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Souverän Tiefschnee fahren (I)

Auch Fortgeschrittene können noch etwas lernen – wenn sie einen guten Lehrer haben. Und wer könnte einem das Skifahren besser beibringen, als der Deutsche Skilehrerverband? Darum präsentieren wir Ihnen in einer neuen Serie exclusiv Auszüge aus den aktuellen Lehrplänen des DSLV

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Bild DSLV, Ziener

Wer kennt sie nicht, die begeisternden Bilder, auf denen Skifahrer bis zum Hals im Tiefschnee versinken und Schneestaub und Schneefahnen um sie herumwirbeln? Das mühelose Schweben und Gleiten in weichem und tiefem Schnee gehört zu den faszinierendsten und schönsten Erlebnissen und ist wohl der größte Genuss für jeden Skifahrer. Noch dazu ist die entstehende Spur in unberührtem Schnee für den Experten eine tolle Belohnung. Sie verdeutlicht und beweist die perfekten Bewegungen des Fahrers durch Linie oder Symmetrie. Damit auch der ungeübte Tiefschneefahrer sehr bald sein Können durch seine Spuren beweisen kann, bedarf es nur ein wenig Anpassung seiner Bewegungen und etwas Fahrpraxis.

Erarbeiten und erwerben für die Situation

Das Einsinken in tiefem und weichem Schnee mit erhöhtem Gleit- und Reibungswiderstand ist am Anfang noch ungewohnt und verursacht Gleichgewichtsstörungen. Jede Gewichtsverlagerung nach vorne, hinten oder zur Seite lässt die Ski entsprechend abtauchen, was durch Gegen- bzw. Ausgleichsbewegungen verhindert werden muss. Dies lässt sich am besten in einfachem Gelände austesten. Hierzu eignen sich kurze Tiefschneepassagen neben oder zwischen präparierten Pisten. Bei den ersten Versuchen sollten die Fahrstrecken nicht zu lang sein, weil durch eventuelle Stürze und das damit verbundene mühsame Aufstehen viel Kraft verloren geht. Bei langsamem Tempo kann aber auch das Stürzen und Sich-in-weichen-Schnee-fallen-lassen riesigen Spaß machen.

Aufgaben Gewöhnungsphase

In tiefem Schnee mit Ski gehen, schieben, laufen, hüpfen, wippen, schreiten, springen, schubsen, ...

In tieferem Schnee geradeaus gleiten und dazu wippen (in alle Richtungen), springen, Ski

versetzen, auf einem Bein fahren, auf beiden Beinen fahren, ...

Von gespurtem Schnee in unverspurten Schnee fahren und umgekehrt.

In stark verspurtem Tiefschnee Kurven fahren, später in weniger stark verspurtem Tiefschnee usw.

In nicht zu tiefem Schnee Kurven fahren, später in etwas tieferem Schnee usw.

Auf beiden Beinen sollst du stehen

Es geht darum, die Unterstützungsfläche des Innenskis richtig einzusetzen. In weichem Schnee sollte die Belastung auf beiden Beinen möglichst gleich verteilt sein, um ein einbeiniges Einsinken zu verhindern. Grundsätzlich bleibt aber die Mehrbelastung auf dem Außenski. Während der Kurvenfahrt versucht man bewusst und deutlich, den Innenski mit zu belasten. Der maximale Belastungskontrast wird aufgezeigt, wenn der Außenski einmal oder sogar mehrmals in einer Kurve angehoben wird. Diese Aufgabe trainiert zusätzlich das Gleichgewicht und kann zuerst auf einer präparierten Piste gefahren werden, dann in verspurtem Tiefschnee oder auch in niedrigem Tiefschnee.

Auf und nieder, immer wieder

Im Kurvenwechsel strecken bzw. aufrichten, um dadurch die Ski stärker zu entlasten und leichter anzudrehen – in der Steuerung dosiert und gleichmäßig beugen bzw. tief gehen, um die Belastung besser zu regulieren. Ein stetiges und rhythmisches Hoch- und Tiefgehen während der Kurvenfahrt komprimiert durch stärkere Belastung den weichen Schnee und lässt den Verdichtungseffekt entstehen, der zum Kurvenwechsel genutzt werden kann. Je dynamischer das Aufrichten, desto stärker die Entlastung. Beim Üben kann dies ohne weiteres bis zum Abheben der Ski führen. Im Tiefschnee spricht man dann vom Schanzeneffekt, der zum Schwebegefühl führt. Dies ist ebenso auf der Piste spürbar, nur drückt man sich hier nicht wie im Tiefschnee von der ganzen Lauffläche, sondern von der Kante ab.

The Block – Wird mit engerer Beinstellung

gefahren, vergrößert sich in weichem Schnee die Flächenwirkung der Ski, die den Auftrieb verstärkt. Beim Zusammenpressen der Beine wird in den meisten Fällen auch der Innenski stärker mitbelastet und größere Kantbewegungen aus den Beinen werden erschwert – so können gleich drei

Vorteile entstehen. Für diese Aufgabe werden während der Kurvenfahrt die Beine mal stärker, mal schwächer zu einem Block zusammengepresst. Um dieses Bewegungsgefühl zu intensivieren, können auch während der Fahrt Gegenstände, zum Beispiel ein Luftballon, zwischen den Beinen gehalten werden. Diese Aufgabe kann auch zuerst auf der präparierten Piste ausprobiert werden.

Jetten

Wird im Kurvenwechsel das Aufrichten dynamisch nach hinten ausgeführt, spricht man vom Jetten, weil dann die Skispitzen wie ein Düsenjet ansteigen und aus dem Tiefschnee gehoben werden. Das ist anstrengend, erleichtert aber das Fahren in schwer drehbarem Tiefschnee. Auch das Jetten ist sehr gut auf der Piste zu erlernen.

Andrehen – Anrotieren

Um den höheren Drehwiderstand des tiefen Schnees zu kompensieren, wird der Oberkörper im Kurvenwechsel in die neue Kurvenrichtung vorausgedreht. Diese Vorabbewegung (früher „Antizipation“ genannt) soll sich durch Körperspannung über die Beine auf die Ski übertragen und Drehbewegungen aus den Beinen unterstützen. Das Andrehen oder Rotieren sollte spätestens nach überfahren der Falllinie gestoppt werden, weil ein Überdrehen des Oberkörpers in der Steuerung die Gesamtposition destabilisiert. Auf der präparierten Piste hervorragend zu üben.

Die Übungen für den Bereich

„Anwenden und verbessern in der Situation“ finden Sie in der nächsten Ausgabe des SkiMAGAZINs, das am 16. März erscheint.<<<

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