind. Hervorragend für Familien geeignet, mit großem Spielplatz, Teenie-Club und abwechslungsreichem Programm für die Kleinen. In unmittelbarer Nähe zum Lifteinstieg gelegen. Via Elmo 9, Vierschach, Tel. 0039-0474-913133

• Sport & Kurhotel Bad Moos, 4*-S-Hotel direkt am Lifteinstieg der Rotwandwiesn gelegen. Ausgesprochen komfortabel. Fischleintalstraße 27, Tel. 0039-0474-713100, www.badmoos.it

GUT ZU WISSEN

- SAISON 21.11.2015 bis 10.4.2016

- ANREISE Über den Brenner, dann Ausfahrt Brixen-Pustertal. Von dort gute 60 km über die Pustertaler Straße (SS49). Von Osten aus fährt man ab Lienz ca. 40 km. Sexten liegt nur wenige Kilometer hinter der öster-reichisch-italienischen Grenze. Aufgrund des neuen Ski-Pustertal-Express’ empfiehlt sich auch eine Anreise per Bahn.

- SKIPASS-PREISE Tagespass Sextner Dolomiten: Erwachsene: 48 Euro, 6 Tage: 243 Euro (Hochsaison). Die Skiregion Sextner Dolomiten ist eine von 12 Skiregionen, die allesamt mit dem Dolomiti Superski-Pass befahren werden können. Hier kostet beispielsweise ein 6-Tage-Pass (mit dem man z. B. auch an den Kronplatz kann) 275 Euro. Es gibt auch diverse „gemischte“ Angebote, z. B.: 3 Tage Sextner Dolomiten + 3 Tage Dolomiti Superski. Hier kann man sich unter www.s-dolomiten.com ein individuelles Paket heraussuchen.

- INSIDERTIPP Dienstags und Donnerstags findet am Haunold Nachtskifahren statt. Oben gibt es auch eine gemütliche Hütte, auf der man sich nach der Pisten-Action stärken kann. Ebenfalls am Hanold: Snowtubing und eine permanente Kids-Skicross-Strecke.

- Info - Sextner Dolomiten AG, Tel. 0039-0474-710355, www.s-dolomiten.com

- Tourismusverband Hochpustertal, Tel. 0339-0474913156, www.hochpustertal.info

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 05 / 2015

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