Test Slalom: So ein Hin und Her!

Was einem in anderen Lebensbereichen manchmal an den Nerven zehrt, wird von vielen Skifahrern auf der Piste zelebriert: Ultraschnelle Richtungswechsel … Wir haben die besten Ski der Slalom-Fraktion unter die Lupe genommen

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Text: Florian Tausch, Ralf Kühlkamp

Fotos: Mirja Geh

Die Charakteristik

Mit Slalomski kann man die ganze Dynamik des Skisports erleben. Alles an ihnen ist darauf ausgelegt, möglichst kurze Schwünge und fixe Richtungswechsel zu ermöglichen.

„Die Ski gehen schnell um die Kurve und haben einen extremen Einzug. Außerdem bieten sie einen guten Rebound, damit man schnelle Kanten-wechsel machen kann“, beschreibt Reto Rindlisbacher von der Firma Nordica diese Kategorie.

Sportlichkeit, Agilität und Eigendynamik stehen auf der Prioritätenliste also ganz oben. Diese Eigenschaften spielen die Bretter vor allem auf harter Piste voll aus. Dementsprechend wichtig ist auch ein extrem guter Kantengriff, der die engen, geschnittenen Turns erst ermöglicht. Beim Driften zeigen sich die hart abgestimmten und stark taillierten Ski hingegen eher störrisch. Aber wer die Vorzüge der Slalom-Carver wirklich ausnutzen möchte, wird ihn auch wo immer möglich auf der Kante fahren, was – wenn man es denn beherrscht – eine helle Freude ist, denn die Kombination aus extremer Geometrie und hoher Torsionssteifigkeit lässt die Schaufel unmittelbar nach dem Aufkanten stark greifen. Der Fahrer wird quasi direkt in den nächsten Turn hineingezogen.

Diese aggressiven Merkmale machen Slalom-Ski natürlich auch wenig fehlerverzeihend. Hinzu kommt, dass sie relativ kurz gefahren werden und dementsprechend nicht so laufruhig sind wie beispielsweise die Modelle aus der Riesenslalom-Kategorie. Auch in weichem Schnee fühlen sich die Slalom-Modelle nur bedingt wohl.

Aufbau und Konstruktion

Diese Ski basieren auf denselben Konstruktionen und Technologien, die auch im Weltcup gefahren werden. Basis der Sandwich-Bauweise ist ein sehr steifer Holzkern, auf dem oben und unten zwei Titanal-Begurtungen aufgebracht sind, die für die hervor-ragende Torsionssteifigkeit sorgen. Eine Seitenwange bringt den notwendigen Kantenbiss. Wichtig für eine optimale Performance sind ein hochwertiges Plattensystem und eine stabile Bindung. Diese sorgen für eine möglichst direkte Kraftübertragung.

Der Seitenzug ist durch die breite Schaufel und die schmale Taille gekennzeichnet. Während die Ski an der Spitze meist um die 120 bis 124 mm messen, liegen die Mitten bei maximal 70 mm. Die meisten Hersteller specken hier sogar noch mehr ab – bei den von uns getesteten Ski ging es bis zu 66 mm herunter. Diese starke Taillierung sorgt für den sehr engen Radius, den die Bretter auf die Piste bringen: Modelle mit 13 Metern (Fischer, Dynastar) gehören da schon zu den zu den Variableren – die meisten Slalom-Racer pendeln sich um die 11,5 Meter ein. Die engsten Radien im Test lieferten Atomic (10,5 m) bzw. Head (10,7 m). Interessant ist übrigens, dass in den beiden race-orientierten Kategorien Slalom und Riesenslalom der Rocker nicht weiter auf dem Vormarsch ist. Zwar gibt es wieder einige wenige Modelle mit leicht aufgebogener Schaufel, im Vergleich zum Vorjahr sind diese allerdings nicht mehr geworden.

Für welche Fahrer sind Slalom-Ski geeignet?

Dies sind extrem sportliche Ski. Um ihr Potenzial voll ausschöpfen zu können, brauchen sie einen fortgeschrittenen Skifahrer, der über Kraft und Technik verfügt. Das ständige schnelle Umkanten und der stetige Druck, den man bei den Carving-Schwüngen auf den relativ harten Ski ausüben muss, verlangen außerdem nach einer Menge Kondition. Aufgrund der hohen Eigendynamik und des aggressiven Kurveneinzugs ist eine sichere Beherrschung der Fahrtechnik wichtig, denn diese Ski neigen schnell zum Verschneiden und verzeihen wenig Fehler. Lockeres Cruisen mit gedrifteten Schwüngen gelingt mit Modellen aus anderen Kategorien jedenfalls deutlich besser. Wer die körperlichen und fahrtechnischen Voraussetzungen jedoch mitbringt und es liebt, enge Carving-Turns aneinanderzureihen, der wird mit einem der ausgesprochen agilen und dynamischen Slalom-Ski sicher glücklich werden. <<<

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Extra-Tipp Viele Slalom-Racer sind breitbandig einzusetzen, wenn man das Modell etwas länger wählt.
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Einsatzbereich des Slalom-Ski

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