Gemeinsam stark

Das Zusammenspiel der ersten und zweiten Bekleidungslage spielt für das Wohlfühlen auf der Piste eine entscheidende Rolle. Wir haben getestet, wie gut die einzelnen Anbieter dieses Klima-Management hinbekommen

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Text Hubert Fehr Bild Odlo, Hersteller

Schwitzen, abkühlen, frieren – dieses Wechselspiel von Temperatur und Feuchtigkeit auf der Haut gilt es zu unterbrechen. Bringt einen der lange Run ins Schwitzen, dann folgt unweigerlich die Abkühlung auf der anschließenden Liftfahrt. Ist die Kleidungsschicht direkt auf der Haut nicht in der Lage den Schweiß aufzunehmen und von der Haut weg zu transportieren, dann ist das Zähneklappern selbst bei gar nicht so niedrigen Temperaturen fast garantiert. Im Idealfall sorgen allerdings die Unterwäsche und die nächste Schicht darüber nicht nur dafür, gut zu isolieren, sondern auch Feuchtigkeit und überschüssige Wärme vom Körper weg zu befördern.

Schwitzen hat eine wichtige physiologische Bedeutung: Über die Hälfte der eingesetzten Energie wird gar nicht für die Muskelarbeit verbraucht, sondern als „Abwärme“ abgegeben, wodurch der Körper gekühlt wird. Beim Tourenaufstieg oder Langlaufen ist dieser Wärmeanfall deutlich höher als beim alpinen Skilauf, aber auch bei diesem wird Temperaturausgleich benötigt. Die Ansprüche sind also höchst unterschiedlich. Dazu kommt, dass Menschen unterschiedlich stark schwitzen, Frieren eine sehr subjektive Angelegenheit ist und Frauen wesentlich kälteempfindlicher als Männer sind. Die Anforderungen an die Kleidung sind also sehr vielfältig. Als erfolgreichste Strategie beim Klimamanagement gilt aber in jedem Fall das Schichtenprinzip. Direkt auf die Haut gehört spezialisierte Funktionsunterwäsche aus Fasern, die selber keine Feuchtigkeit speichern, sondern diese schnell an die zweite Schicht weiterleiten. Der Feuchtigkeitstransport funktioniert dann besonders gut, wenn die Unterwäsche hautnah sitzt und diese mit besonders stark feuchtigkeitsaufnehmenden Materialien an den Körperpartien ausgestattet ist, an denen man stark schwitzt. Umgekehrt werden bei diesem Konzept, das sich „Body-Mapping“ nennt, wärmebedürftige Regionen mit zusätzlicher Isolierung geschützt.

Wolle, meist die sehr feine Merinowolle, wird sowohl für die erste wie auch die zweite Schicht eingesetzt. Merinowolle erfährt eine regelrechte Renaissance, die Vorteile sind auch bestechend, denn die feinen Wollfasern isolieren besonders gut gegen Kälte und bleiben auch nach mehrmaligem Tragen geruchsneutral. Außerdem können sie bis zu 30 Prozent des Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen. Sie wärmt dann immer noch gut. Allerdings trocknet Wolle im Vergleich zu den Kunstfaserprodukten deutlich langsamer. Um Vorteile beider Fasertypen auszunutzen, kombinieren Hersteller sie.

Einsatzzweck definieren

Für die Auswahl der ersten und zweiten Schicht unter der Skijacke kommt es einerseits darauf an, welche skifahrerischen Aktivitäten man ausüben will, außerdem auf die Außentemperaturen. Die Hersteller stimmen die Unterwäsche und die zweite Schicht zumeist perfekt aufeinander ab, jedoch kann man die Teile unterschiedlicher Hersteller auch problemlos kombinieren, solange man im vergleichbaren Anwendungsbereich bleibt. Die Unterwäsche und die zweite Schicht arbeiten eng, aber auch arbeitsteilig zusammen, um die Feuchtigkeit und überschüssige Wärme von der Haut weg zu transportieren. Die Hauptaufgabe der zweiten Schicht ist vor allem, den Körper bei Kälte und Inaktivität warm zu halten. Dabei werden die Anforderungen an die zweite Schicht immer differenzierter – nicht zuletzt dadurch, dass der Trend bei den Skijacken zu den wenig gefütterten Hard- und Softshells geht. Für diesen Zweck und an kalten Tagen braucht es wärmende, dann aber auch stärker auftragende Skishirts mit großer Isolationsfähigkeit. „Hochwertig verarbeitet und für Damen und Herren speziell zugeschnitten, passen sie wie angegossen und verrutschen auch nicht beim An- und Ausziehen. Auch bei der zweiten Schicht funktioniert die Atmungsaktivität, der Wasserdampf entweicht – allerdings nur, wenn alle Schichten aus Funktionstextilien bestehen“, so Ilka von Goerne vom Sportschneider Schöffel.

Pfiffige Detaillösungen

Bei beiden Schichten sind auftragende Nähte weitgehend verschwunden, Flachnähte sind Stand der Verarbeitungstechnik, ein Scheuern wird so vermieden. Die rundgestrickten Seamless-Modelle verzichten ganz auf Nähte im Rumpfbereich. Einige Modelle verfügen über einen Daumendurchgriff am Bündchen, ein nützliches Detail für Tourengeher und Freerider. Ärmelbündchen aus glatten, elastischen Geweben schaffen perfekte, isolierende Abschüsse. Abgedeckte, „gebondete“ Reißverschlüsse verhindern das unangenehme Zwicken und Scheuern am Kinn und Hals bei hochgeschlossenem Kragen.

Die vielfach verwendeten, sehr leichten Polyestergewebe galten als arge Stinker, die schweißabbauenden Bakterien verursachen den strengen Geruch. Diesen geht man oft mit einer Silberionisierung der Fasern zu Leibe. Verhindert wird der Geruch dauerhaft nicht, aber doch sehr stark gebremst. Dies betrifft weniger die Pistenskifahrer – sie können täglich die Wäsche wechseln – sondern die Tourengeher, die mit der Ausrüstung geizen müssen.

Für unseren Pro-Test haben erfahrene Skilehrer die Produkte im letzten Winter ausgiebig getestet. Wichtigste Kriterien waren das Zusammenspiel der beiden Schichten, dann die Passform, Bewegungsfreiheit, funktionelle Schnittgestaltung, Wärmeregulation, Trockenheit, außerdem die Geruchsbildung. Insgesamt begeisterte die Qualität der Produkte unsere Tester, hier wurde ein hoher Standard erreicht. Die Unterschiede liegen in der oft sehr unterschiedlichen Auslegung und der Materialverwendung der Hemden und Pullis. Und diese Unterschiede haben die Tester für Sie auch herausgestellt.

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