Der Weg zum optimalen Skischuh

Auf dem Skischuh-Markt Hat sich eine menge getan. in puncto Komfort und Anpassungsmöglichkeiten lässt sich fast von Quantensprüngen sprechen. Denn inzwischen kann man sagen: Es gibt den perfekten Schuh! Für jeden! Es kann zwar schwierig sein, ihn auf Anhieb zu finden, doch wir helfen Ihnen mit einer Serie zum Thema Schuh – und für die haben wir uns fachkundige Hilfe geholt und geben Tipps, wie auch Sie das optimale Modell für sich finden.

neuer_name
Experten-Tipps für die Schuhwahl: Bootfitting-Experte Phil Niejodek

Text: Christian Riedel

Kaum zu glauben, aber wahr: Die Zeiten unbequemer Skischuhe sind vorbei! Denn dank intensiver Entwicklungsarbeit der Hersteller werden bei den heutigen Modellen modernste Materialien und innovative ­Technologien verwendet. Das Resultat: Die Begriffe Komfort und Skistiefel schließen sich nicht mehr kategorisch aus! Schuhe, die die Füße warm halten, stabil sind, ein sicheres Gefühl vermitteln und über einen Top-Sitz verfügen, sprich das optimale Modell für grenzenlosen Skispaß, gibt es heute wirklich. Die Hersteller stellen den Kunden eine riesige Auswahl zur Verfügung. Die spannende Herausforderung ist es, das individuell optimal ­passende Modell zu ­finden. Und das ist keine Herkulesaufgabe, wenn man ein paar Dinge beachtet und dem fachkundigen Rat der Experten vertraut. Dann ist der Schuh mit der richtigen Passform schnell gefunden. Zumal der Handel mit der Palette, die er in die Regale stellt, schon eine Vorauswahl trifft.

Zunächst gilt es, den Einsatz genau zu definieren. Wie fahre ich? Wo fahre ich? Das Motto lautet: Die Stiefel müssen zu mir und meinen Füßen passen. Denn jeder Mensch ist einzigartig, seine Füße ebenfalls. Dementsprechend können nicht alle Stiefel, die wir von der Stange kaufen, perfekt passen. Doch wenn man einen Schuh mit einer guten Passform gefunden hat und dieser auf der Piste zum Beispiel an einer Zehe zwickt, ist das kein Übel mehr. Es sind nur minimale Anpassungen nötig und schon ist die Druckstelle behoben. Und selbst für Skifahrer mit Problemfüßen oder speziellen Beschwerden wie Überbeine gibt es Lösungen. Und damit wären wir beim Thema Bootfitting, das wir in der Ausgabe 05/2016 intensiver behandeln.

Sicherheitsfaktor Schuh

Zurück zum Schuhkauf: Wir machen uns sehr viele Gedanken darüber, welchen Ski wir fahren wollen. Aber dass der Stiefel die Basis für unser Hobby ist, vergessen viele oft. Und statt neue, hochwertige Schuhe zu kaufen, fahren wir zu oft mit alten, ausgelatschten Modellen, weil die doch „so bequem“ sind. Dabei verbinden die Stiefel unseren Körper mit den Ski. Wenn diese ­Verbindung wackelt, ist das komplette System instabil. Es lohnt also und ist für den Fahrspaß essenziell, Schuhe gewissenhaft auszuwählen.„Wer sich schlecht sitzende Schuhe kauft, darf sich nicht wundern, wenn er damit auf der Piste keinen Spaß hat“, bestätigt Phil Niejodek, Skischuh-Experte und Bootfitter bei Sport Krön in Sprockhövel. Dabei haben nicht optimal sitzende Stiefel gleich mehrere Nachteile. „Man hat weniger Kontrolle über den Ski, fährt dadurch mit einem unsicheren Gefühl. Und dieses unsichere Gefühl kann zu unsicherem Fahren führen, was wiederum ein erhöhtes Sturz­risiko zur Folge haben kann.“ Man sieht: Gute sitzende Skischuhe halten nicht nur die Füße warm, sondern sind eine wichtige Komponente in Bezug auf unsere Sicherheit auf der Piste oder im Gelände!

Tipps vom Bootfitter

„Im optimalen Fall lässt man sich die Schuhe von einem Bootfitter individuell ­anpassen“, erklärt Phil, der als Skilehrer und ­Landesausbilder früher mehr als 100 Tage im Jahr auf Ski stand. „Wenn das nicht klappt, sollte man trotzdem einige Dinge beim Skischuhkauf berücksichtigen, damit man den Kauf auf der Piste später nicht bereut.“

Deshalb ist es auch wichtig, die Bedingungen, unter denen wir die Stiefel kaufen, zu beachten, denn diese sind ganz anders als in den Alpen. Oft sind wir schon lange durch die Stadt gelaufen, und wenn die Füße platt und die Waden vom Herumrennen leicht geschwollen sind, gehen wir Schuhe kaufen. Im Sportgeschäft herrschen 20 bis 25 Grad, die wir beim Skifahren bekanntlich nur selten vorfinden. Durch Wärme dehnt sich das Material aber aus. Das merken wir dann am ersten Urlaubstag. Also: Zeit zum Testen nehmen, sonst ist der Fehleinkauf vorprogrammiert!

Zunächst sollte man seinen Fuß und seinen Unterschenkel nach Länge, Weite und Höhe messen. So kennt man schon vorher seine Werte und kann den Verkäufer mit Input füttern, damit dieser bei der Auswahl des passenden Schuhs eine bessere Orientierung hat. Schlüpfen Sie auch einmal ohne Innenschuh in die Schale eines Ski­stiefels. So sehen Sie, ob es an einigen Stellen vielleicht schon zu eng wird. Man kann den Schuh auch umdrehen und einmal von unten auf die Grundform schauen, ob der Schuh eher weit oder schmal und gerade gebaut ist. Wenn man dann schon im Vorfeld eine Produktgruppe gewählt hat, also etwa einen Race-, einen Freeride- oder einen Komfortschuh, kann man schon daheim in Ruhe ein Port­folio an Schuhen auswählen, das man dann im Sportgeschäft anprobieren kann.

neuer_name
Kleinigkeiten: Oft entscheiden kleine Details wie der Schaftwinkel oder die Zehenbox, ob man mit einem Schuh Spaß haben kann.

Auf die Größe kommt es an

Neben der Grundform des Schuhs ist vor allem die Größe und damit auch die Länge entscheidend. Zu kleine Schuhe führen zu Schmerzen, sind die Stiefel zu groß, verliert man Kontrolle. Daher macht es Sinn, schon vorher seine Füße genau zu messen. Es gibt auch ein Größenempfin­den, das man im Schuh testen kann. „Wenn man neutral im Schuh steht und die Ferse fest auf den Boden stellt, dann die Schnallen ­locker schließt und den Schuh kurz ­bewegt, damit der Fuß seine optimale Position gefunden hat, sollte man beim aufrechten Stehen eine ganz leichte Berührung der Zehen an der Schuhspitze feststellen“, erklärt Phil, der als Bootfitter mehreren Hundert Skifahrern pro Jahr die perfekten Schuhe baut. „Wenn man dann aktiv wird und anfängt, sich zu bewegen, wird es bei einem gestreckten Bein einen deutlichen Kontakt vorne im Skischuh geben. Führt man dagegen die Kniescheibe nach vorne und nimmt eine Fahrposition ein, löst sich der Kontakt zur Schuhspitze. Dann sollten die Zehen bewegungsfrei sein. Wenn man dann mit den Zehen­spitzen erahnen kann, wo der Skischuh aufhört, hat man die ­passende Länge im Schuh gefunden. Hat man ­dagegen das Gefühl zu schwimmen, hin und her zu rutschen, oder dass der Fußrücken am Ristbereich gegen die Schuhdecke drückt, dann passt er nicht.“

Sparen hat seinen Preis

Wenn man pro Jahr nur ein Woche Skifahren geht, schauen viele naturgemäß auch auf den Preis. Gespart wird gern bei den Schuhen. Ob das nun die richtige Idee ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. „Günstige Schuhe unter 300 Euro haben normalerweise die gleiche Bauweise wie die hochwertigeren Stiefel“, erklärt Phil. „Allerdings muss man bedenken, dass irgendwo gespart werden muss, um den niedrigeren Preis halten zu können. So wird etwa für die Schnallen schlechteres Material verwendet. Dadurch vereisen sie leichter und brechen eher. Wichtig ist auch der Innenschuh: Bei hochwertigeren Schuhen ist das Material reaktiv. Das heißt, dass der Innenschuh schneller in seine alte Form zurückgeht, wenn er belastet wird. Einfachere Innenschuhe geben nur nach und kehren nicht mehr so schnell in ihre alte Form zurück. Daher können sie den Fuß nicht mehr gut unterstützen und der Fuß beginnt in so einem preisgünstigen Innenschuh ­schneller zu schwimmen.“

Kein richtig oder falsch!

Es gibt Stiefel mit zwei, drei oder vier Schnallen, mit und ohne Gehfunktion, Freeride-, Komfort- oder Rennmodelle, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. „Richtig oder falsch gibt es hier nicht“, sagt Schuhexperte Phil Niejodek. „Es gibt nur passend oder ­unpassend. Ein Genussfahrer, der seinen sechstägigen Skiurlaub auf relativ einfachen Gletscherpisten verbringt, braucht natürlich einen anderen Schuh als ein Speedcarver oder ein Freerider. Für den ­Genussfahrer reicht ein bequemer Zweischnallenschuh mit Gehfunktion mitunter vollkommen aus, ­während ein sportlich ­ambitionierter Fahrer, der viel und vor allem schnell auf eisigen Pisten unterwegs ist, einen harten Schuh mit vier Schnallen und hohem Flex benötigt. Je genauer man dem Fachverkäufer das Einsatzgebiet beschreibt, desto eher findet er den passenden Schuh.“

Ein nicht gut sitzender Skischuh kann einem schnell einen perfekten Skitag vermiesen. Deshalb sollte man sich beim Stiefelkauf Zeit nehmen und vielleicht auch ein paar Euro mehr investieren, um mit dem optimalen Schuh den Skispaß voll genießen zu können. Es gibt ihn heute wirklich!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 04 / 2016