Kontrolle, Speed, Komfort: Kaufberatung Skischuhe

Alle Jahre wieder stehen wir im Sportgeschäft, um uns einen neuen Skischuh zu kaufen. Die Angst ist groß, sich beim Modell zu vergreifen und nach ein paar Tagen vor Schmerzen kaum fahren zu können, anstatt die kurze Zeit auf der Piste voll zu genießen. Im schlimmsten Fall hat man viel Geld für den falschen Schuh ausgegeben. Um einen Fehlgriff zu vermeiden, braucht man eine kompetente Beratung. Dafür ist es sinnvoll, die wichtigsten Fakten für den Skischuhkauf zu kennen.

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© Werner Krause

Text: Ralf Kühlkamp, Markus Weinmann

Beim Skischuh ist es wie bei ­einem alten Auto. Solange es noch fährt, gibt es keinen Grund, es zu ersetzen. Über die Jahre hat man sich an die Eigenheiten des Schuhs gewöhnt und weiß, dass er vielleicht schon etwas ausgeleiert ist. Dafür ist er bequem, passt wie angegossen und hat schon so manche tollen Skitage mit einem geteilt. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem man sich von seinem alten Material trennen muss. Dann steht man im Sportfachgeschäft und versucht, etwas zu ersetzen, was kaum ersetzt werden kann.

Und für das liebste Hobby sollte einem das Beste gerade gut genug sein! Schließlich hat man keinen Spaß im Schnee, wenn die Schuhe nicht optimal passen oder einem keinen richtigen Halt geben.

Wie beim Autokauf ist eine Entscheidung schwierig. Zuerst muss ich für mich persönlich analysieren: Was möchte und was brauche ich eigentlich? Dazu ist es wichtig, erst einmal folgende Fragen zu beantworten: ­­­Wie viele Tage im Jahr fahre ich Ski? Welcher Typ von Skifahrer bin ich?

Wenn ich diese beiden Fragen ehrlich beantwortet habe, bin ich beim Skischuhkauf einen entscheidenden Schritt weiter. Komme ich, wie viele Skifahrer, auf nicht mehr als sechs bis sieben Skitage pro Jahr, und sind mir die Schönheit der verschneiten Bergwelt und das Après-Ski wichtiger als die Jagd nach Sekunden, dann steht bei der Auswahl des richtigen Skischuhs der Trage- und Einstiegskomfort eindeutig im Vordergrund.

Bin ich aber der Skifahrertyp, der im Oktober schon darauf schaut, wo die ersten Schneeflocken gefallen sind, und im Winter dem weißen Gold bei jeder sich bietenden Gelegenheit hinterherfährt, oder der schneesüchtige Sportler, der morgens als erster am Lift steht und abends von der Pistenpolizei eingefangen werden muss, dann sollte man die Priorität auf Performance und Sportlichkeit legen. In beiden Fällen gilt: Wer mehr für sein Sportgerät ausgibt, der bekommt auch das Beste für sein Hobby! Doch wo liegen die Unterschiede zwischen einem am Rennsport orientierten und einem komfortablen Skischuh?

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In passenden Skischuhen sollte man mit Druckstellen und Blasen keine Probleme bekommen.
© Werner Krause

Was heißt Flex?

Beim Après-Ski brüstet sich der ein oder andere Skifreak damit, was für ein harter Kerl er ist, denn er fährt ja eine „130er Rennschale“! Aber was bedeuten die Zahlen 130/100/95 etc.?

Die Skiindustrie hat versucht, durch einen Zahlenindex die Vorlagesteifigkeit (Flexhärte) eines Skischuhs zu definieren, wobei dieser Wert nicht genormt ist und damit eigentlich keine Aussagekraft hat. Für den Skifahrer gilt jedoch: Je höher die Zahl, desto mehr Know-how ist in dieses Produkt eingeflossen. Hier wurde nur mit den besten Materialien gearbeitet, um dem Skischuh die gewünschten Eigenschaften für einen perfekten Skitag zu geben. In den Sortimenten der Schuhfirmen finden sich entsprechend auch Skischuhe mit der gleichen Flexhärte, aber unterschiedlichen Trage- und Fahreigenschaften wieder.

Der am Rennsport ausgerichtete Skischuh hat eine harte Schale aus Polyether, einem sauerstoffarmen Kunststoff, der sich für die Anpassung an den Fuß durch Fräsen oder Drücken (thermoverformbar) besonders gut ­eignet. Durch die dickere Wandstärke sind die Rennschalen schwerer und direkter in der Kraftübertragung. Dadurch hat man mehr Kontrolle über die Ski. Sie leiten wegen des dichten Materials aber auch die Kälte direkt an die Füße weiter. Der Innenschuh eines Racers ist außerdem dünner und mit nur wenig Polstermaterial ausgestattet, um eine direkte Reaktion des Skis zu ermöglichen. Er hat deshalb aber auch keine optimale Isolation.

Die Schalen dieser High-Performance-Schuhe werden aus Poly­ethylen oder Polyurethan gefertigt, sind aber dünnwandiger und komfortabler im Flexverhalten. Sie bieten einen warmen, gemütlichen Innenschuh mit genügend Platz, da es viele Modelle in verschiedenen Leistenbreiten gibt. Zudem können durch Thermoverformung einige Innenschuhe an den Fuß angepasst werden!

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Bootboards sind Einlagen zwischen Schale und Innenschuh, mit denen man das Volumen der Skischuhe anpassen kann
© Werner Krause

Hilfe durch Einlagen

Um den optimalen Spaß und die beste Leistung aus der Einheit Ski und Schuh herauszuholen, sind individuell angepasste Einlagen für ambitionierte Sportler ein absolutes Muss!

Eine Skischuheinlage darf nicht korrigieren, sondern sollte vielmehr den Fuß perfekt unterstützen. Hierfür wird ein Negativabdruck des Fußes genommen und die vorher aufgeheizte Einlage an das natürliche Fußgewölbe angepasst. Korrigierende Einlagen beeinflussen das Fahrverhalten des Skis negativ, da es zu Fehlbelastungen der Außenkante kommen kann. Sowohl bei der Einlage als auch bei der Anpassung des Skischuhs sollte man sich auf jeden Fall in die Hände eines Fachmanns begeben, denn nur der kann Ihre Füße verstehen und die passende Einlage für Sie finden.

Welches Modell der Spezialist aus seinem Regal für Sie herausholt, ist nicht nur abhängig von Ihren Fahrgewohnheiten und der Breite Ihres ­Fußes. Ebenso sollten Sie dem Experten sagen, ob alte Verletzungen vorliegen und ob Sie Überbeine, ein herausstehendes Kahnbein, starke Knöchel, Probleme im Zehengrundgelenk oder andere Auffälligkeiten in der Anatomie Ihres Fußes haben.

Der echte „Fußversteher“ analysiert Ihre Fußform und die Druckbelastung. Um einen perfekten Halt im Skischuh zu gewährleisten, sollten die Fersenform und die Achillessehne überprüft werden.

Wenn der passende Skischuh gefunden und angepasst worden ist, sollte einem tollen Skiurlaub nichts mehr im Wege stehen. Auch wenn Sie beim Fahren noch kleinere Druckstellen feststellen, wird man im Sportgeschäft Ihres Vertrauens mit kleinen Tricks Abhilfe schaffen können.

Kleines Skischuh-ABC

Material der Schale

-Polyurethan (PU) und Polyether (PE)

P-reisgünstigere Schuhe werden aus Marfran (recycelter Kunststoff) gefertigt. Sie sind leichter, können aber nicht angepasst werden, und das Material ermüdet schneller

Schnallen

Bestehen aus

-Kunststoff (minderwertiger)

-Magnesium (extrem leicht)

-Aluminium gespritzt (gut)

-Aluminium gefräst (sehr gut)

-Aluminium gepresst (Spitzenklasse)

Darauf sollten Sie achten!

-Mikroverstellung

-Verstellbare Raster im Schaftbereich

Auswechselbare Laufsohlen

-Sohlenplatten sollten nach Verschleiß austauschbar sein

Geh- & Stehmechanismus

-Wichtig für Freerider und komfortorientierte Skifahrer, die längere Strecken zu Fuß zurücklegen müssen

Bootboard

-Einlage zwischen Innenschuh und Schale

-Unterschiedliche Isolierungen (Kälte)

-Unterschiedliche Stärken (helfen bei der optimalen Anpassung im Spannbereich)

Powerstrap

-Beste Anpassung im Wadenbereich

Innenschuh

-Renn-Innenschuhe – beste Kraftübertragung – weniger Komfort und kälter

-Sport Performance – stärkere Polsterung mit höherer Dichtigkeit und hochwertigem Außenmaterial

-Komfort-Innenschuhe – dicke, weiche, warme Polsterung - Kraftverlust

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2016

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