Hütten Talk

500 Dollar für den Skigolo

Von Jupp Suttner

Den ganzen Sommer über hat der Martin als Mountainbike-Guide gearbeitet. Natürlich wäre er auch als Skilehrer in Australien oder Argentinien zu Brot und Lohn gekommen. „Aber ich konnte“, sagt er, als wir während unserer Rad-Tour auf der Hütte hocken, „einfach keinen Schnee mehr sehen. Fünf Jahre hintereinander habe ich das gemacht: Im Winter Skilehrer in Europa – im Sommer Skilehrer in der südlichen Hemisphäre. Jetzt habe ich mal wieder eine grüne Landschaft gebraucht ...“

Aber sein Blick, das haben wir zwischen den Schlucken an unseren Radlerhalben bemerkt, schweift immer wieder hinüber auf den Kitzsteinhorn-Gletscher. Und wie zur Bestätigung gibt er zu: „Aber jetzt freu’ ich mich schon wieder auf den Winter!“

Er will es kommende Saison in den USA probieren. „Dort nämlich kostet ein Privatskilehrer schon mal 750 Dollar pro 8-Stunden-Tag!“ Was? Dann wollen auch wir sofort Skilehrer dort werden! „Na ja“, gibt er zu, „der Skilehrer erhält davon lediglich 150 Dollar – den Rest kassiert die Schule.“

Was in Amerika hingegen absolut verlockend sei – das teils saftige Trinkgeld: „Da steckt Dir am Abend schon mal eine Klientin 500 oder mehr Dollar in die Anorak-Tasche!“ Zufrieden seien die meisten Ski Instructors auch, wenn sie als „P6“ bezeichnet würden. „Das bedeutet“, erklärt uns Martin, „dass man für sechs Privatstunden, gebucht ist. Und besonders fein heraus“, grinst er, „sind natürlich jene, die man P24 nennt …“

Der Schorsch, gleichfalls ein Skilehrer, verrät: „Bei uns in den Alpen heißt das all inclusive.“ Und wer diesen Service biete, sei ein Skigolo. Dennoch gebe es ein Nachwuchs-Problem in der Branche, immer weniger junge Männer würden Skilehrer werden wollen. Selbst die Verlockung heißer Amouren scheine die Youngster nicht mehr anzulocken. „Das liegt bestimmt daran“, glaubt der Sebastian, „dass man heute längst kein Skilehrer mehr sein muss, um Erotik im Winter-Urlaub zu erleben.“

Stimmt, nickten alle. Aber trotzdem, verteidigt der Martin die Ehre seiner Zunft, habe man als Skilehrer schon noch einen Bonus bei den Frauen im Vergleich zu einfachen Touristen! „Und auch darum“, schürzt er rückerinnernd die Lippen, „habe ich ja mal eine Pause vom Schnee gebraucht ...“

Dann schweift sein Blick wieder zum Kitzsteinhorn hinüber. Und seine Augen beginnen zu leuchten. Bald ist die Pause vorbei. Beginnt der Bonus wieder zu zählen. Und wer weiß – vielleicht bringt der Martin es im kommenden Winter ja zum P24. Mit 500 Dollar Trinkgeld pro Tag. Oder pro Nacht.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 04 / 2014

Aktuelle Beilagen und Specials

  • catalog flat

Events

29.11 – 02.12.2018
St. Anton - Ski Opening