Driften – ein Joker für Experten

Natürlich fahren Sie gut Ski. Aber es geht immer noch ein bisschen besser. Und gemeinsam mit dem Deutschen Skilehrerverband wollen wir Ihnen helfen, das nächste Level zu erreichen. In unserer Serie zum Technik-Training gibt Ihnen Norbert Henner – Mitglied im DSLV-Ausbilderteam und Mitautor der DSLV-Lehrpläne – die entscheidenden Tipps. Diesmal: Richtiges Driften

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Bild Michael Mayer/outdoor-fotoworks.com

Das Driften in der Kurvensteuerung bei mittleren und großen Radien wurde mit der Carving- Entwicklung in den Hintergrund gedrängt. In einer Nische hat sich das Andriften der Kurve jedoch hartnäckig gehalten: im Rennlauf. Müssen Rennläufer auf relativ kurzer Strecke viel Richtung machen, werden die Ski im Drift angedreht und erst im weiteren Verlauf auf Schnitt gefahren. Diese Technik lässt Kurvenradien und Richtungswechsel unabhängig vom Skimaterial zu. Sie ist außerdem sportlich, effektiv und bringt jede Menge Fahrspaß! Und das Beste: Sie ist für Könner und Experten erlernbar. Ein absolutes Muss für Skifahren im High-End-Bereich.

Situativ eignet sich diese Technik besonders auf steilen, harten Pisten, die man in mittleren bis großen Radien bewältigen möchte. Bei geschnittenen Kurven wird die Tempokontrolle in diesem Geländebereich nahezu unmöglich. Mit Andriften lässt sich die Tempokontrolle jedoch auch bei mittleren und großen Kurvenradien gut realisieren und steile, harte Hänge sportlich bewältigen. Skitechnisch beinhaltet diese Fahrweise folgende Schwerpunkte:

Entlasten durch Abkanten

Zunächst muss man beim Kurvenwechsel rasch den Druck von beiden Skiflächen nehmen, indem man die Ski plan auf die Unterlage setzt und durch eine minimale und dynamische Hochbewegung die Ski entlastet.

> So können Sie trainieren

Übung „Schuss – Drift“: Schuss in Falllinie anfahren, beide Ski plan auf die Unterlage stellen, durch eine leichte dynamische Hochbewegung entlasten und 90 Grad zur Falllinie andrehen. Unbedingt darauf achten, dass die Ski möglichst plan aufliegen und in der anschließenden Driftphase quer zur Falllinie so wenig wie möglich bremsen.

Übung „Schrägfahrt – Drift“: Gleiches aus der Schrägfahrt versuchen – nun müssen die Ski umfangreicher angedreht werden, um quer zur Falllinie zu driften.

Übung „Kurve – Drift“: Wiederum Gleiches aus der Kurvenfahrt versuchen.

Mit dem Kurvenwechsel Ski zügig plan stellen, entlasten und andrehen. Jetzt mit beiden Ski quer zur Falllinie driften, danach wieder die Kurvenfahrt für zwei oder drei weitere Kurven ohne Driften aufnehmen.

Sensorische Rückmeldung:

• Im Wechsel Druckentlastung auf den Fußsohlen spüren.

• Beim Driften gleichmäßige Belastung auf beiden Fußsohlen fühlen.

Gegendrehen – Ski plan zur Unterlage drehen

Die plan gestellten Ski werden im Driften bis in die beabsichtigte Fahrtrichtung angedreht.

> So können Sie trainieren

Übung „Schussfahren – Gegendrehen – Ski plan andrehen“: Aus der Schussfahrt Ski plan stellen, in die gewünschte Richtung drehen und den Umfang der Skidrehung von 45° bis 90° zur Falllinie variieren. Dabei mit dem Oberkörper mit Beginn der Entlastungsbewegung (minimale Hochbewegung) so stark gegendrehen, dass dieser sofort völlig taloffen ausgerichtet ist.

Übung „Schrägfahren – gegendrehen – Ski plan anstellen und drehen“: Gleiches aus der Schrägfahrt versuchen und wieder den Umfang der Skidrehung variieren.

Übung „Kurve fahren – gegendrehen – Ski plan andrehen“: Und wiederum die gleiche Übung aus der Kurvenfahrt versuchen: im Wechsel Ski entlasten, plan stellen, drehen und im Oberkörper konsequent und dynamisch gegendrehen. Natürlich auch hier den Umfang der Skidrehung variieren. Das Andriften und Drehen bei etwa jeder dritten Kurve versuchen.

Sensorische Rückmeldung:

• Während des Andriftens und Drehens mit planen Ski so wenig Reibung wie möglich auf der Unterlage verspüren. Punktueller schneller Druckaufbau – Ski aufkanten

Hat man die Ski im Driften in die gewünschte Richtung gedreht, muss ein punktueller und schneller Druckaufbau erfolgen: Beginnend im Sprunggelenk müssen die Ski aufgekantet und danach blitzschnell Knie und Hüfte zum Hang bewegt werden. Der Oberkörper bewegt sich dabei so weit und schnell wie möglich über den Außenski, um eine hohe Druckentwicklung durch Belasten zu garantieren. Das Ergebnis ist ein schneller und umfangreicher „Körperknick“ und die Steuerphase wird in schneidender Fahrweise vollendet.

> So können Sie trainieren

Übung „Schussfahren – driften – drehen – Ski aufkanten“: Gerade in Falllinie anfahren, driften, Ski plan anstellen und drehen (mit Gegendrehen!), dann schnell Druck aufbauen und erhöhen durch Kantbewegungen aus Beinen und Hüftknick.

Übung „Kurven fahren – driften – drehen – Ski aufkanten“: Schließlich die gesamte Fahrweise zusammenhängend umsetzen: im Kurvenwechsel Ski plan stellen, entlasten und drehen. Danach schnell viel Druck und großes Widerlager im Schnee entwickeln und Kurvensteuerung schneidend vollenden und nächsten Kurvenwechsel in dieser Fahrweise beginnen.

Sensorische Rückmeldung:

• Während des Andriftens und Andrehens mit planen Ski so wenig Reibung wie möglich auf der Unterlage verspüren, danach möglichst hohen Druck auf der Innenseite des Außenski wahrnehmen.

Fazit: Diese Fahrweise verlangt viel Ski- und Bewegungsgefühl und ist ein absolutes High-End-Technikmodul. Es muss einiges an Trainingskilometern investiert werden, um diese Fahrweise fließend umzusetzen. Gelingt dies, erwartet einen ein völlig neues Kurven- und Bewegungsgefühl, das jeden Trainingsaufwand wert ist!

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