Der SkiMAGAZIN-Supertest: Alle aktuellen Ski im Praxis-Test

"Alles neu!“ war das Motto der inzwischen schon 22. Ausgabe unseres Ski-Supertests. Das komplette Testkonstrukt wurde im Vorfeld rundum erneuert, die Anzahl der testenden Experten massiv reduziert. Die Auserwählten diskutierten dann in unzähligen Gesprächen, um die alles ­entscheidende Frage zu beantworten: Welcher Ski passt am ­besten zu wem?

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© K2/Mirja Geh, Werner Krause

Text: Florian Tausch

Der Mensch – und damit auch der Skifahrer – ist ein Gewohnheitstier. Doch manchmal muss man einfach mit lieb gewordenen Traditionen brechen. Zu diesem Schluss kamen wir nach zig Diskussionen – intern und mit Branchenkennern – im Herbst 2014: 21 Jahre lang hatten wir beim großen SkiMAGAZIN-Supertest, immerhin eine der wichtigsten Testveranstaltungen der Skibranche, einen eher quantitativen Ansatz verfolgt. Regelmäßig waren an die 100 Tester am Berg unterwegs, die fleißig Punkte in verschiedenen Variablen verteilten. Die Ergebnisse wurden gemittelt und je nach Kategorie unterschiedlich gewichtet – und am Ende erfuhren Sie als Leser beispielsweise, dass Ski A beim Kantengriff 12,5 Punkte erreichte und Ski B nur 12,3 Punkte. Also musste Ski A doch das bessere Modell sein, oder?

So ganz überzeugte uns diese Denkweise seit Längerem nicht mehr. Denn eines wurde von Test zu Test immer deutlicher: Schlechte Ski gibt’s heute nicht mehr. Die Qualitäten, die uns die Hersteller unter die Füße schnallen, sind bei allen gleichermaßen hervorragend. Aber es gibt durchaus gravierend unterschiedliche Charakteristiken und selbst innerhalb einer Kategorie ganz andersartige konzeptionelle Herangehensweisen. Um beim Beispiel zu bleiben: Geringfügig niedrigere Punktzahlen beim Kantengriff stehen noch lange nicht für schlechtere Qualität – vielleicht ist Ski B einfach spielerischer, fehlerverzeihender und weniger kraftraubend. Eigenschaften, die den meisten ambitionierten Hobbyfahrern entgegenkommen dürften, auch wenn die Punktzahl erst einmal niedriger ist.

Dementsprechend verzichten wir bereits seit zwei Jahren auf ein Ranking nach Endnote und stellen die Stärken einzelner Modelle in den ­Vordergrund. Diesen Weg haben wir 2015 noch konsequenter verfolgt und unser Konzept grund­legend überarbeitet – immer geleitet von einem Gedanken: Wie können wir jedem einzelnen Skifahrer helfen, das perfekte Modell für sich zu finden?

Der Experten-Talk

Um hier bestmögliche Aussagen tätigen zu können, haben wir in diesem Jahr einiges auf den Kopf gestellt: Statt mit der statistischen Wucht einer 100er-Gruppe kamen wir diesmal den Feinheiten der Ski durch einen kleineren, dafür umso kompetenteren Expertenkreis auf die Spur: Insgesamt 30 von Verlag und Testleitung handverlesene Teilnehmer nahmen die neuen Modelle unter die Lupe. Dabei handelte es sich durchweg um echte Profis, die sich das ganze Jahr intensiv mit dem Skisport und seinen Produkten beschäftigen. Der Großteil von ihnen führt spezialisierte Sportfachgeschäfte, andere sind im Skilehrerwesen tätig oder bei den großen Handelsverbänden für den Einkauf zuständig. Alle verfügen nicht nur über exzellentes skifahrerisches Können, sondern auch von Berufs wegen über die Fähigkeit, in die Bretter „hineinzuhören“ und kleinste Nuancen zu unterscheiden.

Diesen Unterschieden spüren wir – anders als in der Vergangenheit – nicht nur durch die Analyse von Zahlen in einer Excel-Tabelle nach. Sicher, auch in diesem Jahr vergaben die Teilnehmer bei jedem Ski Punkte für verschiedene Variablen – auf diesen statistischen Fundus konnten wir bei der internen Bewertung jederzeit zurückgreifen. Viel entscheidender für das, was Sie auf den kommenden Seiten lesen können, ist jedoch etwas anderes: Nachdem eine zumeist sechs Mann starke Testergruppe alle Modelle einer Kategorie durchgefahren war, setzte sie sich unter Leitung eines SkiMAGAZIN-Redakteurs zum „Experten-Talk“ zusammen. In diesem Kreis wurden alle gerade getesteten Modelle sehr engagiert diskutiert, analysiert und miteinander verglichen. Wo liegen die Stärken? Wo muss man Abstriche hinnehmen? Für welchen Fahrertyp eignet sich dieser Ski? An welche Zielgruppe richtet er sich? All diese Aspekte wurden schriftlich und auf Band protokolliert. Ebenso waren die Teilnehmer angewiesen, auf den Testkarten nicht nur Punkte zu vergeben, sondern wirklich aus­sage-kräftige, ausführliche Kommen­tare zu notieren.

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© K2/Mirja Geh, Werner Krause

VIP-Siegel für mehr Übersicht

Diskussionsrunde und schriftliche Aussagen bildeten schließlich – unterstützt von der im Hintergrund laufenden statistischen Bewertung – die Säulen, auf denen die diesjährigen Testergebnisse beruhen. Auf die Auflistung von Punktbeurteilungen verzichten wir aus den oben genannten Gründen vollständig. Dementsprechend vergeben wir auch keine Siegel für die (vermeintlichen) drei Top-Ski mehr – diese Auszeichnungen orientierten sich ja immer an den erreichten Punktwerten. Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern und Produkte mit hervorstechenden Merkmalen zu prämieren, gibt es aber weiterhin unsere bekannten ­SkiMAGAZIN-VIP-Siegel („Very Important Product“), die sofort verdeutlichen, in welcher Hinsicht das jeweilige Modell aus der Kategorie hervorsticht – zum Beispiel „VIP Einsteigerski“, „VIP Vielseitigkeit“, „VIP Sportlichkeit“ oder „VIP Preis/Leistung“. Viele Veränderungen auf einmal – trotzdem sind wir der Überzeugung, dass wir Ihnen mit unseren eingehenden Textanalysen eine ­bessere Entscheidungshilfe an die Hand geben als je zuvor.

Strenge Auswahl

Neue Wege haben wir auch bei der Modellauswahl und den Kategorien beschritten. Dabei lautete das Motto ebenfalls „Qualität statt Quantität“: Früher waren wir bemüht, die größtmögliche Menge an Ski unter die Füße zu bekommen. So wurden auch Modelle getestet, die sich im Vergleich zum Vorjahr technisch nicht weiterentwickelt haben und maximal im neuen Design daherkamen. In diesem Jahr veranstalteten wir hingegen einen echten Neuheiten-Test: Manche Ski entstammen bereits bekannten Modellreihen, die jedoch grundlegend oder in technischen Details entscheidend überarbeitet wurden. Andere sind ganz frische, von Grund auf neu entwickelte Produktlinien. Fest steht: Alle Ski, die wir Ihnen im Laufe der Saison vorgestellt haben, gab es in der Form in der Vorsaison noch nicht, und sie wurden nicht von der Ski-Industrie in den Test „gegeben“, sondern von unserer Redaktion und Testleitung ausgewählt. Dass unsere Tester trotz dieser Selbstbeschränkung noch in die Bindungen von 81 verschiedenen Modellen steigen konnten (statt circa 140 im Vorjahr), zeigt, welch enormen Innovationsdrang die Hersteller an den Tag legen, um ihre Produkte immer weiter zu verbessern.

Die Kategorien

Getestet haben wir in 11 Kategorien, darunter „Klassiker“ wie „Slalom“ und „Riesenslalom“ (jetzt, zu besseren Unterscheidung von den „Sport Performance“-Kategorien „Race Slalom“ und „Race Riesenslalom“ genannt), „Allmountain Performance“ und „Allmountain Free“. Eine Neuerung gab es bei den „Sport Performance“-Brettern. Bei diesen sehr sportlichen und doch vielseitigen, fehlerverzeihenden Modellen berücksichtigen wir nun auch die verschiedenen Vorlieben der Skifahrer hinsichtlich des Radius und unterscheiden darum zwischen „Sport Performance Slalom“ (mit Radius von 10 bis 15 Metern) und „Sport Performance Riesenslalom“ (15 bis 18 Meter). Auch bei den genuss­orientierten Allroundern gibt es nun zwei Kategorien, denn es war uns wichtig, nicht nur die absoluten Top-Modelle der Hersteller unter die Lupe zu nehmen, sondern auch preisgünstigere Alternativen, die sich hinsichtlich der Performance oft kaum hinter ihren teureren Brüdern verstecken müssen. Darum haben wir die Kategorie „­Allround“ gedeckelt: Hier finden Sie nur Ski, deren offizieller Listenpreis nicht über 399 Euro liegt. Die Kate­gorie „Allround Unlimited“ ist hingegen – nomen est omen – in puncto Preis unbeschränkt. Auch diese Ski richten sich vor allem an Genussfahrer und entspannte Cruiser, doch in ihnen steckt oft erstaunlich viel sportliches Potenzial, das den höheren Preis ­rechtfertigt.

Natürlich wurden von einer reinen Damen-Gruppe auch wieder Lady-Kategorien getestet, und zwar „Allround Lady“, „Sport Performance Lady“ und „Allmountain Lady“.

Gemeinsamer Erfolg

Trotz all unserer neuen Ansätze haben wir natürlich auch auf Bewährtes zurückgegriffen. Wieder waren wir eine Woche zu Gast in Sulden am Ortler, wo wir perfekte Voraussetzungen vorfanden: Dank der exponierten Höhenlage unseres Testcenters (2.820 bis 3.120 m) hatten wir selbst Ende April noch hervor­ragende Schneeverhältnisse und jede Menge Sonnenschein. Die Suldener Bergbahnen und der Tourismusverband unterstützten uns gewohnt tatkräftig, um best­mögliche Voraussetzungen für einen rundum gelungenen Test zu schaffen. Dank der Bemühungen und der tollen Mitarbeit aller Beteiligten können wir Ihnen in diesem Heft sowie in den drei vorigen Ausgaben hervorragende Produkte präsentieren – und eine echte Entscheidungshilfe bieten, welcher Ski am besten zu Ihnen passt. Viel Spaß beim Lesen, der Auswahl und im Schnee!

Die Testergebnisse

Race Slalom

Race Riesenslalom

Allmountain Performance

Allmountain Free

Sport Performance Slalom

Sport Performance Riesenslalom

Allround

Allround Unlimited

Tour Sport

Tour Free

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 01 / 2016

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