Die perfekte Oberfläche

Was passiert eigentlich mit Ihren Ski beim Service in der Skiwerkstatt? Hier erfahren Sie es. Nachdem die ersten Arbeitsschritte im vorangegangenen Teil unserer Skiservice-Serie erläutert wurden, geht es heute direkt weiter mit dem, was passiert, wenn Ihre Ski größere Belagsschäden aufweisen

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Text Rainer Bommas Bild Reichmann, Florian Wagner

Sind die Löcher im Belag größer, reichen die Beschädigungen gar bis zum Gurt oder befinden sich direkt an der Kante, ist der Reparaturprozess aufwendig. Nachdem die Beschädigung ausgestanzt und gesäubert wurde, muss eine spezielle Grundierung aufgebracht werden, was eine gewisse Erfahrung voraussetzt. Ohne diese Vorarbeiten würde das anschließend aufzuschmelzende Reparaturmaterial nicht halten und schon bald wieder herausfallen. Nach der Grundierung wird die auszubessernde Stelle erwärmt und das Reparatur-material aus Polyethylen auf 250 Grad erhitzt, um eine dauerhafte Verbindung herzustellen. Nur so können sich die einzelnen Moleküle zu einer neuen, festen Einheit verbinden.

Stark beschädigte Beläge können mit einem speziellen Gerät übrigens auch komplett mit neuem Belagsmaterial überzogen werden. Temperatur und die aufzutragende Menge müssen dabei möglichst exakt gewählt sein.

Nachdem der Belag ausgebessert und vorgeschliffen ist, kommt die Steinschleifmaschine zum Einsatz. Nur mit einer solchen Präzisions-maschine ist es möglich, die Ski absolut plan zu schleifen, eine extrem wichtige Voraussetzung für einen guten Skiservice. Mit dem Stein wird anschließend auch die Struktur in den Belag geschliffen, die entscheidenden Einfluss auf die Fahreigenschaften der Ski hat. Die Steinschleifmaschinen verfügen über voreingestellte Strukturen, die in aufwendigen Tests der Schleifmaschinen- und Skihersteller

für unterschiedliche Bedingungen ausgetestet worden sind.

Die richtige Struktur

Um die absolute Planheit und die gewünschten Strukturen auf dem Belag zu erzeugen, wird der Ski mehrfach über die Steinschleifmaschine geführt, wobei der Stein nach jeweils rund einem Dutzend Schleifgängen jeweils neu abgerichtet werden muss, um möglichst lange gute Ergebnisse zu erzielen.

Zum Thema Strukturschleifen erklärt der Hersteller Reichmann:

„Beim Skifahren entsteht zwischen Schnee und Ski ein Wasserfilm, auf dem man gleitet. Kalte Temperaturen mit wenig Luftfeuchtigkeit vermitteln ein Gefühl, als ob wir auf Sand fahren. Grund dafür ist der nur schwach ausgeprägte Wasserfilm. Warme Temperaturen mit viel Luftfeuchtigkeit geben das Gefühl von ‚festkleben‘ – der Ski saugt sich durch die Vakuumbildung auf dem Untergrund fest.

Beim Strukturschleifen wird die Oberfläche des Belags nicht komplett abgetragen, sondern die Struktur, das Muster wird in die feine Basisstruktur geprägt. Die Oberfläche des Belags bleibt glatt, was für die Drehfreudigkeit der Ski enorm wichtig ist. Die Vertiefungen der Struktur bewirken ein Abreißen des Wasserfilms, was ein Gleiten ermöglicht.“

Auf das Thema Strukturen gehen wir in einer späteren Folge unserer Skiservice-Serie näher ein.

Wenn die Struktur im Belag ist, werden die Unter- und die Seiten-kante „gefinished“, wie es in der Fachsprache heißt. Je feiner die Oberfläche der Stahlkanten ist, also je glatter sie sind, desto einfacher lassen sich die Ski fahren und desto halt-barer ist auch die Kante. Deshalb ist es das Ziel im Skiservice, die Kanten-oberflächen perfekt zu polieren. Die Kanten dürfen nach dem Finish keine Struktur mehr haben. Darunter litte nicht nur die Drehbarkeit. Viel gefährlicher ist, dass sonst die Gefahr des Verschneidens besteht. Gerade bei den stark taillierten Carvern, die sehr direkt reagieren, sind polierte Kanten besonders wichtig.

Nachdem die Kanten über die volle Länge scharf geschliffen und poliert worden sind, müssen die Kanten im Schaufel- und Endenbereich noch „gebrochen“, also abgerundet werden. Das geschieht in den Bereichen, die nicht im Schnee aufliegen und wird gemacht, um die Gefahr des Verschneidens zu reduzieren und den Ski eine ungewollte Aggressivität zu nehmen. Bleiben die Kanten komplett scharf, besteht die Gefahr, dass die Schaufel, wenn sie Schneekontakt bekommt, den Ski bereits in die Kurve zieht, ohne dass der Fahrer es möchte. Ähnliches gilt am Skiende, wenn dieses am Schwungausgang noch zupackt und der Fahrer nicht von der Kante wegkommen würde.

Kommen wir zum letzten Akt: dem Wachsen. Es schützt die Lauffläche vor Austrocknen und Oxidation, sorgt dafür, dass die Ski nicht nur besser gleiten, sondern vor allem auch besser und leichter drehen. Natürlich kann man seine Ski auch selbst wachsen, entweder nach alter Väter Sitte mit der Hand aufreiben und dann mit dem Handballen polieren oder – deutlich besser – mit dem Bügeleisen das Wachs bei 80 bis 120 Grad einbringen und anschließend das überflüssige Material abziehen.

In der Skiwerkstatt geschieht dies mit einem Heißwachsautomaten. Der Belag wird dabei vorgewärmt, um die Wachsaufnahme über entsprechend getränkte Rollen zu optimieren. Da beim Wachsen die zuvor mit dem Stein aufgebrachte Struktur zugedeckt wird, sorgt der Einsatz einer Strukturbürste dafür, dass die Muster wieder freigelegt werden. Würde man das nicht machen, könnte der Wasserfilm beim Skifahren nicht abgleiten und die Struktur ihre Aufgabe nicht erfüllen.

Jetzt ist der Ski fertig zur Rückgabe an Sie. Mit ein paar Blicken sehen Sie, ob alle Arbeiten ausgeführt sind: Sind die Kanten ganz glatt und glänzend poliert? Ist der Belag frei von Riefen und schön plan? Hierzu können Sie eine Abziehklinge auf den Belag halten und schauen, ob hier kein Lichtspalt zu sehen ist. Verfügt der Belag über eine gleichmäßige Struktur? Mit dem Fingernagel können Sie leicht feststellen, ob frisches Wachs auf dem Ski ist.

Auf der Piste werden Sie dann schnell bemerken, ob das Ergebnis Ihrer Sichtprüfung dem Versprechen der Servicewerkstatt tatsächlich entspricht und Ihr Vertrauen gerechtfertigt war. <<<

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Mit dieser Maschine wird die Seiten- und Unterkante gleichzeitig geschliffen, wobei exakt der eingestellte Winkel erzielt wird.
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Mit diesem Steinschliff im Schleif-roboter wird der Belag absolut plan und erhält über einen genau definierten Druck seine Struktur.

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