Die Berge zu Füssen!

„Berge von unten, Kirchen von außen, Wirtshäuser von innen!“ lautet ein alter Spruch. Nun, wie es um die Religion bestellt ist bleibt jedem selbst überlassen. Aber man kann durchaus auch oben am Berg Wirtshäuser genießen und ganz nebenbei auch noch Skifahren gehen. Wir fischen uns hier drei besondere Schmankerl heraus

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Text Franz Faltermaier Bild Franz Faltermaier, Betreiber

Es gibt wohl kaum Schöneres, als einen Sonnenaufgang im Gebirge mitzuerleben. Außer vielleicht einen Sonnenuntergang nach einem erfolgreichen Skitag. Wer sich nicht unbedingt mit einem Eiderdaunen-Schlafsack in einem Expeditionszelt verkriechen will, um dort vielleicht noch frierend Schnee für das Süppchen zu schmelzen, sollte sich nach einer urigen Hütte umsehen. Nicht einfach, eine solche zu finden. Viele Urlauber sind nicht besonders scharf auf dunkle, verräucherte Stuben, in welchen ständig feuchte Socken von den Decken baumeln. Und dann noch nächtens auf dem Matratzenlager Schnarchwettbewerbe abgehalten werden. Es geht auch anders. Wer es mag, findet Hotel-ähnliche Unterkünfte in luftigen Höhen. Aufstiegsfelle können getrost zu Hause bleiben. Alle befinden sich unweit von Liftanlagen. Zumindest die drei, die wir für Sie herausgepickt haben: Die Dresdner Hütte in den Stubaier Alpen, die Krefelder Hütte am Kitzsteinhorn im Salzburger Land und schließlich die Rudolfshütte am Weißensee in den hohen Tauern. Alles drei Gletscherskigebiete und somit allemal schneesicher.

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Die Dresdner Hütte

Eigentlich muss man sie kaum mehr vorstellen, befindet sie sich doch in einem der bekanntesten Skigebiete in den Ostalpen. Einst eine verschlafene Alpenvereinshütte im hinters-ten Gebiet der Stubaier, liegt sie heute „verkehrsgünstig“ unweit der Mittelstation Fernau. Fleißige können diese Strecke auch zu Fuß und mit Tourenskiern bewältigen. Für weniger Abenteuerliche lassen sich die paar Meter von der Mittelstation notfalls mit Halbschuhen zurücklegen. Trotzdem reicht der

Abstand, um dem ärgsten Trubel zu den Stoßzeiten zu entkommen. Vor allem vor und nach dem Skibetrieb kehrt himmlische Ruhe ein. Und hier befindet sich einer der großen Vorteile vom Wohnen auf dem Berg. Man muss nicht Romantiker sein, um dies zu schätzen. Selbst das ärgste Burn-out-Opfer, der geplagteste Steuerzahler vergisst angesichts eines sternenklaren Nachthimmels seine Sorgen. Doch zurück zu den Fakten: das Etablissement befindet sich auf 2.300 Metern über dem Meer. Von der Terrasse aus erfreut man sich an einem wundervollen Ausblick über die nahen Berge, deren Gipfel stattliche 3.500 Meter erreichen. Der eine oder andere mag schon seine Abfahrten für den nächsten Tag im Kopfkino abspulen. Trotz des nahen Skitrubels handelt es sich bei der Dresdner Hütte immer noch um eine waschechte Alpenvereinshütte. Gehörend zur Sektion Dresden des Deutschen Alpenvereins, wird sie immerhin seit fast 100 Jahren von der Familie Hofer bewirtschaftet. Mittlerweile in der vierten Generation. Die Vorteile des Gletschers gestatten den Winterbetrieb von Oktober bis Mai. Mit der Summe von 140 Betten in Zwei- und Mehrbettzimmern kann man eigentlich nicht mehr von Hütte sprechen. Vor allem da alle Zimmer über Warmwasser verfügen. Zum Duschen und dem WC muss man sein Zimmer verlassen und diese in derselben Etage mit anderen Gästen teilen.

Sogar eine Sauna erwärmt kalte Knochen, während die beheizte Schuhaufhängung Skistiefel trocknet. Bettzeug und vor allem den Daunenschlafsack kann man daher getrost zu Hause lassen. Allerdings sollte man seine eigenen Handtücher mitnehmen. Es ist halt immer noch ein AV-Haus. Noch einige Eckdaten zum Stubaital: 110 Kilometer präparierte Pisten, fahrbar von Oktober bis Juni, einen Eisturm zum Eisklettern, einen Snowpark für Slopestyler und eine Renn-

strecke für Speedfreaks – all das lässt keine Wünsche offen. Auch Tourengeher kommen nach wie vor auf ihre Kosten. Die bekannteste Route ist wohl das Zuckerhütl mit 3.505 Metern. Nicht nur von dieser, sondern bereits vom Grat unweit der Jochdohlenhütte hat man einen gewaltigen Ausblick auf die Dolomiten. Sofern das Wetter passt.

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Die Krefelder Hütte

Diese hat mit der Dresdner Hütte zwei Dinge gemeinsam: Sie liegt ebenfalls auf 2.300 Metern über dem Meer und ist ebenso eine Alpenvereinshütte. Eingebettet mitten im Skigebiet des Kitzsteinhorns, welches relativ nahe am Ort Kaprun liegt. Daher sprechen auch viele von Kaprun, wenn es sich um das Skiresort handelt. Nur mit Halbschuhen lässt sich das AV- Haus schwerer erreichen. Bei der Abfahrt mit Skiern von der Mittelstation Alpincenter erkennt man schon nach wenigen Höhenmetern die markante Holzbauweise, wie sie in den Alpen leider immer seltener wird. Mit genügend Fahrt kann man direkt vor der Haustüre abschwingen. Dort lädt bei entsprechender Witterung eine gemütliche Sonnenterrasse zum Jausen ein. Wem dies zu wenig ist, kann dort eine oder mehrere Nächte verbringen. Was will man mehr: Skifahren vor und nach dem großen Ansturm der anderen Touristen und somit das Vergnügen, eine frisch gewalzte Piste oder gar einen Neuschneehang zu entjungfern. Für den Gast gibt es bis zu fünfzig Betten. Von einzelnen Zimmern bis zum günstigen Lager. Aber auch hier alpenvereinstypisch Etagen-WC und -Duschen. Bettwäsche und Handtücher werden hier gestellt. Lediglich in den Lagern sollte der Bergsportler einen Schlafsack oder auch einen so genannten Hüttenschlafsack selbst mitbringen. Letzterer kann auch vor Ort käuflich erworben werden. Auch hier: Trockenraum und Skischuhtrockner vorhanden. In der Wintersaison ist nur die Buchung einer Halbpension möglich, was auch Sinn macht. Ein Kneipenbummel am Abend wäre eher schwer zu vollführen. Da muss der wundervolle Ausblick hinab zum Zeller See schon genügen. Ganz zu schweigen von der hochalpinen Kulisse. Bewirtschaftet wird sie übrigens seit kurzem von der freundlichen Familie Strolz. Besonders für Telemarker in nostalgischem Gewand hat der Hausherr ein Herz. Da kann es schon passieren, dass er einen oder mehrere Schnaps ausgibt.

Auch hier findet man von Herbst bis Frühling Schneesicherheit. Besonders für Freeride-Skifahrer bieten sich zahlreiche Tummelplätze abseits der Pisten. Der Funpark ist weit über seine Grenzen bekannt.

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Die Rudolfshütte

Vor einiger Zeit sorgte dies Hütte für Furore, denn sie verabschiedete sich vollends vom Hüttenflair, um sich zu einem Drei-Sterne-Hotel zu mausern. Vielen alt eingefleischten Bergtouristen war das so gar nicht recht. Es ist wie es ist. Heute genießen viele Skifahrer gerne den angenehmen Komfort auf über 2.300 Metern. Von zahlreichen Berggipfeln der Weißsee-Gletscherwelt umgeben, ist bereits die Auffahrt mit der Sechser- Gondel ein Erlebnis. Bei der Mittel-station erreicht man das Bergdomizil durch einen Tunnel. Geleitet wird es seit kurzem von der attraktiven Deutschen Nicole Christoph. Mit insgesamt 82 Zimmern und der gleich unterhalb dazu gehörenden Erich-Steinböck-Hütte mit 21 Betten bietet das Etablissement eine Menge Schlafgelegenheiten. Auch ein Bettenlager mit 14 Plätzen ist nach wie vor vorhanden. Die Zimmer bieten den Komfort wie man ihn von Drei-Sterne-Hotels kennt. Dusche, WC, Telefon, Sat-TV. Lediglich in der kleineren Nachbarhütte herrschen noch „Alpin-Bedingungen“. Also Hüttenschlafsack, eigene Handtücher, eigene Küche, Duschen und WC am Gang. Immerhin kann man auch Halbpension dazu buchen.

Das Interessanteste an dieser Unterkunft sind die zahlreichen Tourenmöglichkeiten in der nächsten Umgebung. Und falls das Wetter oder die alpinen Bedingungen nicht mitspielen, braucht man keinen Kartenspiel-Marathon im Zimmer absolvieren. Man weicht einfach auf das nahe gelegene Skigebiet aus. Dieses kann sich durchaus sehen lassen: 21 Pistenkilometer, eine kleine Rodelbahn und auch hier Schneesicherheit von Herbst bis Winter. Die Saison beginnt für das Hotel leider erst am 16. Dezember.

Falls das Wetter überhaupt nicht mitspielt, um nur einen Fuß vor die Türe zu setzen hat das Hotel noch mehrere Asse im Ärmel. Beheiztes Hallenbad, Sauna, Dampfbad und Relaxzonen. Knisterndes Kaminfeuer, Fitnessraum, Tischtennis, Kicker, Billard, Bergfilmkino und, man staune, eine eigene Kletterwand. Gerade für Familien, welche vielleicht nicht ständig nur auf den Skiern stehen wollen, ist dies besonders interessant. Zwei Kinder unter zwölf Jahren dürfen im Elternzimmer sogar kostenlos übernachten. Da stimmt es wohl, dass das Weißsee-Gletscherareal eins der preiswertesten Skigebiete der Alpen ist.

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