Komfortstall für die Pistensau

Wein, Speck und Käse „ab Hof“ – wer kennt das nicht? Aber Urlaubsbauernhöfe, die direkt an Österreichs Pisten auf Gäste warten, werden bisher bestenfalls als Geheimtipps gehandelt. Wir machen uns daran, das zu ändern

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Text Fred Fettner Text Betreiber, Udo Bernhart, Urlaub am Bauernhof

Holz im knisternden Kamin, der Duft von frisch gebackenem Brot steigt auf. Die Bäuerin bringt das frisch produzierte Joghurt herein. Eine handvoll Gäste greift automatisch zum Löffel, zwei Eltern rufen nach ihren mit den Hasen spielenden Kindern. Bauernfrühstück. Die Uhr zeigt halb neun Uhr, doch kein Stress macht sich breit. Denn während im Tal bereits die ersten Skistiefel über den Asphalt zur Liftstation scharren, zieht man sich hierorts erst einmal in aller Ruhe an. Geht hinaus, wenn die Lifte starten – und zieht doch die ersten Spuren ins Weiß.

Ein Szenario, wie es etwa im Sturmgut anzutreffen ist. Besser als dieser Hof kann man gar nicht im Skigebiet liegen. Und selbst wenn Hinterstoder nicht zu den absoluten Topskizentren zählt, so hat es als einziger oberösterreichischer Austragungsort von Weltcuprennen doch ordentlich an Renommee zugelegt. „Bei uns gehst bei der Tür raus und stehst auf der Piste“, ist Bauer Rainer Kletzmair die winterliche Hauptattraktion bewusst. Fast jeder Wintergast kommt des Skifahrens wegen. Zahlreiche Ostösterreicher sind darunter, aber auch aus Bayern und dem nahen Tschechien strömen sie heran. Viele davon sind begeistert, weil die Tierliebe am Sturmgut nicht mit den professionell gehaltenen Mutterkühen im Stall endet. Sondern auch Gästehunde willkommen sind. „Während andere Skifahrer den Einkehrschwung üben, schnallen bei uns viele die Ski ab, um kurz mit dem Hund eine Runde zu drehen“, kennt der Bauer seine Stammgäste.

Paradies für die Kleinen

Kinder von Familien, die daheim keine Haustiere haben, lieben Bauernhöfe ohnehin. Im Sturmgut dürfen Katzen, Hasen und Meerschweinchen gestreichelt werden. Wenn’s draußen zu kalt ist, dann haben die Kleinen sogar ein eigenes Spielzimmer im Haus. Platz ist auf Höfen zum Glück selten Mangelware. Als kleine verträumte Kaschemme darf man sich dieses Pistenquartier aber nicht vorstellen. Bis zu 50 Leute wohnen im Haus und erfreuen sich auch an am Hof hergestellten kulinarischen Genüssen: Schnäpse, Säfte, Speck – und das kulinarische Wahrzeichen der Region, der Most, werden am Hof erzeugt. Puristisch auf eigene Produkte setzt das Sturmgut trotzdem nicht: Da gibt’s beim Frühstück für jeden Geschmack etwas – bis hin zum Räucherlachs.

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Schladming-Planai Breilerhof

Die Lust des Skifreaks am direkten Einstieg ins Pistengeschehen kann Anfängern den Einstieg verleiden. „Kein Problem: Die fahren wir mit dem Traktorshuttle zur Talstation“, hat Kletzmair auch dafür eine Lösung parat. Nur um im Winter auf den Hof zu kommen, müssen die Urlauber selbst vorsorgen: Kettenmitnahme ist angeraten.

Stammgäste schätzen es, Wintertage pistennah mit Stallanschluss zu verbringen. Doch dringt dazu so wenig nach außen, als krähte kein Hahn danach. Mancher Geheimtipp blieb derart geheim, dass er leider nicht mehr existiert: Die Ferienwohnung am Bauernhof Unterhausberg, direkt an der Kitzbüheler Streif, wird nun leider nur mehr innerfamiliär genutzt. Doch wenn schon nicht an der berühmten Rennstrecke, so finden sich in den Kitzbüheler Alpen insgesamt doch mehrere rustikale Farmen als erbauliche Pistenquartiere.

Touren ab Hof

So findet man wenige Meter vor der Talstation der Hohenå Salve rechts die kleine Einfahrt in den uralten Knollnhof. Man stößt die unversperrte Tür auf, die Dielen knarren. Sonst Stille. Ein Baby gluckst – dann erscheint die Bäuerin voll jugendlicher Anmut, ihren kleinen Kilian am Arm. Magdalena Eisenmann steht für eine neue Generation bäuerlicher Gastgeberinnen. Geblieben ist von ihren Schwiegereltern das Engagement, ihren Gästen eine besondere Urlaubsform zu bieten. „Wir sind ein ganz konsequent biologisch geführter Hof. Wer bei uns wohnt, spürt unsere Devise: Saisonal, regional und bio.“ Doch selbst im aufs Jahr 1355 zurückgehenden Hof sind die Gästezimmer höchst zeitgemäß. Zusätzlich werden im Neubau drei helle Wohnungen mit sagenhaften Komfort vermietet. Am Hof ist man dabei trotzdem, schließlich wohnen auch die „Altbauern“ im schmucken Nebenhaus. So ein „Ausgedinge“ hätt’ jeder gern.

Neben Kindern jeder Alterstufe, spielt im Winter Skifahren beim Knollnbauer die Hauptrolle. Nicht nur weil die Auffahrt vor der Tür direkt in Österreichs am dichtesten gewebtes Liftnetz führt. Zu Recht bezeichnet sich das Skigebiet Wilder Kaiser mit seinen 279 Pistenkilometern und 91 Liften als „irrsinnig groß“. Wer diesem genussvollen Irrsinn einen Kontrapunkt setzen will, ist hier ebenfalls bestens aufgehoben. Nicht genug, dass die Ski- und Snowboardschule von Söll ebenfalls der Familie Eisenmann gehört, ist der zünftige Jungbauer zugleich Leiter der Tourenskischule samt spezialisiertem Sportgeschäft und Verleih. Zusätzlich liefert der Knollnbauer noch Kulinarisches. Aus der aus 500 Jahre altem Holz bestehenden Kornkammer ist ein Restaurant entstanden. Neben gastronomischen serviert die Kornkammer immer wieder auch künstlerische Gustostückerln. Der Eindruck eines Großunternehmens entschwindet am Knollnhof spätestens dann, wenn man sich in sein heimeliges Zimmer zurückzieht und in aller Stille den Blick auf den Wilden Kaiser wirken lässt.

Zimmer, Kühe, Kälber

Ein Bauernhof mit angeschlossener Skischule ist einmalig? Denkste!

Gleiches kann auch im Salzburger Land erlebt werden. Wobei der Bögrainhof in Filzmoos wahrlich ein Urlaubsbauernhof wie aus dem Bilderbuch ist. Ganze sieben Zimmer für die Gäste, dazu sieben Milchkühe und meist ebenso viele Kälber. Alles wie geschaffen für einen Skiurlaub mit kleinen Kindern: Beginnen wir beim Skigebiet Filzmoos. Es zählt zwar zur weitläufigen Salzburger Sportwelt, Teil von Ski Amadé, doch ist es in sich geschlossen, beschaulich und gemütlich. Mittags kommen alle Familienmitglieder problemlos zusammen.

Ein Markenzeichen des Skigebiets. „Einige Kinder kehren vom Skifahren allein heim, ziehen sich um und spielen mit unserem Kleingetier oder gehen zu den Ponys“, erzählt Bäuerin Elisabeth Salchegger, während im Hintergrund ein kleines Mäderl greint. Ihre vier Kleinen sind am Hof ebenso präsent, wie ihre Eltern.

Kaum anderswo wird so intensiv Ski und Hof verbunden, wie hier, direkt an der Talstation der auf 1.600 Meter führenden „Papageno“-Gondelbahn. Die Kinder sind meist in der Skischule. Nie vergeht eine Woche, ohne dass die Skischulgruppe durch den Bögrain-Stall geht. „Alles ist sehr informativ dargestellt. Aber in erster Linie sind wir Milchlieferanten. Deshalb haben wir beim Stallumbau alles getan, damit die Tiere nicht gestört werden“.

Zwar bekommt man als Urlauber das Landleben im Sommer intensiver zu spüren, doch auch der Winterurlaub am Hof bietet ein besonderes Erlebnis: Während die Rinder im Sommer die Almen bevölkern und die Ställe meist leer sind, regiert in der kalten Jahreszeit das pralle Leben. Und die bäuerliche „Familienplanung“ sorgt oft dafür, dass die Jungtiere im Winter zu Welt kommen. „Es empfindet jedes Kind als unbeschreiblich, wenn es ein frisch geworfenes Kälblein sehen kann“, spürt Salchegger regelmäßig, dass zu all den sportlichen Skistunden im verträumten Filzmoos dieses Tiererlebnis ein Rufzeichen setzt.

Eine Erfahrung, die man auch am Harasshof von Going machen kann. Wobei hier auf den unmittelbaren Einstieg ins Pistennetz verzichtet werden muss. Doch die Skigebiete von Kitzbühel und Wilder Kaiser sind nah und vor allem führt die berühmte „Koasaloipe“ direkt über das Hofgrundstück.

Wenn man hier vom Frühstücksduft erwacht, während vor dem Fenster die Eiszapfen glitzern, weiß man: Gut, der Kaffee ist nicht vom Hof. Aber alles andere, vom Kräutertee bis zur Marmelade und den grandiosen Vollkorn-Brötchen. Der Biobauernhof ist alles in allem ein besonderes Aushängeschild der insgesamt 3.000 bäuerlichen Gastgeber in Österreich. Die knarrende Holztreppe ist breit, weil selbst zu Zeiten, als die Bauern wenig besaßen, nie Mangel an Raum herrschte. Kräuterkissen liegen im hellen Zimmer, das Bad blitzt. Zwar hat die Familie Foidl längst die Grenzen des alten Hofs gesprengt – edle Appartements im Jägerhof gehören ebenso dazu, wie ein Luxus-Ferienhaus. Doch die jüngste Generation ist im alten Hof unterwegs. Der kleine Vitus und seine um drei Jahre ältere Schwester Antonia sind besonders präsent, deren Mutter und Großmutter laden einmal pro Woche nachmittags zur „Hoagast“. Nicht nur um mit selbstgebackenen Keksen, Kaspressknödeln oder heißem Punsch die vom Frühstück bekannten Backkünste zu unterstreichen, sondern vor allem um ins Reden zu kommen. „Im Winter sind die meisten sonst beim Skilauf oder im Zimmer. Aber bei der Hoagast kommen traditionell alle zusammen“, freut sich die Bäuerin. Und das ist nicht nur ihr das Wichtigste. <<<

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Salzburger Sportwelt Pausshof

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