Maria Höfl-Riesch: Die eigene Einschätzung und die Sicht von aussen

Medientag des DSV in Haus bei Schladming. Maria Höfl-Riesch (27) stellt sich den Fragen der Presse.

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Sie ist braun gebrannt, trägt zum Gesprächstermin heiße Hotpants mit Nietengürtel und ein orangefarbenes Top – ausgesprochen sexy! Ihre Haare sind streng zurückgekämmt und werden von einem blauen Glitzergummi gebändigt, dessen Farbe wiederum perfekt mit den blauen Fingernägeln korrespondiert. An der rechten Hand trägt die in Kitzbühel mit ihrem Ehemann und Manager Marcus (37) lebende Garmisch-Partenkirchener ihren Ehering, an der Linken drei sich überschneidende Ringe. Das Modell, erklärt sie dem SkiMAGAZIN, sei „ein Trinity von Cartier. Den habe ich von Marcus zum Geburtstag gekriegt“. Um das Handgelenk schmiegt sich eine elegante Uhr ihres Sponsors. Maria ist also reich geschmückt. Und wer weiß – vielleicht kommt ja im Februar bei der WM in Schladming noch weiteres Edelmetall hinzu …

Interview Jupp Suttner Illustration Jasmin Siddiqui Bild Head, Bogner

Maria, wie geht’s? Ich fühle mich gut. Bin durch die Konditions-Vorbereitungen gekommen, hatte keine Verletzungen und keine Krankheit, habe alles durchziehen können.

Hatten Sie auch mal Urlaub? Ja, von 6. bis 22. April. Mein Mann Marcus und ich waren im Urlaub auf Turks & Caicos und vorher drei Tage in New York. Dort haben wir uns „The Book of Mormons“ angeschaut, ein tolles Musical. Und auf der Insel saß eines Abends Keith Richards in der Hotelbar hinter uns. Außerdem haben wir das Anwesen von Donna Karan besichtigt – sehr beeindruckend.

Könnten Sie sich nach dem N.Y.-Trip vorstellen, dort einmal zu leben – etwa, um die absolute Anonymität zu genießen? Warum nicht, New York ist eine aufregende Stadt, da ist immer etwas los; viele Trends, auch in der Mode, entstehen dort. Allein, wenn man einfach nur durch die Straßen läuft, bekommt man viele Inspirationen. Allerdings würde ich nur für eine begrenzte Zeit dorthin gehen, dafür hänge ich viel zu sehr an meiner Heimat.

Sind Sie in N.Y. wie die echten New Yorkerinnen mit Joggingschuhen durch die Stadt gegangen – die High Heels stets in einer Plastiktüte mit sich führend? Joggingschuhe hatte ich nur beim Joggen im Central Park an. Beim Shoppen habe ich auf High Heels auch verzichtet. Aber sonst, wenn wir abends weggegangen sind, ins Theater oder zum Essen, natürlich nicht. Man kann sich ja schnell ein Taxi nehmen, wenn sie unbequem werden.

Gab es weitere große Erlebnisse 2012?

Wir wurden von Gala zum „Couple of the year“ gewählt – und dann natürlich der Papst-Besuch. Ein Wahnsinns-Erlebnis. Es war und ist eine riesen-große Ehre und ich bin sehr stolz, dass ich das einmal erleben durfte. Und nach dem Urlaub ging es dann im Mölltal gleich um 6 Uhr morgens auf den Gletscher – nach 13 Tagen Strand. Das war hart ...

Dieses Mal verlief die Vorbereitung sehr kom-primiert, beispielsweise ging es in einem Stück nach Neuseeland und Chile.

Genau. Außerdem habe ich mit Blick auf die WM im Februar in Schladming dieses Mal etwas mehr im Kraftraum gearbeitet. Um mehr Muskeln zuzulegen, denn die reißt es einem im Winter ’runter.

Wie sieht es überhaupt für die bevorstehende Saison mit Ihrem Körpergewicht aus, nachdem Sie 2011/12 so dünn, ja fast zerbrechlich wirkten? Es war die Rede, dass Sie zwölf Kilo weniger hatten letzten Winter als 2010/11. In Wirklichkeit waren es nur vier bis fünf Kilo. Die Probleme, die ich mit der Ernährung hatte, sind dank der Hilfe von Ärzten und Beratern besser geworden. Es wurde ein Grund gesucht, an was es teilweise lag. Trotzdem habe ich mit dem geringeren Gewicht ja Rennen gewonnen! Am Ende der Saison hatte ich nichts mehr zu gewinnen und nichts mehr zu ver-lieren, da hat dann der Kopf ausgelassen. Auch

körperlich hatte die Saison Substanz gekostet und optimal war das mit dem Gewicht nicht. Aber die Kilos, die ich heuer zugenommen habe, sind eine gute Masse. Und ich hatte bei den Tests gute Werte in der Kraft und in der Ausdauer.

Was bedeutet „Ausdauer“ bei einer Alpin-Skifahrerin? Ich hatte bereits letztes Jahr einen guten Schritt in der Ausdauerfähigkeit gemacht. Und das ist jetzt noch besser geworden. Man baut ja jedes Jahr auf einem wiederum noch besseren Niveau auf als vorher. Ich absolvierte jedenfalls diesen Sommer die besten Tests aller Zeiten: 320 Watt – drei Minuten lang mit 12 Laktat.

Sie haben ja bereits alles gewonnen, was es gibt – Weltmeisterin, Olympiasiegerin, Weltcup-Gewinnerin. Woraus beziehen Sie noch Ihre Motivation, sich im Sommer bei der Kondi-Arbeit so quälen zu können? Mittlerweile macht mir das im Sommer sogar Spaß! Ich habe mich früher nicht gerne geplagt – drei bis vier Stunden Radfahren beispielsweise war die Hölle! Und jetzt habe ich sogar Vergnügen dabei. Früher hieß es einfach „Alle los und Vollgas!“ Das war eine Quälerei und die hat wenig gebracht. Inzwischen jedoch ist alles prima. Ich gehe mittlerweile sogar im Urlaub gern auf’s Laufband!

Wie darf man sich so einen Konditions-Trainingslager-Tag außerhalb des Schnees vorstellen? Es ist eine sehr vielseitige Angelegenheit. Und es ist alles komprimiert und intensiviert. Wir trainieren – bis auf die Essens-Zeiten – wirklich den ganzen Tag. Mit härteren Einheiten und höherem Puls. Rumpf, Oberkörper, Schnelligkeit, Koordination usw. Es sind viele Sachen dabei, die Spaß machen – aber natürlich auch welche, die weh tun. Doch da muss man durch.

In punkto Material standen durch die Regel-Änderung des Skiweltverbandes FIS ja heftige Änderungen an. Wie kommen Sie mit den neuen Ski-Modellen zurecht? Ganz gut. Es war nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte. Aber ich investierte ja sofort viel Zeit und absolvierte zehn Tage lang Ski-Tests in Hochgurgl und im Mölltal. Außer für Slalom gibt es für alle anderen Ski neue Bestimmungen. Bei Abfahrts-Ski wurde der Radius von 45 auf 50 Meter erhöht, bei Super-G von 40 auf 45 m und bei Riesenslalom-Ski von 23 auf 30 m. Ich fahre jetzt 2,13 Meter lange Abfahrts-Ski und 2,10 Meter lange Super-G-Modelle.

Die neuen Material-Regeln sollen für mehr Sicherheit der Athleten sorgen. Die Sicherheit wird es nicht verbessern. Aber das habe ich schon vorher gesagt. Der Großteil der Athleten hatte sich dagegen ausgesprochen, weil die Tests nichts brachten. Wir versuchen schon, uns einzubringen. Aber man bekommt nicht das Ohr. Gehört habe ich, dass sie die Pisten nicht mehr so vereisen wollen. Dass keine Balkenpräparierung mehr gemacht werden soll. Doch der Balken machte es für alle gleich. Und ohne Balken-Präparierung hätte man die WM in Garmisch-Partenkirchen abbrechen müssen.

Sind sich eigentlich sämtliche Fahrerinnen immer einig? Grundsätzlich ist es schwierig, alle Athleten hinter etwas zu bringen, weil dann doch wieder irgend jemand einen Vorteil für sich sieht. Anja Paerson wird trotz ihres Rücktritts weiterhin Athletensprecherin bleiben. Letzte Saison hatten wir ein Rotations-System. Zwei bis drei Mädels haben da jeweils abgestimmt. Aber es gab ja gar keine Entscheidungen zu treffen, sondern die jeweilige Sache nur dem Atle Skardal (Renndirektor der FIS für die Damen-Weltcup-Rennen, Anm. d. Red.) zu sagen. Ich selbst möchte das nicht machen, denn wenn es heikel wird und Lindsey und ich anderer Meinung sind …

Zurück zur Sicherheit der neuen Modelle. Es ist kein gewinnbringender Fortschritt. Im Gegenteil. Es ist schwieriger zu fahren mit dem Ski. Man muss von Anfang an voll auf dem Außenski fahren. Mir kommt das aber gut entgegen. Denn ich fahre eh nicht mit extremer Innenlage, das geht bei meiner Größe gar nicht. Kleinere Fahrer(innen) haben da vielleicht größere Umstellungs-Probleme. Wenn man den Ski voll auf Zug fährt, gibt es den gleichen Zug und Punch wie bei den bisherigen Modellen. Vier bis fünf Männer hatten sich bereits bis Ende Juni verletzt. Es geht für jeden bei Null los und es wird sich nicht jeder gleich gut auf die Neuheit einstellen können. Es ist jedenfalls immer spannend.

Empfinden Sie bereits eine Art Einstimmung auf die WM 2013? Das ist wahnsinnig weit weg. Aber wenn man beim Kondi-Training in der Steiermark genau gegenüber dem Zielhang trainiert – dann denkt man natürlich schon daran. Aber die Priorität der Gedanken liegt dann selbst in so einem Moment eher auf Kondition, Materialeinstellung usw. als auf der WM.

Wie gefallen Ihnen die Schladminger Strecken? Die Strecken sind anspruchsvoll, aber das ist gut. Ich hoffe nur, dass das Wetter bei der WM etwas winterlicher sein wird als beim Weltcup-Finale in der letzten Saison – damit die Schneebedingungen besser sind, die Pisten eisiger und härter, was mir ja besser liegt.

Haben Sie die Abfahrtsstrecke im Sommer mal zu Fuß oder mit dem Bike besucht? Beim Konditionskurs im Juni waren wir dort, allerdings nicht auf der Strecke. Wir sind zu Fuß und auch mit dem Bike den Hauser Kaibling hoch und wieder runter. Ein sehr intensives, anstrengendes Training, aber gut.

Sind Sie froh, dass nach dem WM-losen Winter 2011/12 in der bevorstehenden Saison nun wieder ein richtiger Saison-Höhepunkt auf dem

Terminkalender steht? Na ja, die Jahre mit Groß-ereignissen sind schon die spannenderen. Alles konzentriert sich darauf. Was bedeutet, dass man vorerst mal eher ruhig in die Saison startet. Zwar ist jedes Rennen wichtig, aber in einem WM-Jahr ist der Beginn halt etwas entspannter. Und für mich persönlich erst recht, denn vor einem Jahr war es auch insofern schwierig, weil alles auf Lindsey und mich blickte, weil sie und ich uns nicht ganz grün waren. Trotzdem werden wir natürlich von Anfang an versuchen, gut in Form zu kommen. Welche Chancen man dann auf welche Weltcup-Kugeln hat, ergibt sich während der Saison. Und ob man dann bei der WM zu den Favoriten zählt, wird sich zeigen. Die WM ist auf alle Fälle für die Medien der Hingucker.

Die letzten drei Jahre, in denen Groß-Championats stattfanden, liefen für Sie ja ... super, würde ich sagen. Die Österreicher haben uns zwar bei der Heim-WM in Garmisch-Partenkirchen etwas geärgert – aber jetzt ärgern wir bei ihrer Heim-WM zurück! (grinst) Die stellen fünf Weltmeister(innen) und haben die ganz große Erwartungshaltung des gesamten Landes – doch wir wollen dagegen halten! (Ballt die Faust.)

Was war denn die wichtigste Erkenntnis der letzten Saison? Dass oftmals die eigene Analyse und Einschätzung anders ist als jene von außen. Denn ich zum Beispiel bin mit der letzten Saison nicht unzufrieden.

Im Gegensatz zur Öffentlichkeit ... Genau. Es war sicher nicht so perfekt wie im Jahr zuvor, als ich 2010/11 den Gesamt-Weltcup gewann. Denn ich hatte 2011/12 etliche Ausfälle. Aber ich bin 3. im Gesamt-Weltcup geworden! Von außen wurde der letzte Winter sehr negativ transportiert, aber was soll man machen: Es gibt ja keine Steigerung mehr gegenüber dem Gewinn des Gesamt-Weltcups!

Es war also nur ein Rückschritt, doch keine Katastrophe. Genau – absolut kein Total-Absturz! Sicher, ich hatte Phasen, in denen ich mich schwer tat. Und die Tiefschläge – womit ich die neun Ausfälle meine, was bei vierzig Rennen einfach zuviel ist – haben mich vielleicht den 2. Platz im Gesamt-Weltcup gekostet. Doch um 1. zu werden – so eine gute Saison hätte ich gar nicht haben können, um mich vor Lindsey platzieren zu können! So gesehen also: Es war okay für mich.

Sie gelten ja als „Steh-auf-Frau“, die nach Niederlagen um so stärker zurück schlägt. Fällt dieses „Niederlagen verkraften“ schwerer als früher? Oder leichter, weil man ja weiß, dass es immer wieder ein „Comeback“ gibt?

Das fällt nicht leichter. Ich bin zwar ein Typ, der abhaken kann. Und kann gerne ein Beispiel des letzten Winters liefern: Da bin ich vier Mal hintereinander ausgeschieden – und habe dann trotzdem das fünfte Rennen gewonnen! Ich ärgere mich zwar noch Stunden später darüber, wenn es schief lief, aber dann kommt ein neuer Tag. An dem habe ich fast Wut im Bauch. Aber das darf sich nicht derart umwandeln, dass man noch mehr Druck erhält.

Kann man sich das aneignen? Das ist bei mir eine Mischung aus Naturbegabung und Lernen. Die WM 2009 in Val d’Isère etwa bestand für mich zwei Wochen lang nur aus Pleiten, Pech und Pannen. Und dann habe ich noch den Slalom gewonnen. Alles sprach gegen mich – und dann hat es doch funktioniert. Diese Erfahrung von damals habe ich abgespeichert.

Ihr größter Wunsch für die bevorstehende Saison? Xund bleim! (Gesund bleiben.)

Und Ihre sportlichen Vorhaben? Für mich ist es zu früh, über Ziele zu sprechen. Ich plane nicht mehr voraus.

Aber einen Wunsch haben Sie sicher, nehmen wir an ... Ja – eine Riesenslalom-Medaille wäre schön! Das ist die einzige, die ich noch nicht habe.

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