Notizen eines Ski-Nomaden

Wer auf einem Vulkan Ski Fährt, Sollte vorher alle Warnungen Studieren. Sonst kann es sein, dass man plötzlich alleine im Schnee steht.

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Ein Jahr vor meinem Besuch hatte ein spektakulärer Ausbruch die Skisaison auf dem Ruapehu abrupt beendet, aber ich habe Glück. Bei strahlender Sonne und aschefreiem Schnee schultere ich an der Bergstation des High-Noon-Lifts kurz vor Betriebsende meine Ski, um die verbleibenden 500 Höhenmeter zum Gipfel in Angriff zu nehmen. Einige Snowboarder machen sich mit mir auf den Weg. Das Gelände wird mit zunehmender Höhe steiler, das Steigen schwieriger. Die Boarder brechen etwa nach der Hälfte des Anstiegs ab. Mit Softboots kann man eben keine Tritte in den Schnee hacken­. Mit den Ski quer vor dem Körper kämpfe ich mich die letzten Meter voran. Als ich den Grat erreiche, stehe ich plötzlich in einem tosenden Sturm. Noch umwerfender ist die fantastische Aussicht: Im Norden ragt der Te Heuheu über einen kreisrunden Kratersee empor, der Dampf- und Schwefelwolken speit, weit im Westen die ebenmäßige Pyramide des Taranaki aus dem Pazifik in den Himmel der Südhalbkugel, und jenseits der Rangipo Wüste erheben sich die zerklüfteten Kaimanawas aus dem Wolkenmeer. Es fällt schwer, den Blick zu lösen und mich auf die Abfahrt vorzubereiten. Der Sturm gibt den letzten Stoß. Abwärts geht’s, zunächst durch den komplett vereisten, 36 Grad steilen Gipfelhang, dann durch prächtigsten Oktoberfirn. Am 1.200 Meter tiefer gelegenen Endpunkt der Abfahrt steht nur noch mein Mietwagen auf dem Parkplatz. Es fühlt sich komisch an, so allein auf so einem gewaltigen Berg. Und warum bin ich an so einem Traumtag bloß ganz allein hier? Wegen des Alert-Levels. Der war gerade hochgestuft worden, das Betreten der Zone im Umkreis von einem Kilometer um den Krater tabu. Und alle hatten es mitbekommen. Alle? Nein, nicht alle …

Unser Autor Christoph Schrahe lebt nach der Devise „Never ski a mountain twice“. Bislang hat er rund 500 Skigebiete in 38 Ländern unter die Bretter genommen. Für das SkiMAGAZIN berichtet er an dieser Stelle über seine merkwürdigsten Erlebnisse im Schnee auf sechs Kontinenten.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 06 / 2016

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