Softshell-Jacken im Test: Die Alleskönner

Softshell-Jacken vereinen vielfältige Vorzüge: Sie sind funktional und ­praktisch zugleich – und damit eine Option für zahlreiche Aktivitäten im Winter. SkiMAGAZIN hat sechs Modelle getestet und festgestellt: Auch ­Skifahrer sind mit den ­vielseitigen „Weichlingen“ bestens bedient – ob bei ­klirrender Kälte oder in einem eher milden Frühjahrs­klima

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© Schöffel

Text: Florian Tausch

Ob gemächlicher oder sportlich ambitionierter Skifahrer: Wer auf die Piste geht, der braucht Kleidung, die ganz unterschiedlichen Ansprüchen genügen muss. Sie soll einerseits ausreichend wärmen – sei es auf der Abfahrt selbst oder bei den vielen Phasen am und im Lift. Anderer-seits soll sie dafür sorgen, dass der Träger bei größerer Anstrengung nicht gleich extrem ins Schwitzen gerät. Dazu will der Träger noch vor Nässe an einem schnee- oder regenreichen Tag geschützt sein und sich nicht in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt fühlen. Liest sich wie das Profil der Eier legenden Wollmilchsau. In puncto Outdoor-Jacke gibt es die tatsächlich: Softshell-Jacke ist ihr Name. Sie ist ein wahrer Alleskönner: leicht, atmungsaktiv, robust, bietet viel Bewegungsfreiheit und bei den meisten Bedingungen ausreichend Wetterschutz. Auch preislich sind die Softshells attraktiv. Klar, bei starken Regengüssen bleiben die expeditionserprobten „Hartschalen“ erste Wahl, aber die sind auch schwerer, weniger stretchig, weniger atmungsaktiv – und teurer. Da Softshell-Jacken bei den üblichen Bedingungen im Schnee Wind und Nässe ausreichend trotzen, erfreuen sie sich auch bei Skifahrern steigender Beliebtheit.

Mit oder ohne Membran

Alle getesteten Jacken weisen den Wind effektiv ab, ein kuschelig weiches Fleece im Inneren sorgt bei vielen für wohlige Wärme. Einige verfügen über integrierte Membrane wie Gore Windstopper oder vergleichbare Produkte. Solche Laminate sind meist dreilagig, wobei die äußere Schicht sehr strapazierfähig und wasserabweisend imprägniert ist. Sie transportieren zudem die Feuchtigkeit – so gelangt bei schweißtreibenden Tätigkeiten die Hitze aus dem Inneren der Jacke. In der Mitte ist eine Wasserdampf-durchlässige Membran verbaut, die Wind und ­Wasser abweist (aber nicht wasserdicht ist!) sowie Schweiß und Hitze nach außen ableitet. Die ­Softshells ohne Membran bieten durch ­besondere Webarten und Imprägnierungen ebenfalls guten Wetterschutz, sind aber meist noch atmungsaktiver und für besonders aktive Sportler ­geeignet.

Ihre bemerkenswerte Flexibilität ­erreichen die Softshell-Jacken durch eine spezielle Webart, die ­Verwendung von Elastan und immer häufiger auch durch eine hybride Bau­weise: Nach dem Prinzip des Body-Mappings werden bei einigen Anbietern unterschiedlich funktionale Stoffe an unterschiedlichen Körperpartien eingesetzt: Die Front und die Ärmeloberseite ist beispielsweise mit einer Membran ausgestattet, die Wind und Wasser bestmöglich abhält. An den Seiten und unter den Armen findet sich hingegen ultra-elastisches Gewebe, das kaum Wetterschutz (der an diesen Stellen auch nicht gefragt ist), aber mehr Bewegungsfreiheit und Atmungs­aktivität bietet.

Technische Details

Außerdem punkten die Jacken durch viele weitere technische Details: Verschweißte Nähte erzeugen eine vollkommen ebene Oberfläche und verhindern das Eindringen von Nässe. Die Reißverschlüsse sind so gestaltet, dass auch sie keinen Angriffspunkt für Nässe und Wind bieten; bei den Taschen setzen die meisten Hersteller auf „Napoleontaschen“ an der Brust – das ist besonders für Rucksackträger, zum Beispiel Freerider, interessant. Denn diese Positionierung ermöglicht einen ungehinderten Zugriff, ohne dass der Rucksack abgenommen oder der ­Hüftgurt geöffnet werden muss. Auf Unterarm-Reißverschlüsse ist hingegen bei vielen Modellen verzichtet worden, um Produktionskosten und vor allem ein paar Gramm Gewicht zu sparen. Laut den Herstellern sind die verwendeten Materialien ohnehin derart atmungsaktiv, dass die zusätz­liche Belüftung überflüssig ist.

Einsatzzweck entscheidend

Als Käufer sollte man sich vorab überlegen, wie, wann und wo die Jacke zum Einsatz kommen soll. Dann kann man entscheiden, ob Details wie Belüftungsreißverschlüsse oder ein dickeres Futter notwendig sind und ob die Jacke beispiels­weise eine Kapuze braucht und diese über – oder unter – einen Helm passen muss. Außerdem zu beachten: Wie hoch schließt der Kragen? Wie viele Taschen gibt es, und wo sind sie positioniert (Stichwort: Rucksack/Hüftgurt)? Wie sind die Abschlüsse der Ärmel gestaltet, und lässt sich der Saum per Schnürzug verstellen? Was hier besser ist, darüber lässt sich kaum eine ­allgemeingültige Aussage treffen. Wie gesagt, es kommt auf den Einsatzzweck an. Zudem bieten die Hersteller viele verschiedene ­Konzepte an, für alle ­Bedürfnisse gibt es spezifische Lösungen.

Auch beim Schnitt sollte man sich über ­Verwendung und persönliche ­Vorlieben im Klaren sein. Einige Jacken – etwa die Bergans „Visbretind“ – schmiegen sich sehr eng an den Körper, eine dicke Wärmeschicht passt kaum mehr darunter. Aber das ist auch nicht das Konzept dieses Modells. Vielmehr soll es selbst als wärmende Mittelschicht dienen, die dank ihrer engen Passform bequem unter einer Hardshell getragen werden kann, wenn die Bedingungen es erfordern. Andere Kandidaten sind hingegen eher darauf ausgelegt, immer als Außenlage zu dienen – sie lassen im Inneren noch genug Raum, um auch voluminösere wärmende Schichten anzuziehen.

Fazit: Es gibt viele unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema „Softshell“. Um Ihnen einen genaueren Überblick zu geben, haben wir im Rahmen unseres Skitests in Sulden auch sechs Jacken ­verschiedener Hersteller unter die Lupe genommen.

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2016

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