Fahren auf welligen und buckligen Pisten

In schwierigem Gelände trennt sich die Spreu vom Weizen. Steil, ­eisig, extrem wellig – es gibt zig Herausforderungen am Hang. Doch während für Könner hier der Spaß erst beginnt, quälen sich weniger Geübte oft nur noch die Piste herunter. Das muss nicht sein! Unsere Experten vom Deutschen Skilehrerverband geben Tipps, wie Sie Ihre Technik verbessern. Damit wird das Meistern einer Buckelpiste vom Kampf zur Gaudi!

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© Michael Mayer

Text: Christiane Bauer

Jaaa, Wochenende … endlich ausschlafen! Von wegen: Das lange Warten hat ein Ende, die Wintersaison 2015/16 ist eröffnet. Wir wollen endlich wieder Ski fahren! Viele von Ihnen stehen wahrscheinlich gerne eine Stunde früher auf, um einer der Ersten auf der Piste zu sein. Die Pistenraupen von heute fräsen den Schnee optimal, die Raupenfahrer achten auf die richtige Temperatur und Uhrzeit bei der Bearbeitung und zaubern uns jede Nacht glatte Pisten. Das lädt uns ein, perfekte, gleichmäßige Schwünge zu ziehen. Ein richtiger Genuss!

Doch wie lange hält die glatte Piste? Je nach Jahreszeit, Temperatur und ­Pistenfrequentierung bilden sich ­relativ schnell kleine und schließlich auch größere Schneehaufen.

Damit wellige, buckelige Pisten für Sie kein Grund sind, den Nachmittag im Hotelpool zu verbringen, und Sie sich auch auf unruhigem Untergrund wohlfühlen, geben wir Ihnen hier eine kleine Anleitung zur Skitechnik auf ­einer durchwühlten Piste. Und auch wenn Sie zu denjenigen gehören, die genau diese Verhältnisse suchen oder gerne abseits der Piste in einer richtigen ­Buckelpiste unterwegs sind, können Ihnen die richtigen Tipps und Tricks helfen, am Feinschliff zu arbeiten.

Grundlagen und Material

Grundvoraussetzungen für das Fahren auf welligen, stark ausgefahrenen oder buckeligen Pisten sind:

• eine bewegungsbereite Position

• Stabilität des Oberkörpers

Bewegungsbereite Position heißt: Sie müssen mittig über dem Ski stehen, d. h., die Fußsohlen sind vorne mittig und hinten gleichmäßig belastet, die Sprung-, Knie- und Hüftgelenke sind leicht gebeugt, und der Oberkörper ist aufrecht. Die Arme werden seitlich vor dem Körper gehalten. Wichtig ist, dass Sie beim Fahren den Oberkörper und die Arme ruhig halten, um die Wellen nur mit den Beinen ausgleichen zu können und so wenig Unruhe wie ­möglich in Ihr System zu bringen.

Die Stabilität des Oberkörpers wird durch mehr ­Spannung erreicht. Ziehen Sie dabei z. B. den Bauch ein und drücken Sie die Griffe Ihrer Stöcke fest zusammen. Die erhöhte Muskelspannung des Oberkörpers hilft Ihnen, die Beine beweglicher ein­zusetzen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

Das neue Material – Rocker-Ski, die wieder etwas länger gefahren werden – kommt uns hier sehr ent­gegen. Kurze Ski werden bei welligem ­Untergrund sehr unruhig, was viel Kraft kostet. ­Deshalb empfehlen wir einen etwa körperlangen gerockten Allmountain-Ski, der durch seine ­Länge und Breite deutlich stabiler liegt und durch den Rocker trotzdem leicht um die Kurve fährt.

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Vorab sollte man die Buckelpiste immer gründlich prüfen. Mit mittleren Radien bei ­langsamem Tempo beginnen, danach in kurze Radien übergehen. Grundsätzlich gilt beim Buckelfahren: ständig ­mittige Position, um schnellstmöglich reagieren zu können, hohe Körperspannung und schmale Skiführung
© Michael Mayer

Kleine bis mittlere Buckel

Wenn sich die ersten Schneehaufen auf der Piste zusammenschieben, ­sollten Sie erst einmal versuchen, einen Weg um die Buckel herum zu finden. Nehmen diese weiter zu und ein Weg durch die Buckeltäler ist nicht mehr möglich, dann müssen Sie Ihre Beine auf dem Buckel anziehen und nach dem Buckel wieder ­strecken.

Aber Vorsicht! Lassen Sie den ­Oberkörper nicht zusammenklappen, sonst geht der Bewegungsspielraum der Beine verloren und man kann die Buckel nicht mehr so gut „schlucken“. Falls dies doch passiert, ist der ­Oberkörper zu instabil und braucht mehr Spannung. Die mittige Position über den Ski darf vor, auf und hinter dem Buckel nicht verloren gehen. ­Somit müssen Sie die Ski in der Buckel­abfahrt aktiv nach unten ­drücken, um möglichst nicht den Bodenkontakt zu verlieren.

Hohe Buckel und Buckelpiste

Bei sehr hohen Buckeln oder in einer richtigen Buckelpiste gibt es zwei Möglichkeiten, das Gelände zu bewältigen:

• um die Buckel herum fahren

• falllinienorientierte Linienwahl

Zu Beginn wählt man die runde Linie um die Buckel herum. Hier ist es ähnlich wie in einer Bobbahn, in der man Steilwandkurven fährt und somit etwas Platz hat, die Ski quer zur Falllinie zu drehen, um so die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Die andere Variante ist für die fortgeschrittenen Fahrer unter Ihnen – sie lässt sich im Fernsehen bei den Weltcup-Rennen der Buckel-Profis bestaunen.

Hierbei werden die Ski nur leicht aus der Falllinie gedreht. Man rutscht dabei an der Buckelabfahrt ab und verwendet den folgenden Buckel als Puffer. Die Beine müssen dann die Energie aufnehmen, um so das Tempo zu kontrollieren.

Auf einer richtigen Buckelpiste ändert sich die Technik im Vergleich zur welligen Piste, da der Platz sehr begrenzt ist und die Linien vorgegeben sind. Die Kurve wird im Buckeltal gefahren, und der Kurvenwechsel findet auf dem Buckel statt. Besonderheit: Während der Kurve werden die Beine jetzt gestreckt und im Kurvenwechsel aktiv angezogen.

Diese Ausgleichstechnik wird auch Umkehrtechnik genannt, da sie genau entgegengesetzt zur Skitechnik auf der planen Piste ist. Bei der falllinienorientierten Befahrung müssen Sie die Umkehrtechnik sehr schnell anwenden, da Sie sonst aus dem Rhythmus kommen und der nächste Buckel Sie abwirft.

Übungsmöglichkeiten

Als Vorübung, um buckliges G­elände besser zu meistern, gibt es die Möglichkeit, über einen ­geeigneten kleinen Pistenrand zu fahren. So gewöhnt man sich an die Wellen. Oder Sie müssen sich der buckligen ­Situation auf der Piste einfach mal stellen: Fangen Sie mit langsamem Tempo an und steigern Sie dieses von Abfahrt zu Abfahrt. Vergessen Sie dabei nicht die Oberkörperspannung, um die nötige Mobilität in den Beinen zu haben. Hilfreich ist es, den Hang vorab zu analysieren. Kenne ich den Hang? Welche Länge hat er? Wie steil ist er? Kann man ihn von oben ein-sehen, oder ist es andernfalls möglich, ihn von unten zu betrachten, um sich eine Linie auszuschauen?

Bevor man die Umkehrtechnik auf der Buckelpiste testet, empfehlen wir Ihnen, diese auf der Piste zu trainieren. Führt man den ungewohnten Bewegungsablauf auf einer ebenen Piste aus, spricht man von „Unter-fahren“: Dabei müssen Sie die Beine in der Kurvensteuerung strecken und zum Kurvenwechsel aktiv in Richtung Oberkörper anziehen. Dabei ist wichtig, dass dieser aufrecht bleibt.

Vielleicht ist ja ein neues Buckelpistentalent unter Ihnen. Viel Spaß!

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 06 / 2015

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