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Der perfekte Kurzschwung

Natürlich fahren Sie gut Ski. Aber es geht immer noch ein bisschen besser. Und gemeinsam mit dem Deutschen Skilehrerverband wollen wir Ihnen helfen, das nächste Level zu erreichen. In unserer Serie zum Technik-Training gibt Ihnen Norbert Henner – Mitglied im DSLV-Ausbilderteam und Mitautor der DSLV-Lehrpläne – die entscheidenden Tipps. Diesmal: Der Kurzschwung

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Bild Michael Mayer/outdoor-fotoworks.com

Kleine Radien oder Kurzschwünge stellen eine unverzichtbare Situationslösung im Könner- und Expertenbereich dar. Sehr steile Hänge, steile enge Rinnen, hoch frequentierte Pisten sind nur einige Beispiele, in denen das Fahren mit kleinen Radien eine optimale Situationslösung darstellt. Für den Kurzschwung lassen sich vier wesentliche Trainingsschwerpunkte zusammenfassen:

1) Außenskidominanz

Auf die Frage, worauf er sich denn am Start eines Weltcup-Slaloms konzentriere, antwortete der österreichische Weltcupfahrer Manfred Pranger überraschend einfach: „Außen, außen, außen – und die Geländeübergänge nicht verschlafen“. Gemeint war damit die unverzichtbare Außenskidominanz beim Kurzschwung. Und wenn sich ein Rennläufer seiner Güte so sehr auf die Außenskibelastung konzentriert, bedeutet das zweierlei:

• Die stabile Außenskibelastung bei kleinen Radien ist auch für einen Profi keine Selbstverständlichkeit – sie muss hochkonzentriert umgesetzt werden.

• Die Außenskidominanz ist wesentlich für das Gelingen der Bewegungshandlung.

Sensorische Rückmeldung:

• Druck auf der vorderen Innenseite der Fußsohle und vorne innen am Skischuhschaft spüren.

• Fühlen, dass der Ski unmittelbar nach dem Aufsetzen in die Kurve zieht.

> So können Sie trainieren

Übung „Halbmondschneiden“: Beginnend in sehr flachem Gelände die Ski in leichter Pflugstellung ausrichten und diese während der gesamten Übung beibehalten. In Falllinie starten und konsequent und zügig das gesamte Körpergewicht über die Innenkante des bereits aufgekanteten Außenski bewegen, dabei Ski nicht aktiv drehen, sondern nur auf der Kante nach vorne fahren lassen. Sobald der Ski seine Selbststeuerkräfte entwickelt und in die Kurve zieht, die volle Gewichtsbelastung auf den neuen, bereits gekanteten Außenski bewegen. Einfach ausgedrückt springt man bei dieser Übung möglichst rhythmisch von Innenkante zu Innenkante. Gelingt diese Übung, zeichnet sich ein charakteristisches Spurbild ab: halbmondähnliche Furchen auf der Piste.

Sensorische Rückmeldung:

• Druck auf der vorderen Innenseite der Fußsohle und vorne innen am Skischuhschaft spüren.

• Fühlen, dass der Ski unmittelbar nach dem Aufsetzen in die Kurve zieht.

Übung „Kleine Radien auf einem Bein“: Im flachen und mittelsteilen Gelände kleine Radien fahren und dabei den Innenski deutlich über den gesamten Kurvenverlauf von der Unterlage abheben. Beim Kurvenwechsel schnell den neuen Außenski belasten und das neue Innenbein abheben. Diese Übung erfordert eine enorme Gleichgewichtsregulation und gelingt nur, wenn der Oberkörper während der gesamten Trainingsfahrt stabil talwärts ausgerichtet bleibt.

Sensorische Rückmeldung:

• Hoher Druck auf der vorderen Hälfte der Fußsohle und vorne innen am Skischuhschaft spüren.

Übung „Schnelles Umsteigen“: Hier sollen zuerst im griffigen Schnee oder auf flachen bis mittelsteilen Pistenabschnitten und bei kurzen Radien die Absprünge von Außenski zu Außenski möglichst kurz, dynamisch und nach oben erfolgen. Man springt dabei mit dem Außenski über ein imaginäres Seil, das sich in Falllinie befindet. Der jeweilige Innenski wird eher passiv nachgeführt. Der Außenski soll nach dem Absprung auf der gesamten Lauffläche landen – dann ist auch eine mittige Belastung gewährleistet.

Sensorische Rückmeldung:

• Beim Landen Druck auf der Innenseite der Fußsohle und vorne innen am Skischuhschaft spüren.

3) Intensive Vor-Rück-Bewegung

„Den Ski am Schwungende freigeben“, diesen Grundsatz hat man schon oft aus Expertenmund vernommen. Aber wie funktioniert das? Ganz einfach: durch intensives Vor-Rück-Bewegen der Ski im Kurvenverlauf. Beim Kurzschwung muss diese Bewegung allerdings sehr zügig vonstatten gehen.

Die Vor-Rück-Bewegung ähnelt der Bewegung beim Inlineskating, wenn man versucht, auf beiden Inlineskates mit Bodenkontakt durch das Fahren kleiner Kurven zu beschleunigen. Dabei verlagert man das Körpergewicht auf den kurvenäußeren Inlineskate und schiebt diesen zügig nach vorne. Mit Ski lässt sich die Bewegung während der Kurvensteuerung so umfangreich ausführen, dass man den Druck des Skischuhschaftes in der Wade verspürt. Dieser Druck lässt sich sogleich nutzen, um gegen diesen Druckpunkt in der Wade die Fersen schnell nach hinten zu schieben – und schon hat man sich für den bevorstehenden Kurvenwechsel nach vorne bewegt. Die Bewegung nach vorne wird auf diese Weise aus dem Sprunggelenk begonnen und funktioniert sehr schnell und effizient. Also: In der Steuerphase Ski nach vorne schieben und, sobald der Druckpunkt in der Wade gespürt wird, beide Fersen zügig nach hinten schieben.

> So können Sie trainieren

Übung „Inlineskating“: Im flachem Gelände versuchen, durch intensives Vor-Rück-Bewegen der Ski, vor allem des Außenski, zu beschleunigen, d. h. Körpergewicht auf den kurvenäußeren Ski verlagern und diesen zügig nach vorne schieben. Danach Gleiches in immer steilerem, bis ins mittelsteile Gelände versuchen.

Sensorische Rückmeldung:

• Druck wandert vom Vorfußbereich im Kurvenverlauf in Richtung Ferse.

Übung „Ollies“: Beginnend im flachen Gelände Körpergewicht nach hinten verlagern, bis man hohen Druck des Skischuhrandes in der Wade spürt. Diese Bewegung ist so umfangreich auszuführen, dass die Skispitzen leicht abheben. Jetzt die Energie der durchgebogenen Skienden und den hinteren Druckpunkt am Skischuh nutzen und nach vorn oben springen. Dabei beide Fersen nach hinten oben Richtung Gesäß bewegen und auf den vorderen Skienden landen. Auf diese Weise entstehen delphinartige Sprungbewegungen – die sogenannten Ollies.

Sensorische Rückmeldung:

• Vor Absprung Druck auf Fußballen und am Skischuhheck spüren.

• Bei der Landung Druck auf Vorderfuß und vorne innen am Skischuhschaft.

4) Stockeinsatz

Der Stockeinsatz spielt für den stabilen Kurzschwung eine enorm wichtige Rolle. Ein wirklich unterstützender Stockeinsatz funktioniert jedoch nur über ein optimales Anpassen der Bewegungsspielräume. Da dafür meist die Bewegungserfahrung für die Arm-Stock-Koordination nicht ausreichend vorhanden ist, zielen folgende Übungen genau auf diese elementaren Bewegungserfahrungen ab. Die Trainingsbeispiele zur Arm-Stock-Arbeit sind koordinativ anspruchsvoll und benötigen oft einige Trainingskilometer, bis sie wirklich umgesetzt werden können.

> So können Sie trainieren

Übung „Doppelstock“: Beide Stöcke werden zeitgleich gesetzt. Beim Kurzschwung mit Doppelstockeinsatz sollte man darauf achten, dass beide Hände stets vorne im Blickfeld bleiben und der Stockeinsatz kräftig beziehungsweise mit hoher Intensität ausgeführt wird.

Übung „Doppelstock talseitig“: Beim Kurzschwung mit Doppelstockeinsatz auf der Außenseite/Talseite bleibt der Oberkörper automatisch frontal ausgerichtet und die bewegungsbereite Position wird stabilisiert.

Übung „Doppelstock mit »Ticken«“: Kurzschwung mit Doppelstockeinsatz, dabei nach dem Stockeinsatz mit beiden Stöcken in der Mitte „ticken“, also mit den Stöcken kurz oberhalb der Stockteller zusammenklatschen. Dies fördert eine stabile Arm-Stock-Arbeit und verhindert ein Mitdrehen des Außenarms in die neue Kurve.

Übung „Zweifacher Stockeinsatz“: Kurzschwung fahren und dabei zweimal mit dem Stock auf der Außenseite/Talseite dynamisch die Stockeinsatzbewegung ausführen. Da diese Bewegung sehr zügig vonstatten gehen muss, entsteht automatisch eine optimale muskuläre Spannung in Rumpf, Schultern und Oberarmen. Variante: Probieren Sie auch einen zweifachen Doppelstockeinsatz. <<<

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Bei der Übung „Schnelles Umsteigen“ springt man über ein imaginäres Seil, das sich in Falllinie befindet.

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