Warth-Schröcken gondelt sich in die Zukunft

Zusammenlegungen von Skigebieten liegen im Trend, denn bei der Wahl des Resorts spielen Größe und ­Pistenkilometerzahl oft eine gewichtige Rolle. Warth-Schröcken und Lech-Zürs in Vorarlberg wurden 2013 verbunden. Doch wird die Investition den Erwartungen gerecht? Und was bringt sie den Menschen der Region? Wir haben uns ein Bild gemacht …

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© Monika Neiheisser, Region

Text: Monika Neiheisser

Christian Fritz strahlt unter der großen Skibrille übers ganze ­Gesicht: „Gewaltig, wie viele Pisten wir jetzt haben. Und die Möglichkeiten zum Freeriden erst. Jetzt ist eine Woche gar nichts mehr. Man muss ein ganzes Leben lang hier sein, um das ganze Gebiet kennenzulernen.“ Der 35-Jährige hat das Glück, in Warth zu Hause zu sein und als staatlich geprüfter Skilehrer in der Skischule Warth zu arbeiten, die Otto Fritz, der Cousin seines Opas, vor 90 Jahren gegründet hat und die heute sein Bruder Mathias führt. Otto gehörte zu den Pionieren des Skisports im Walser Bergbauerndorf auf 1.500 Metern, das sich im vergangen Jahrhundert zum beliebten Wintersportort entwickelt hat. Die ersten Ski brachte Pfarrer Müller vor 120 Jahren aus Norwegen nach Warth, um im tief verschneiten Winter seine Besuche in der Nachbargemeinde Lech abhalten zu können. Heute kann diese Route als Skitour gegangen oder bequem in der neuen 10er-Gondel ­Auenfeldjet zurückgelegt werden. 40 Jahre, nachdem die Idee für eine solche Verbindungsbahn ins ­Leben gerufen worden war, wurde auch die letzte Tür geöffnet, alle Unterschriften waren zur Genehmigung auf Papier – und ein Traum wurde wahr. Der Bau einer weltweit einzigartigen Einseil-Gondelbahn konnte beginnen. Die 10er-Gondelbahn Auenfeldjet trifft auf die Station des schon bestehenden 8er-Sessellifts Weibermahdbahn. Von da an führt sie als Kombibahn bis zur Bergstation der Weibermahd­bahn. Ein ausgeklügeltes Weichensystem führt jeweils eine Gondel und zwei Sessel an einem Seil zusammen. Seit 2013 schwebt der Gast in zehn Minu­ten vom beschaulichen Skigebiet Warth-­Schröcken ins zwei Kilometer ent­fernte mondäne Lech-Zürs. Damit sind in beiden Skigebieten die Genuss­barometer gestiegen.

Freeride-Eldorado

Besonders Gäste aus Warth und Schröcken freuen sich über 120 zusätzliche Abfahrtskilometer mit breiten Carving-Pisten, eine Shoppingmall mit Weltmarken und endlose Freeride-Möglichkeiten in Lech, die nicht nur Freerider-Pionierin Lorraine Huber sowie die Local-Pros Alois Bickel und Martin Winkler zu schätzen wissen. Auch Christian kommt ins ­Schwärmen: „Ich kenne das Gebiet schon vom Sommer her und vom Skitourengehen sehr gut. Hänge, die ich früher nur über Skitouren erreicht habe, kann ich jetzt mit Gästen zum Freeriden nehmen. Und in Ecken, die in einem Tag gar nicht erreichbar waren, komme ich jetzt locker-flockig mit den Liften.“ Allen voran zum Auenfelder Horn mit seinen tollen Abfahrten auf der Süd­seite oder dem Klassiker, der Klemm. Im stellenweise felsdurchsetzten Gelände fühlt man sich wie im Himalaya und kommt doch in Schröcken raus.

Galt diese schneesichere Region mit circa elf Metern Neuschnee pro Jahr früher als Geheimtipp unter den Freeridern in der Region Warth-Schröcken, haben nun auch die Powder-Freaks aus Lech-Zürs das Warther Horn und viele bisher unbekannte Abfahrten entdeckt. Das entsprechend gewachsene Freeride-Angebot der Skischulen liest sich indes wie eine Menükarte, aus der jeder nach Gusto und Niveau das Passende aussuchen kann. Ob „Einsteiger-Crash-Kurs“, „Arlberg Freeride Safari“, traditionelle „Pfarrer-Müller-Tour“ oder „Freeride-Kulinarium“. Cracks ziehen ihre Lines in die spektakulärsten Nordhänge oder erleben ihren Flow in unverspurten Hängen des Hochtannberg- und Arlberggebiets. Fortgeschrittene Ladys verbessern ihre Technik mit Lorraine Huber, einer der weltbesten Freeriderinnen. Bei den SAAC Safty Camps, die wichtiges Know-how über das richtige Verhalten im Backcountry vermitteln, sollten jedoch alle dabei sein.

Attraktive Nordhänge

Auch die Pistenkönige von Lech freuen sich über die Vergrößerung des Skigebiets um 60 Abfahrtskilometer. Ein besonderer Genuss sind die griffigen nordseitigen Naturschneehänge im Schneeloch Warth-Schröcken, wenn in Lech die technisch beschneiten ­Südhänge in der Sonne weinen – besonders während des Frühlingsskilaufs. Doch Pistenkilometer sind nicht alles. Nichts geht über einen guten Einkehrschwung, bei dem die Sonne die Nase auf dem Liegestuhl kitzelt, das ­Alpenpanorama einem den Atem raubt und der Kaiserschmarrn weniger kostet als in Lech. Um der gewachsenen Gästezahl gerecht zu werden und den Wintersportlern bestmögliche Qualität zu bieten, investierten Gastronomie- und Hotelbetriebe in Warth-Schröcken in zweistelliger Millionenhöhe. So wurde das SB-Restaurant S1 am Salober-Jet durch das Panorama-Restaurant S1 Lounge in stilvollem Holzambiente mit Sonnenterrasse, Open-Air-Bühne und Außenbar ergänzt. Die erweiterte Küche erfüllt höchste kulinarische Ansprüche mit vorwiegend einheimischen Produkten.

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Einmalig: Die 10er-Gondel ­Auenfeldjet und der 8er-Lift Weibermahdbahn werden im ­oberen Teil über ein Weichen­system vereint.
© Monika Neiheisser, Region

Perspektive für die Zukunft

Die Gäste erfreuen sich am neuen vielfältigen Angebot und dem Komfort, den die Skigebietszusammenlegung mit sich bringt. Für die junge einheimische Generation war der Auenfeldjet jedoch eine Initialzündung. Die deutlich gesteigerte Attraktivität des Skigebiets ist für viele ein Anreiz, in der Region zu bleiben oder gar in die Heimat zurückzukehren. So wie Anita Wiethüchter: Nach zehn Jahren Auslandsaufenthalten in Indonesien, auf den Philippinen, in Kopenhagen und Kiel lebt die Diplom-Biologin wieder in Schröcken. Denn sie ist tief in der Region verwurzelt: Opa Alfons Strolz gehört zu den Pionieren des Fremdenverkehrs in Schröcken; er erschloss das Hochtannberggebiet und den Saloberkopf durch erste Lifte. Vater Klaus trat in seine Fußstapfen und ist Geschäftsführer der Skilifte Schröcken Strolz GmbH, und Mutter Brigitte leitete 35 Jahre lang das S1-Restaurant. Nun hat sich der familiäre Dienstleistungskreis mit der Eröffnung der Skischule Salober-Schröcken, die Anita mit ihrem Partner Harald aus Kärnten führt, geschlossen. Mit innovativen Ideen im Kinderskischulbereich wie Schlauchboot-Transport im Schnee und einem speziellen Jugendprogramm „Young & Wild“, bei dem neben dem Skifahren auch Sicherheit auf und neben der Piste gelehrt wird, startet jetzt die junge Generation durch. Ihren Eltern ist die 33-Jährige dankbar. Einst sagten sie zu ihr: „Schau dir die Welt an, bleib weg, wenn du willst, und komm zurück, wenn du willst.“ Und sie kam zurück, aus Liebe zur Heimat.

Diese Liebe teilt sie mit der ganzen jungen Generation am Ort, denn alle übernehmen die familiengeführten Hotels, und viele investieren in ihre Zukunft. So haben Sabrina Bickel und ihr Partner Christopher viel Mut bewiesen, als sie die Drei-Sterne-Pension Walserstube ihrer Eltern mit einem großflächigen Umbau in ein Vier-Sterne-Hotel mit gemütlicher Kaminlounge und Sky-Spa verwandelten. Ein hartes Stück Arbeit liegt hinter ihnen, doch Stolz und viel Schaffensfreude strahlt aus ihren Gesichtern, wenn sie Gäste durch das Hotel führen.

Eine Warther Erfolgsgeschichte

Die Geschichte der Familie Jäger beginnt 1962, als Oswald und Hedwig ­Jäger noch mit ihren Kühen im Sommer auf die 1.600 Meter hoch gelegene Jägeralpe zogen und erste Wanderer mit Milch und Käse versorgten. So verdienten sie sich ein Zubrot zur Landwirtschaft. Mit dem Bau des Einersessellifts Steffisalp begann 1963 die touristische Aufbruchstimmung im 180-Seelen-Dorf. Aus der Alpe wurde ein Gasthof mit Zimmern und Matratzenlager, und Oswald Jäger unternahm Werbefahrten in den Schwarzwald, um Gäste anzu-locken. Der Gasthof wurde Jahre später in ein Hotel umgebaut und ständig erweitert. 1978 errichtet das Ehepaar das zweite Hotel, den Warther Hof. Heute ist der 80-Jährige der größte Hotelier von Warth und fährt noch immer die Gäste souverän über die kurvige, verschneite Gebirgsstraße nach Dornbirn zum Bahnhof oder trinkt ein Gläschen Wein mit ihnen. Sohn Oscar mit Enkel Oswald führen indes den Hotelbetrieb in der Jägeralpe und Tochter Monika mit Ehemann den Warther Hof.

Auch sie alle haben Geld und Mut zusammengenommen und jüngst kräftig in die Betriebe investiert. Die Jäger­alpe wurde um ein weiteres Gebäude ergänzt und besticht nun mit einem Wellness-Bereich, in dem sechs Saunen, Tepidarium, ein 20 Meter langes Schwimmbecken und viel Platz zum Entspannen einladen. Im Warther Hof erholen sich Gäste in neuen Naturkraftzimmern, die ganz aus natürlichen Materialien gebaut sind. Außerdem können sie sich bei Wellness-Behandlungen verwöhnen lassen, die ein Alleinstellungsmerkmal in der gesamten Region haben. Oswald ruht in sich und strahlt Zufriedenheit aus. Auch wenn er sich wehmütig an die Freiheit erinnert, die er als Senner hatte, weiß er: „Ohne Tourismus wären hier vielleicht noch zwei bis drei Bergbauern. Sonst wäre das ganze Dorf leer.“ Auch Sohn Oscar bestätigt: „Wir haben früher gut gelebt, und wir leben heute gut.“ Inzwischen ist die Landwirtschaft ein Zubrot zum Tourismus geworden, doch sie ist wichtig für die Landschaftspflege und um dem Gast authentische Produkte aus der Region zu bieten.

Gemeinsam stark

Der Innovationsgeist und Mut zu Investitionen haben die beiden Bergdörfer seit Beginn des Tourismus vorangetrieben. Mit der Skigebietsverbindung nach Lech wurde ein neuer Meilenstein in der Entwicklung von Warth und Schröcken gelegt. Das Skigebiet hat an Attraktivität für die Gäste gewonnen und kann sich dadurch am Weltmarkt der Skigebiete besser positionieren. Diese Entwicklung gibt der jungen Generation eine Perspektive für eine beruf­liche Zukunft in ihrer Heimat. Doch auch Liftbetreiber und Hoteliers aus Lech sind von der Zusammenlegung begeistert, da ihr Skigebiet durch die Zunahme an Pistenvielfalt und -kilometern ebenfalls an Attraktivität gewonnen hat. Über all die Jahre haben die Vorarlberger und Arlberger gelernt: Gemeinsam sind wir stärker.

Und die Entwicklung geht weiter. Im Sommer wird mit dem Bau der Verbindungsbahn zwischen Zürs und Stuben und drei weiteren Bahnen begonnen, sodass nächste Saison das Skigebiet von St. Anton über Bergbahnen ohne Bus wie bisher erreichbar ist. Mit 305 Pistenkilometern wird Ski Arlberg im Winter 2016/17 zum größten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs. Und Christian schätzt, dass man dann mindestens drei Wiedergeburten brauche, um das ganze Gebiet in all seinen Facetten zu erkunden.

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Die Freeride-Möglichkeiten haben seit dem Zusammenschluss eine neue Dimension
© Monika Neiheisser, Region

Skigebietsverbindung Warth-Schröcken und Lech-Zürs

Warth-Schröcken und Lech-Zürs ist das größte Skigebiet in Vorarlberg und liegt zwischen 1.200 und 2.400 Metern Höhe. Durch die Verbindung der beiden Gebiete mit dem Auenfeldjet stehen 180 Kilometer Skiabfahrten und 47 Lifte und Bahnen zur Verfügung, die ohne Bus-verbindung gefahren werden können. Mit dem Skiarlberg-Skipass stehen 350 Pistenkilometer zur Verfügung. Skisaison: 04.12.2015–10.04.2016. Um überfüllten Pisten vorzubeugen, ist die Vergabe von Tagesskipässen an stark frequentierten Skitagen limitiert.

Drei verschiedene Skipässe stehen zur Wahl

Skipass Warth-Schröcken:

Gilt ausschließlich im Skigebiet Warth-Schröcken. 14 Lifte und Bahnen sowie 60 Pistenkilometer stehen zur Verfügung. Tagespass für Erwachsene 49 €, Kinder bis 16 Jahre 25 Euro, 2,5 Tage 108 €, Kinder 54 Euro.

3-Täler-Skipass:

Berechtigt zur Nutzung der Bahnen im Skigebiet Warth-Schröcken, Bregenzer­wald, Großes Walsertal und Tiroler Lechtal. 3-Tages-Pass für Erwachsene 128 Euro, Kinder 64 Euro.

Skipass Ski Arlberg:

Gültig für alle 97 Bahnen und Lifte in Lech-Zürs, Warth-Schröcken, St. Anton, St. Christoph, Stuben, Klösterle/Sonnenkopf, Pettneu. Tagespass für Erwachsene: 51 Euro, Kinder 30 Euro, 3-Tages-Pass Erwachsene 143 Euro, Kinder 86 Euro.

Skischulen

Skischule Salober Schröcken: Neueröffnung mit vielseitigem Kinder- und Jugendprogramm. www.skischule-salober.at Skischule Warth mit vielfältigem Freeride- und Wintersport-Programm. www.skischule-warth.com

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Dieser Artikel ist aus der Ausgabe: SkiMAGAZIN Nr. 03 / 2016

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