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Das „Schuidl“ reagiert zickig

Sieht einfach aus, auch majestätisch. Aber wer selbst mal versucht hat, eine Piste zu präparieren merkt schnell: Nur viel Übung macht den Meister

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„Alles geht hier hydraulisch, es braucht nur ganz kleine Bewegungen“

Text Nicola Förg Bild Pistenbully, Martin Uhlmann, Nicola Förg

Siebzehn Uhr Dreißig am Brauneck. Die Liftbügel des Streidllifts hängen wie leere Kleiderhaken rum. Es schneit leicht und ist zappenduster. Aber dann schaltet Sepp die Xenon-Scheinwerfer ein und es werde Licht. Laut wird es auch, da röhren 330 PS. Sepps knallrotes Baby heißt Pistenbully 300 und man darf das schon so sagen: Sepp ist ein Abhängiger, ein Infizierter – sein Leben wäre ohne Pistengerät undenkbar. Sepp strahlt. „Auch nach zehn Jahren hat Pistenpflege für mich etwas Beflügelndes. Ein tolles Gefühl. So ein Gerät ist doch etwas Beherrschendes.“

Sepp Wohlmuth und seiner Frau Agnes gehört der Streidllift samt Hang, und der wird heute Abend gebügelt. Aber nicht vom Meister der Raupe, sondern von Laien, denn auf Sepps Hang darf man selber mal Hand anlegen in der Kabine des Bullys. Sepp chauffiert zunächst bergwärts und erklärt auf der Fahrt dahin dem staunenden Beifahrer die Feinheiten so eines Fahrzeugs. Wirklich Feinheiten! „Ihr denkt ja immer, Pistenbullyfahren ist was Brachiales, wo es Kraft braucht. Aber das geht hier alles hydraulisch, es braucht nur ganz kleine Bewegungen.“ Ein paar Demonstrationen, das Ding gedreht, und nun steht er da mit der Nase nach unten.

Kleine Lichter im Dunkeln

„Bereit?“ Nein, aber dem Mutigen schlägt keine Stunde. Also: Den Sitz weiter nach vorne. Die Lenksäule nach unten fahren, damit der Blick durch das Panoramafenster frei wird und los! Anlassen, Gas geben und das röhrende Monster fährt. Bange Frage: „Kann man den wieder anhalten?“ Kann man, indem man einfach das Gas wegnimmt.

Gut, dann weiter, in den Kegel des Scheinwerfers gestarrt und dann kommt der neuralgische Punkt. Der Bully muss ja auch wenden. „In einem Zug durchfahren“, mahnt Sepp. Na, der ist lustig! Man fährt ins Nichts, die Scheinwerfer leuchten ins Schwarze – Angst, die Lenkung viel zu stark betätigt, Hilfe! Gas weg! Sepp grinst. „Ihr arbeitet alle viel zu grobmotorisch, hier sind Filigrantechniker gefragt.“ Und es kommt ja noch viel schlimmer: Die Kette so eines Pistenbullys ist ja nur der Antrieb, bekanntlich dient ein Pistengerät dazu, eine Piste zu präparieren. Vorne hat sie einen Schild und hinten eine Fräse. Beide kann man mit einer Art Joystick betätigen, und die kleinste Bewegung setzt den 12-Wege Schild in Gang. Hilfe, das Schild zickt und zuckt! Man glaubt gerne, dass ein halbes Jahr Training niemals ausreicht, um diese Kunst auch nur ansatzweise zu erlernen. „Bloß mit der linken Hand steuern und den Daumen am Geschwindigkeitsregler. Rechts bleibt für das Schuidl“, sagt Sepp.

Die Ehrfurcht steigt

Ja, einfach gesprochen, großer Meister, aber leicht ist das nicht, und niemals mehr werden Pistenbully-Neulinge eine schlecht präparierte Piste bemängeln. Die Ehrfurcht ist gestiegen – vor allem, weil die Könner ja nicht bloß einen vergleichsweise flachen Hang bearbeiten müssen, sondern bei allen Schneearten in jedem Gelände unterwegs sind. „Bei Neuschnee geht es mehr darum, dass die Fräse den Schnee komprimiert, das Schuidl ist dann oben. Beim zerfahrenen, rausgeschobenen Schnee schiebt das Schuidl und die Fräse komprimiert.“ Ja, lieber Sepp: Das ist ein bisschen wie Klavierspielen, wo die Hände Unterschiedliches tun müssen, die zappeligen Füßchen auch eine andere Aufgabe haben und das Hirn einfach zu viel abspeichern muss.

Aber so schlecht war es dann gar nicht. „Generell sind Leute ohne Vorwissen eh besser zu haben“, sagt der Sepp. „Wenn da ein Landwirt kommt, der daheim einen großen Bulldog hat, weiß der natürlich alles besser.“ Da sind dem Sepp eigentlich Hausfrauen oder Krankenschwestern am liebsten. „Die machen das meistens am besten.“ Hat aber nichts mit dem Geschlecht zu tun: Verkopfte Bankerinnen gehen auch zu wenig instinkthaft an die Sache ran. Und Sepp kennt seine Pistenbully-Pappenheimer, denn etwa 100 kommen schon im Jahr, um die Piste zu bügeln. <<<

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