Funktionssocken im Test: Hightech am Fuß

Warme, trockene Füße, einen scheuerfreien Sitz, sogar geringere Ermüdung und bessere Erholung der Füße versprechen die modernen Funktionssocken. Doch was können sie wirklich? Wir haben es auf der Piste getestet

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© CEP/Walch Haines, Falke, Hersteller

Text: Hubert Fehr

Für viele Skifans sind sie ein abso­luter Graus, besonders Frauen und Kinder leiden oft unter ihnen: Eisfüße. Nicht selten vermiesen sie – ebenso wie die gefürchteten kalten Finger – den Pistenspaß. Anstatt den Schnee, das Panorama oder die Bergluft zu genießen, ist man im Lift nur mit den schmerzenden Zehen beschäftigt. Keine schöne Situation, leider aber ein häufiges Problem und in der Folge eine beliebte Begründung für den frühen Einkehrschwung. Dabei müssen heutzutage kalte Füße den Skispaß eigentlich gar nicht mehr trüben, denn die Wäscheindustrie bietet in-zwischen eine breite Palette hoch-technischer Strümpfe an, die das Auskühlen der Füße effektiv verhindern sollen. Doch was können sie wirklich? Welche Skisocke ist die richtige? Und welcher Strumpf ist für welchen Zweck geeignet? Zur Beantwortung dieser Fragen haben wir 15 Modelle getestet.

Die acht Hersteller stellten je zwei unterschiedliche Socken zur Verfügung, ein komfortables und stärker gepolstertes sowie ein dünneres, für direkteren Schuhkontakt konzipiertes Modell. Wichtigste Kriterien beim Test waren Passform, Polsterung und Schutz der sensiblen Fußpartien, Wärmeregulation, Trockenheit, Halt am Fuß und Kraftübertragung auf den Skischuh.

Hightech-Kunstwerke

Moderne Skisocken sind wahre Kunstwerke der Stricktechnologie. Für die komplexen Anforderungen beim Skifahren sind sie mit integrierten Lüftungskanälen, Polster­zonen, Protektoren für Zehen, Knöchel und Fußrist sowie mit ­unterstützenden Bandagen, feuchtigkeitsleitenden und feuchtigkeitsspeichern­den Zonen ausgerüstet, ­für die jeweils spezialisierte Fasern eingesetzt werden.

Skisocken müssen die Funktion der Schuhe exakt unterstützen. Die Kraftübertragung funktioniert über eng anliegende Innenschuhe, bei sportlichen Modellen liegen sie sogar knalleng am Fuß an. Bei zu viel Spiel durch dick gepolsterte Strümpfe geht die Kraftübertragung und damit die Skikontrolle verloren. Zudem übernehmen die Socken den Feuchtigkeitstransport nach außen; nur wenn der funktioniert, kann im Schuh ein Wohlfühlklima herrschen.

Ausgeklügelter Materialmix

Mittels unterschiedlicher Materialzonen wird das Feuchtigkeits-­Management gewährleistet: Die Feuchtigkeit wird direkt auf der Haut aufgenommen (Polypropylen und Coolmax sind dafür häufig eingesetzte Fasern), über „Air Channels“, eingearbeitete Luftkanäle, wird sie durch Pumpeffekte bei der Bewegung des Fußgewölbes in Pufferzonen oder ­direkt aus dem Schuh transportiert. Für die Pufferzonen im Wadenteil der Socken verwenden die ­Hersteller meist Wolle, die besonders viel ­Feuchtigkeit aufnimmt, ohne sich feucht anzufühlen. Die Wärme­isolation auf der Außen­seite besorgen Naturfasern wie feine Merinowolle oder Seide. Dickere, gut gegen Kälte isolierende Socken, die ein gute Polsterung bieten und mehr Komfort versprechen, haben leider den ­Nebeneffekt, dass der Fuß zu schwitzen beginnt. Die Kunst der Sockenentwickler besteht darin, die Balance zwischen Wärmespeicherung, Wärme- und Feuchtigkeitsableitung zu finden.

„Nur durch das Zusammenspiel von Feuchtigkeitstransport und Wärme­erhaltung kann das Mikroklima im Skischuh erhalten werden“, sagt Michael Meier, Produktmanager beim Sportstrumpfhersteller Falke. Den Fuß trocken zu halten ist auch deshalb nötig, weil Feuchtigkeit die Haut aufweicht und sie so erst für Aufscheuern und Blasenbildung empfindlich macht. Ein angenehmer Neben­effekt der häufig eingesetzten Wolle: Ganz glatte Wollgarne, auf denen sich keine Bakterien ansiedeln können, sorgen dafür, dass nach dem Ausziehen der Skischuhe die Geruchsbelästigung nicht unerträglich wird. So ausge­rüstet dürfen die Skisocken sogar mit ins Zimmer kommen.

Komfort und Schutz

Gute Skisocken mit exakt platzierter Polsterung an den „Beanspruchungs-Hotspots“ Zehen, Knöchel, Ferse und Schienbein dämpfen bei Schlägen und Erschütterungen, die nicht vom Skischuh aufgefangen werden, indem sie am empfindlichen Schienbein und um den druckempfindlichen Knöchel mithilfe von härteren Fasern den punktuellen Druck auf eine größere Fläche verteilen.

Der perfekte Sitz im Innenschuh gelingt aber nur, wenn die Skisocke exakt um den Fuß anliegt und keine Falten wirft. Falke als Pionier auf dem Gebiet der Skisocken und auch andere Hersteller haben in diesem Bereich sehr gute Arbeit geleistet, indem sie jeweils auf den rechten und linken Fuß abgestimmte Sockenformen stricken und auch das unter­schiedliche, bei Frauen um rund 30 Prozent geringere Fußvolumen berücksichtigen.

Spezialeffekt Kompression

Modelle mit einer Kompressionswirkung um den Fuß und im Sockenschaft, die die Blutzirkulation unterstützen sollen, sind bei verschiedenen Herstellern im Programm. Ähnlich wie bei orthopädischen Stützstrümpfen verspricht diese die natürliche Muskelpumpe der Waden unterstützende Sockenkonstruktion eine bessere Regeneration der Beine nach einem harten Skitag. Dazu soll die komprimierende Wirkung auch den Rückmeldeorganen in den Muskeln – den Propriorezeptoren – zu größerer Genauigkeit verhelfen. Der kontrollierte Druck soll vor allem diejenigen unterstützen, die schnell unter müden Beinen leiden. Eine Leistungssteigerung ist bis dato wissenschaftlich aber noch nicht nachgewiesen. Wichtig: Da diese Modelle extrem eng sitzen, ist das Anziehen der Kompressionssocken oft ein kleiner Kraftakt. Doch letztendlich zählt bei Socken wie bei Handschuhen vor allem eines: Sie sollen gut sitzen und dem Skifahrer ein gutes Gefühl beim Pistenspaß geben.

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© CEP/Walch Haines, Falke, Hersteller

Kauftipps und mehr

Nur eine perfekt angepasste Skisocke leistet die Kraftübertragung vom Fuß auf den Skischuh und bietet Komfort und Kälteschutz. Lassen Sie sich bei der Auswahl auch im Fachhandel beraten. Kaufen Sie erst einmal nur ein Sockenpaar und testen Sie es im eigenen Skischuh.

Skisocken anprobieren: Am wichtigsten ist die Passform. Socken sollten sich anschmie­gen, sie dürfen aber nicht ein­engen, sonst schnüren sie die Blut­zirkulation ab. Die Folge wären kalte Füße. Zu große Socken werfen Falten und sind Ursache für Druckstellen.

Gender-Orientierung: Damensocken sind, der weiblichen Fußanatomie angepasst, ­schmaler geschnitten und mit deutlich weniger Volumen ausgestattet.

Passform: Die Mehrzahl der Socken ist für die rechte und linke Fußform geschnitten, die Zehenbox an den Zehenwinkel angepasst, wodurch Scheuern und Blasenbildung vermieden werden. Die Socke sollte oben über den Schuhrand hinausreichen, um an Schienbein und Wade keine Faltenbildung und Druckstellen zu provozieren. Der Fuß sollte fest im Schuh fixiert sein, nur die empfindlichen Zehen dürfen nicht mit den Zehenspitzen am Innenschuh anstoßen und brauchen bis zu einem Zentimeter Platz. Zu große Skischuhe können nur sehr bedingt durch dickere Socken angepasst werden.

Kälteschutz und Polsterung: Wer schnell über kalte Füße klagt, sollte dickere und stärker gepolsterte Socken wählen. Auch wer leicht unter Druckstellen leidet (Schienbeine, Knöchel und Zehen sind besonders gefährdete Stellen) sollte auf spezielle Polster und Protektoren für diese Stellen achten, außerdem auf einen vollkommen falten­freien, glatten Sitz der Socke.

Sportsocke: Mit dünneren Socken erreicht man einen direkteren Kontakt zwischen Fuß und Innenschuh und damit eine unverzö­gerte Kraftübertragung, wichtig für schnellste Steuerreaktionen auf dem Ski. Dünnere Socken sind die richtige Wahl für geschäumte Innenschuhe.

Kontaktzone: Nicht jeder verträgt jede der verstrickten Fasern auf seiner Haut. Besonders auf Wolle reagieren empfindliche Personen. Es gibt Socken vollständig aus Naturfasern und auch solche, die nur Kunstfasern enthalten.

Airfresh: Wolle verfügt über einen natürlichen Geruchsschutz. Wichtig für alle, die ­unter geruchsintensiven Schweißfüßen leiden! Der Schutz funktioniert aber nur, wenn die Bakterienkulturen, die den Geruch verursachen, nicht den Innenschuh durchdringend besiedelt haben. Dann hilft nur gründliche Desinfektion mit einem antibakteriellen Mittel wie z. B. Sagrotan.

Schuhheizung: Um gar nicht erst kalte Füße zu bekommen, Skischuhe im warmen Zustand anziehen. Beim Autotransport mittels elektronischer Schuhheizung aufwärmen. Man kommt dann auch in harte Sportstiefel viel leichter rein.

Den kompletten Artikel inklusive aller Daten und Bewertungen erhalten Sie in Heft 3/2016 von Skimagazin. Hier können Sie das Heft nachbestellen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 03 / 2016

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